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Insurtechs Alexa, versicher' mich!

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Geräteversicherungen als lukrative Nische

Ein weiteres interessantes Geschäftsfeld für Insurtechs sind zeitlich befristete Verträge anhand besonderer Anlässe, beispielsweise beim Kauf eines Produktes. Unter der Marke „Schutzklick“ verkauft die simplesurance GmbH aus Berlin Versicherungen für Elektronik wie Smartphones, Laptops, Computer, Fernseher aber auch Fahrräder, Kameras und Musikinstrumente. Das Unternehmen lockt Kunden auf seiner Homepage mit der Aussage  „Wir brauchen von Dir keine Anträge und Du musst keine langen Formulare ausfüllen.“

Für eine Versicherung von Smartphones und Laptops braucht es auch wirklich nur die Produktbezeichnung, Seriennummer und Adresse des Versicherungsnehmers. Ein Versicherungsabschluss für elektronische Geräte ist bis zu drei Monate nach dem Kauf möglich. Vorteil: Die Versicherung läuft nach 36 Monaten automatisch aus. Im Schadensfall sorgt Schutzklick selbst für die Regulierung, also die Reparatur oder Kaufpreiserstattung, normalerweise verbunden mit einer Selbstbeteiligung.

Den eigentlichen Versicherungsschutz tragen jedoch Kooperationspartner wie die Allianz, die Arag oder die Mannheimer. Anbieter wie Schutzklick machen vor allem den Versicherungsabschluss sowohl über Smartphone als auch Laptop für den Kunden bequem und zeitsparend. Die untersten Preise bei Smartphones liegen bei 35 Euro für einen Jahresvertrag und steigen entsprechend dem Kaufpreis.

Angebote werden allmählich anspruchsvoller

Das Segment der kurzfristig abschließbaren Elektronikversicherungen zeigt, dass Insurtechs in Geschäftsfeldern besonders erfolgreich sind, in denen sich die traditionellen Versicherer bisher weniger engagiert haben. Allerdings ändert sich dies bereits: nun bieten auch etablierte Versicherer zunehmend eigene Elektronikversicherungen an. Aber auch in recht komplexe und erklärungsbedürftige Versicherungssparten wie die Krankenversicherung wagen sich Start-ups, wie das Beispiel des Onlinekrankenversicherers Ottonova zeigt.

Anfangs war das Verhältnis zwischen Insurtechs und den traditionellen Versicherungen vor allem durch Konkurrenz geprägt. Die Insurtechs wurden von vielen in der Versicherungsbranche misstrauisch beäugt. Das ursprüngliche Gegeneinander ist in den letzten Jahren aber zunehmend zu einem wohlkalkulierten Miteinander geworden, da die etablierten Versicherer nicht vom Markt verschwinden werden. Klaus Wiener, Chefvolkswirt des Verbandes der deutschen Versicherungswirtschaft, bleibt daher gelassen:  „Insurtechs werden etablierte Anbieter auf absehbare Zeit nicht verdrängen. Sie besetzen aber wichtige Nischen: Die Anbieterlandschaft differenziert sich weiter aus.“

Alt und neu brauchen sich gegenseitig

Die Versicherer sind bestrebt, das digitale Know-how und die innovativen Ideen der Start-ups in ihre Unternehmensprozesse einzubinden. Viele Insurtechs sind auch deswegen auf Kooperationen angewiesen, da sie wegen fehlender Lizenzen nicht selbst Versicherungen verkaufen können. Zudem können sie von der Finanzstärke, der Marktkenntnis und den meist umfangreichen Kundenbeziehungen der etablierten Versicherer profitieren.

Gleichzeitig beteiligen sich immer mehr etablierte Versicherer und Finanzinvestoren an Insurtechs. So erhielt Simpleinsurance 20 Millionen Euro von der Allianz sowie Rakuten, dem führenden japanischen Online-Marktplatz. Clark akquirierte 2018 in einer Finanzierungsrunde 29 Millionen Dollar von internationalen Investoren. Und Ottonova überwiesen mehrere deutsche Investoren zum Start 40 Millionen Euro.

Die nächste Police vom Sprachassistenten

Manche Insurtechs und Versicherungen planen nun den Verkaufsprozess weiter zu digitalisieren, und zwar durch Sprachassistenten wie Alexa. Bei der Deutschen Familienversicherung ist das bereits seit Oktober 2018 Realität. Stefan Knoll, Gründer und CEO der Deutsche Familienversicherung: Durch unser hochmodernes IT-System ist es uns endlich gelungen, den volldigitalen Abschluss über Amazons Alexa Realität werden zu lassen. Der Kunde kann sich nun nicht mehr nur von Alexa beraten lassen, sondern zeitgleich, innerhalb weniger Sekunden, eine Versicherung abschließen.“ Auch bei der Allianz kann man sich den Einsatz von Alexa vorstellen, aber bis jetzt nur bei eher einfachen Funktionen wie Standardinfos über Produkte oder der Suche nach einem Versicherungsvertreter.

Allerdings wirft der Einsatz von Sprachassistenten die Frage auf, ob dies im Sinne des Verbraucherschutzes ist. Eine individuelle Beratung ist durch Alexa wohl auch in Zukunft kaum möglich, geschweige denn die Aufklärung über die Bedingungen des Versicherungsvertrages. Zudem gibt es bei Alexa auch ein relativ hohes Datenschutzrisiko, auf das Verbraucherschützer immer wieder hingewiesen haben. So stehen beispielsweise die Server für Alexa nicht in Deutschland, sondern in den USA mit ihrem niedrigen Datenschutzniveau. Zudem gibt es erste Berichte über falsche Bestellungen, die Alexa aufgenommen und weitergeleitet hat.

Wenn der frischgebackene Abiturient überraschend eine Sterbegeldpolice erhält, wird er sich bei Alexa wohl kaum darüber beklagen können.

Für Thomas Husse lief es mit seiner Hausratversicherung von Coya immerhin ganz gut. Einige Tage nach Abschluss kontaktierte er die Versicherung per Chat. Zu seiner Beruhigung reagierte Coya prompt. Nein, die Versicherungssumme sei ausreichend, ja, die Fahrräder seien im Wohnraum mitversichert und ja, er könne gerne ein Inventarliste hochladen, wenn es ihm lieber wäre. Gerne auch mit Fotos. Husses Nervosität verschwand.

Er war auch nicht mehr überrascht, als er die nächste Mail von Coya erhielt: Ob er damit einverstanden sei, dass man seinen Schadenfreiheitsbonus in Höhe von fünf Prozent seiner gezahlten Beträge – also etwa 50 Cent - an einen guten Zweck spende. Noch ist kein Schadensfall eingetreten und weiter offen, was dann passiert. „Aber als Kunde fühle ich mich zumindest gut aufgehoben“, sagt Husse heute.

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