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Internet-Adressen Finance.me: Montenegros neue Geldquelle

Montenegro hat eine neue Geldquelle entdeckt. Das Land bietet Internet-Adressen mit dem Kürzel .me an und hofft auf Millionen-Einnahmen. Experten warnen jedoch vor überzogenen Erwartungen.

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Nach der Unabhängigkeit reich Quelle: AP

Montenegro will es Tuvalu gleich tun. Schätzungsweise 50 Millionen Dollar hat das 26 Quadratkilometer kleine Inselreich in der Südsee durch die Vergabe seiner Internetadressen mit der beliebten Endung .tv erzielt. Ähnliche Einnahmen erhofft Montenegro, dass derzeit seine neuen Internetadressen vergibt. Von morgen an kann sich jeder die neuen Adressen registrieren. Durch das Länderkürzel des jungen Balkanstaates lassen sich so klangvolle Domains wie Help.me, Kiss.me oder Find.me kreieren.

„Wir haben bisher 30.000 Anträge erhalten“, sagt Predrag Lesic, der Leiter des Vergabeverfahrens. Die erste Registrierungsphase war auf Einheimische, Unternehmen und Markeninhaber begrenzt. Bei mehreren Interessenten wird die Domain versteigert. Die teuerste Adresse war dabei bislang lastminute.me mit einem Preis von 3605 Dollar, der Auktionsprozess läuft jedoch noch.

Von morgen an kann sich dann jeder eine der noch vorhandenen Internetadressen mit der lukrativen Endung .me registrieren. „Da kommt der große Ansturm“, sagt Hans Peter Oswald, Geschäftsführer der Secura GmbH. Denn wer zuerst kommt, erhält den Zuschlag. Allerdings sind die 2600 vermeintlich lukrativsten Adressen reserviert und werden erst am Schluss des Vergabeprozesses versteigert.

„Die Adressen entsprechen dem Zeitgeist von Web2.0 und Social Networks“, sagt Philipp Grabensee, Aufsichtsratsvorsitzender von Afilias. Das Unternehmen ist mit der technischen Betreuung der neuen Adressen betraut. „Ich denke .me ist auf Dauer vom Volumen sogar interessanter als .tv“, sagt Grabensee. Denn die neuen Adressen richten sich vor allem an Einzelpersonen, .tv sei dagegen tendenziell teurer aber vor allem auf Anbieter von Fernseh- und Videoangeboten eingegrenzt.

Doch genau das hält Marius Würzner, Geschäftsführer des Domainhändlers Sedo für einen Nachteil. „Bei .tv können sich die Nutzer vorstellen, was sie erwartet“, sagt Würzner. Das sei bei den neuen Endungen schwieriger. Würzner erwartet daher, dass sie vor allem für einzelne  Werbe- oder Marketingkampagnen eingesetzt werden. Zudem seien in den vergangenen Jahren bereits verschiedene so genannte Top Level Domains eingeführt worden. Doch Adressen mit Endungen wie .mobi, .eu oder .asia machen nur einen Bruchteil der weltweit über 160 Millionen Internetadressen aus. „Auch .me wird eine Randerscheinung bleiben“, sagt Würzner. Die Nutzer seien auf .com oder .de Adressen konditioniert, daher hätten es neue Endungen schwer und es dauere teilweise Jahre, bis sie akzeptiert würden.

Millioneneinnahmen erwartet

Vom kommenden Jahr an dürfte die Situation zudem noch unübersichtlicher werden. Denn die für das Namensystem zuständige Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) will die Namensräume weitgehend freigeben. Das verkündete die „Internet-Regierung“ Ende Juni. Damit werden künftig auch Endungen wie .wiwo, .bmw oder .mustermann möglich. Eingeschränkt wird die neue Freiheit jedoch durch die Kosten, allein für die Bewerbung um eine neue Endung sollen über 100.000 Dollar fällig werden.

Dagegen sind die .me-Adressen wahre Schnäppchen. Der Preis hängt davon ab, wo und zu welchen Konditionen man sie sich registriert, dürfte im Schnitt aber bei 20 Dollar pro Jahr liegen. 1,2 Millionen Adressen peilt Lesic in den kommenden fünf Jahren an. Das ergäbe dann jährliche Umsätze von 40 Millionen Dollar, die Einnahmen muss sich Montenegro jedoch mit den Registraren teilen.

Obendrauf kommen die Erlöse durch Auktionen, wobei vor allem für die 2600 vorgehaltenen Top-Namen, wie etwa search.me hohe Preise erwartet werden. „Ich kann mir vorstellen, dass bis zu 100.000 Dollar für interessante Namen gezahlt werden“, sagt Registrar Oswald. Sedo-Chef Würzner hält bei der Auktion insgesamt Erlöse im niedrigen Millionenbereich für realistisch. Interessenten und der Finanzminister Montenegros, Igor Luksic, müssen sich aber noch gedulden. „Die Auktion beginnt im September“, kündigt Lesic an.

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