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Internet der Dinge Das Geschäft mit dem Megatrend

Mountainbikes voller Sensoren, Bergwerke ohne Menschen: Die Vernetzung von Geräten und Computern sprengt Branchen und eröffnet grandiose Geschäfte. Wer jetzt schläft, riskiert seine Zukunft.

Vernetztes Fahrrad: Alle Werte und Daten direkt auf dem Smartphone. Quelle: imago, Montage

Mit dem Mountainbike durch die Wildnis der Rocky Mountains zu streifen – davon träumen viele Kunden des kalifornischen Zweiradbauers Santa Cruz Bicycles. Doch der Traum wird schnell zur Plackerei, wenn auf den steilen, schmalen Gebirgspfaden das Hinterrad ständig durchdreht. Damit die Hobbysportler dann nicht frustriert die Tour abbrechen, bietet der Hersteller Hilfe an. Bis zu sieben Sensoren im Rad messen so ziemlich alles, was fürs Fahren wichtig ist: Tempo, Beschleunigung, Lenkradwinkel, Sattelhöhe, Pedalkraft, Federung. Das Smartphone des Bikers sendet die Daten an die Firmenzentrale. Dort erkennen Experten sehr schnell, was der Bergkletterer falsch macht. Umgehend schicken sie ihm Tipps auf sein Display, wie er Fahrstil und Sitzposition ändern muss, damit die Räder besser packen und er mit weniger Kraftaufwand vorankommt.

Der neue Service – noch in der Testphase – ist weit mehr als eine nette technische Spielerei. Er gibt den Blick frei auf den neuen Wertschöpfungskosmos des Internets der Dinge, wie die Vernetzung aller nur denkbaren Maschinen und Geräte plakativ genannt wird. Die Santa-Cruz-Manager zum Beispiel wollen mit dem Dienst nicht nur Kunden binden. Die Daten verraten ihnen zugleich, wie sie noch bessere Räder bauen können.

Zahl vernetzter Geräte weltweit (in Milliarden)

Damit schälen sich die Konturen einer Zukunft heraus, in der sich ganze Branchen werden neu sortieren müssen: Was wir gerade erleben, ist die Verschmelzung von digitaler und realer Welt, die gewohnte Strukturen und Branchengrenzen auflöst, ja geradezu hinwegfegt, sagt Michael Porter, einer der führenden Management-Vordenker der Harvard Business School: „Der Wettbewerb verschiebt sich von einzelnen Produkten hin zu komplexen Produktsystemen und Diensten.“

Seine Folgerung: Wer die Transformation verschläft, fällt in die Bedeutungslosigkeit. Denn das Internet der Dinge steht für einen Technologiesprung, der ökonomischen Mehrwert verspricht wie schon lange keine Innovation mehr. Bereits in zehn Jahren werde die Vernetzung von allem und jedem die Welt um umgerechnet zehn Billionen Euro reicher machen, prognostiziert McKinsey. Das entspricht knapp zwei Dritteln der jährlichen Wirtschaftsleistung der USA. Unternehmen profitieren vor allem, weil sie Kosten senken und neue Geschäftsmodelle anbieten können. Verbraucher sparen Zeit und erhalten vielseitigere Produkte – meist sogar billiger.

Denkende Maschinen, totale Vernetzung, smarte Dienste
Internet der DingeDie Verknüpfung aller Gegenstände ermöglicht es, sie über Datennetze zu orten, zu kontrollieren und zu koordinieren Wichtige Anwendungen: Intelligente Steuerung globaler Logistikketten und des Verkehrs; medizinische Ferndiagnosen; Gebäudeautomation; sich selbst optimierende Fabriken Einfluss auf das BIP 2025 (in Mrd. Euro), Anteil am BIP: 207 Milliarden = 4,8 Prozent Effekt auf Arbeitsplätze: 4/4 Wettbewerbsstärke Deutschlands: 3/4 Quelle: Marcel Stahn
Automatisierung WissensarbeitLernende Softwaresysteme erkennen Zusammenhänge, analysieren Probleme und ziehen daraus Schlussfolgerungen Wichtige Anwendungen: Erledigung von Aufgaben in Büro und Verwaltung; Abwicklung von Dienstleistungen; Erstellung von Entscheidungsvorlagen; medizinische Diagnosen Einfluss auf das BIP 2025 (in Mrd. Euro), Anteil am BIP: 207 Milliarden = 4,8 Prozent Effekt auf Arbeitsplätze: 4/4 Wettbewerbsstärke Deutschlands: 3/4 Quelle: REUTERS
Fortgeschrittene RobotikRoboter bauen sich selbst, finden sich in der Umwelt zurecht und stellen sich auf den Menschen ein. Wichtige Anwendungen: Industrielle Produktion; Chirurgie; Pflege; vielseitige Helfer im Alltag, etwa beim Putzen oder Rasenmähen Einfluss auf das BIP 2025 (in Mrd. Euro), Anteil am BIP: 175 Milliarden = 4,0 Prozent Effekt auf Arbeitsplätze: 3/4 Wettbewerbsstärke Deutschlands: 4/4 Quelle: REUTERS
Alternative AntriebeElektro-, Brennstoffzellen- und Wasserstoffantrieb oder Hybridlösungen. Wichtige Anwendungen: Privat und gewerblich genutzte Fahrzeuge; Fuhrparks; Busse; Schiffe und Flugzeuge Einfluss auf das BIP 2025 (in Mrd. Euro), Anteil am BIP: 111 Milliarden = 2,6 Prozent Effekt auf Arbeitsplätze: 2/4 Wettbewerbsstärke Deutschlands: 4/4 Quelle: dpa
Mobiles InternetSmartphone, Tablet-PC oder Datenbrille verbinden Nutzer jederzeit und überall mit dem Internet Wichtige Anwendungen: E-Commerce; Online-Lernen; Telemedizin, z. B. Überwachung des Gesundheitszustands chronisch Kranker; Mobile Payment; Gastronomietipps Einfluss auf das BIP 2025 (in Mrd. Euro), Anteil am BIP: 91 Milliarden = 2,1 Prozent Effekt auf Arbeitsplätze: 2/4 Wettbewerbsstärke Deutschlands: 1/4 Quelle: dpa
Big DataAnalyse riesiger Datenmengen, die Sensoren, Rechner, Handys, intelligente Zähler und Autos ständig sammeln und übermitteln Wichtige Anwendungen: Angebot individueller Produkte und Dienstleistungen; Börsenhandel; Marktprognosen; Entdeckung neuer Geschäftsmodelle Einfluss auf das BIP 2025 (in Mrd. Euro), Anteil am BIP: 82 Milliarden = 1,9 Prozent Effekt auf Arbeitsplätze: 3/4 Wettbewerbsstärke Deutschlands: 2/4 Quelle: obs
Cloud ComputingAus der Datenwolke können Unternehmen und Private via Internet Software, Rechen-, Speicher- und Netzwerkkapazität Wichtige Anwendungen: Programme, IT-Infrastruktur und Internet-Plattformen werden gemietet statt gekauft – bedarfsgerecht und technisch auf dem neuesten Stand Einfluss auf das BIP 2025 (in Mrd. Euro), Anteil am BIP: 73 Milliarden = 1,7 Prozent Effekt auf Arbeitsplätze: 3/4 Wettbewerbsstärke Deutschlands: 2/4 Quelle: dpa

Gegenwärtig sind einer Studie der britischen Marktanalysten von Machina Research zufolge global gut 14 Milliarden Geräte, Maschinen und Computer miteinander vernetzt. 2023 werden es fast 38 Milliarden sein (siehe Grafik). Noch schneller vernetzen Sensoren Gebäude, Autos und Fabriken: Rund eine Billion wird in etwa zehn Jahren rund um die Erde Werte messen und senden, schätzt Christoph Kutter, Leiter der Fraunhofer-Einrichtung für Mikrosysteme und Festkörper-Technologien EMFT in München. Dann können sich Werkstücke selbst bei der nächsten freien Maschine anmelden, um bearbeitet zu werden. Oder Drohnen können in riesigen Warenlagern an Paletten vorbeifliegen, um die Bestände zu erfassen – alles völlig automatisiert.

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