Internet der Dinge Google zahlt 3,2 Milliarden für Nest Labs

Moderne Haustechnik lässt sich Google richtig was kosten. Für mehr als drei Milliarden Dollar kauft sich der Konzern einen Hersteller von vernetzten Thermostaten und Rauchmeldern. Was Nest Labs so attraktiv macht.

Google holt sich ein Stück Apple ins Haus. Quelle: dpa

Google springt mit der zweitgrößten Übernahme seiner Unternehmensgeschichte auf den Trend zur Vernetzung von Hausgeräten auf. Der Internet-Gigant schluckt für 3,2 Milliarden Dollar den weitgehend unbekannten Thermostat- und Feuermelder-Hersteller Nest Labs und holt sich damit auch ein angesehenes Designer-Team ins Haus. Etwa jeder dritte Mitarbeiter des Start-Ups kommt von Apple - unter anderem Firmenchef Tony Fadell, der Erfinder des iPods. Innerhalb kürzester Zeit ist es Nest Labs gelungen, in dem immer stärker umkämpften Markt für Haustechnik Fuß zu fassen. Der Wert des Unternehmens Nest Labs beträgt rund zwei Milliarden Dollar.

Tony Fadell, Gründer und CEO von Nest, 44, bringt die Wohnung ins Web. Sein per Smartphone steuerbarer, lernender Thermostat ist in den USA ein Bestseller und könnte etablierten Anbietern wie Bosch in die Quere kommen. Quelle: AP

Fadell hat im Mai 2010, eineinhalb Jahre nach seinem Weggang bei Apple, das Unternehmen gegründet - natürlich zünftig in einer Garage in Palo Alto, mit seinem Ex-Apple-Kollegen Matt Rogers als Mitstreiter. Fadell will mit Nest Labs das Internet der Dinge aufbauen helfen, in dem Gegenstände und Geräte wie Menschen, Unternehmen und Organisationen eine Internetadresse haben und miteinander kommunizieren können. Seine bisher bekannteste Erfindung ist ein selbstlernender Thermostat, der sich an die Temperatur-Vorlieben seiner Besitzer anpasst. Statt einer Armada von Knöpfen hat das Gerät von Nest Labs lediglich einen Ring, mit dem sich die Temperatur über ein Display regeln lässt. Das Design wirkt wie von Apple, und auch der Preis von 250 Dollar für die neueste Generation erinnert an Fadells ehemaligen Arbeitgeber. In den USA ist das Gerät ein Bestseller, genau wie ein jüngst vorgestellter Rauchmelder von Nest Labs. Dementsprechend beunruhigt ist der amerikanische Heimautomatisierungsgigant Honeywell. Er hat bereits Klagen wegen angeblicher Verletzung von Patenten eingereicht.

Weltweit konzentrieren sich Technologiekonzerne wie Samsung, Bosch Siemens Hausgeräte und Sony darauf, ihre Apparate miteinander zu vernetzen und damit noch mehr Kunden dauerhaft an sich zu binden. Dabei geht es längst nicht mehr nur um internetfähige Fernseher, sondern darum, dass Kühlschränke, Waschmaschinen und Herde miteinander kommunizieren und sich von unterwegs bedienen lassen. "Die Automatisierung von Haushalten ist eine der größten Geschäftsmöglichkeiten, wenn man vom allgegenwärtigen Internet redet, das alles verbinden wird", sagte Analyst Shyam Patil vom Investmenthaus Wedbush.

Bislang buhlen vor allem Elektrotechnik-Anbieter wie die ABB -Tochter Busch-Jaeger oder der US-Hersteller Belkin darum, Spülmaschinen und andere Geräte besser steuerbar zu machen. Allerdings drängen auch Telekommunikationstechnikfirmen wie Gigaset und die Hausgeräte-Hersteller selbst auf den Markt für sogenannte Heimautomatisierung.

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