WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Internet Die Überholspur im Netz wird kommen

Seite 3/4

Netzneutralität versus Sinnhaftigkeit

Dazu arbeiten die großen Netzausrüster Ericsson, Nokia, Nokias künftige Konzernschwester Alcatel-Lucent und die chinesische Huawei mit Hochdruck an Funktechniken der fünften Generation, kurz: 5G. Erste Entwicklungen sollen bis zu den Olympischen Winterspielen im Jahr 2018 in der südkoreanischen Stadt Pyeongchang, spätestens aber bis zu den Sommerspielen 2020 in Japans Hauptstadt Tokio marktreif sein – und neue Geschwindigkeitsrekorde mit bis zu zehn Gigabit pro Sekunde im Mobilfunk aufstellen.

Die größte Unsicherheit auf dem Weg ins Internet der Zukunft liegt darin, ob es den Konzernen gelingt, die Hoheit in der politischen Debatte über die Netzneutralität zu erlangen. Denn nur wenn diese fällt, ergeben Forschungsprojekte, wie sie zum Beispiel die EU-Kommission mit 700 Millionen Euro fördert, einen Sinn. Und nur dann kann die Funktechnik der fünften Generation ihr Potenzial voll entfalten.

US-Aufsichtsbehörde gegen Sonderspuren im Netz

So mussten die Telekommunikationsfirmen in den USA, dem Mutterland des Internets, bereits eine empfindliche Niederlage einstecken. Nach monatelangen Debatten entschied die Aufsichtsbehörde Federal Communications Commission (FCC), dass sie an der Netzneutralität festhalte und es keine Sonderspuren für sensible Spezialdienste geben dürfe, auch nicht im mobilen Internet. Diese Entscheidung fechten nun die beiden größten Telekommunikationsunternehmen in den USA, AT&T und Verizon, per Klage an.

In Europa tobt der Streit zwischen Politikern, Netzaktivisten und Industrie. EU-Digitalkommissar Oettinger bescheinigt der Auseinandersetzung „Taliban-artige Züge“. Der EU-Rat plädiert für Sonderspuren im Internet, in der Hoffnung, der hiesigen Industrie einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den Amerikanern zu verschaffen. Je mehr die Netzneutralität aufgeweicht wird, so die Hoffnung, desto eher könnten die europäischen Konzerne eine Aufholjagd gegen die Internet-Giganten in den USA starten. Das Europaparlament wiederum stellt sich dagegen.

Tatsächlich ist der Bau superschneller Internet-Infrastruktur die letzte Domäne der Europäer. Ericsson ist seit Jahren Marktführer, nach der Fusion mit Alcatel-Lucent rückt der Nokia-Konzern auf Platz zwei vor. Billiganbieter wie die chinesischen Aufsteiger Huawei und ZTE gewinnen aber seit Jahren Marktanteile. Nokia-Chef Rajeev Suri warnt deshalb vor zu strengem Festhalten an der Netzneutralität, weil dies langfristig Innovationssprünge im Internet verhindere.

Wo das Internet am schnellsten ist
Platz 10: FinnlandInternetnutzer in Finnland surfen mit durchschnittlich 7,1 Megabits pro Sekunde. Damit landet Finnland auf Platz 10 der Rangliste des IT-Unternehmens Akamai, das sich darauf spezialisiert hat, Web-Inhalte zu beschleunigen. Zum Vergleich in Deutschland sind Surfer im Schnitt mit sechs Megabits pro Sekunde unterwegs. Quelle: dapd
Platz 9: SchwedenIm Nachbarland Schweden surfen die Internetnutzer laut Akamai ein wenig schneller als ihre finnischen Nachbarn. Mit 7,3 Megabits in der Sekunde belegt Schweden den neunten Platz. Quelle: dpa
Platz 8: USADie Heimat von Microsoft, Apple und Google ist zwar in den Top 10 der Länder mit der schnellsten Internetverbindung vertreten – allerdings mit dem achten Platz relativ weit hinten. 7,4 Megabits pro Sekunde beträgt hier die Durchschnittsgeschwindigkeit im Internet. Quelle: dpa
Platz 7: TschechienTschechien ist auf dem siebten Platz vertreten. Mit  0,7 Megabits in der Sekunde hat unser Nachbarland die Internet-Macht USA deutlich überholt – und bietet seinen Nutzern damit eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 8,1 Megabits pro Sekunde. Quelle: dpa
Platz 6: NiederlandeUnsere niederländischen Nachbarn haben es beim Internetsurfen noch etwas komfortabler: 8,6 Megabits pro Sekunde beträgt die durchschnittliche Internetgeschwindigkeit. Quelle: dpa
Platz 5: SchweizDen Schweizern wird ja gerne unterstellt, dass sie es eher gemütlich angehen lassen. Doch im Internet sind unsere Nachbarn schnell unterwegs. Mit durchschnittlich 8,7 Megabits pro Sekunde landet das Alpenland auf Platz 5 der Akamai-Rangliste. Quelle: dpa
Platz 4: LettlandEine Durchschnittsgeschwindigkeit von 8,9 Megabits in der Sekunde bietet Lettland seinen Internetsurfern. Damit belegt das baltische Land den vierten Platz. Quelle: dpa

In den USA spielen die Konzerne eher auf Zeit. „Für Spezialdienste wird es natürlich Ausnahmen geben“, meinte FCC-Chef Tom Wheeler. Allerdings nur, wenn „diese das normale Internet für Privat- und Geschäftsnutzer nicht über Gebühr beeinträchtigen“, Experten halten diese Einschätzung jedoch für eine Illusion, weil die Ausnahmen zur Regel würden.

Grund dafür ist die starke Zunahme des Datenverkehrs im Internet der Dinge. So erwartet der US-Netzwerkausrüster Cisco, dass es schon in vier Jahren 3,2 Milliarden internetfähige Maschinen geben wird, die fünfmal so viel wie heute miteinander kommunizieren werden. Damit würden die Maschinen in drei Jahren ein Drittel des weltweiten Datenverkehrs, in den USA und Westeuropa sogar fast die Hälfte, auf sich ziehen. Heute sind es erst knapp drei Prozent, den Löwenanteil des Datenverkehrs verursachen zurzeit Videos.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%