WiWo App Jetzt gratis testen!
Anzeigen

Internet Die Überholspur im Netz wird kommen

Seite 4/4

Verteilte Prioritäten

Dreht sich das Verhältnis um, stellt sich nach Einschätzung der Industrie die Frage nach der Netzneutralität neu: Wenn eine Episode von „House of Cards“ von Netflix ruckelt, sei dies ärgerlich. Bleibt aber der Alarm eines Brandmelders im Internet stecken und verzögert dies den Feuerwehreinsatz, stünden Menschenleben auf dem Spiel. Besonders groß sei diese Gefahr auf der letzten Meile, wo sich viele Haushalte die vorgegebene Übertragungskapazität teilen.

Solange die Aufsichtsbehörde FCC auf Netzneutralität beharrt, behelfen sich die Kabelnetzbetreiber in den USA. Sie bieten Kunden an, selbst zu entscheiden, welchen Online-Diensten sie Priorität einräumen. Allerdings läuft die Idee in der Praxis ins Leere, weil die meisten nicht wissen, wie viel Übertragungskapazität sie für ihre Internet-Geräte benötigen.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Der US-Kabelnetzgigant Comcast erwarb deshalb den Spezialisten PowerCloud Systems, der den Datenverbrauch einzelner Geräte erfasst. Die neue Tochter soll nun Techniken entwickeln, mit denen Comcast-Kunden ihre Internet-Geräte verwalten und Daten Vorfahrt gewähren können.

Um der Debatte um die Netzneutralität ihre Schärfe zu nehmen, denken auch Telekommunikationskonzerne in Europa in diese Richtung. Netzausrüster wie Ericsson entwickeln eine Software, die den Kunden die Entscheidung überträgt, eine bestimmte Geschwindigkeit im Internet zu wählen. Technisch möglich wäre sogar ein Geschwindigkeitsregler auf dem Display. „Ein Kunde braucht nur einen Speedbutton zu drücken und bekommt dafür die zeitlich befristete Qualitätssicherung eines bestimmten Dienstes“, sagt Christoph Goertz von der Unternehmensberatung Detecon, einer Tochter der Deutschen Telekom.

Für die Telekommunikationskonzerne hätte eine solche Technik sehr großen Charme. Denn nicht sie würden auf diesem Weg eine Überholspur einrichten, sondern die Kunden selbst. Würden dies die meisten tun, wäre die angebetete Netzneutralität fast wie von selbst erledigt.

Für die Freunde des ultraschnellen Internets erfüllte sich dann mancher Traum. Forscher der renommierten Bell Labs von Alcatel-Lucent etwa testeten bereits, dass es möglich sein könnte, Mitglieder eines Orchesters jeweils von zu Hause aus eine Symphonie spielen zu lassen – stets auf die Hundertstelsekunde im Takt, koordiniert über eine Überholspur im Netz.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%