Internet Zehn IT-Trends für Unternehmenslenker

Es ist nicht lange her, da konnten sich nur Unternehmen Hard- und Software auf dem neuesten Stand der Technik leisten. Heute managen Privatpersonen in ihrer Freizeit mit großer Leichtigkeit den jeweils letzten Schrei der Informationstechnologie - ob Skype, Dropbox oder die neueste App.

Dr. Javier Zamora Quelle: Pressebild

Gleichzeitig wählen immer mehr Nutzer mobile Endgeräte, um ins Netz zu gehen. Im Jahr 2011 überholte der Absatz von Smartphones erstmalig den von PCs und Tablet-Computern (mit atemberaubenden 480 gegenüber 411 Millionen).

Diese beiden großen Trends - die zunehmende Vernetzung der Privatkunden wie auch der große Zuwachs der mobilen Kommunikation - werden einen enormen Einfluss darauf haben, wie Unternehmen zukünftig mit ihren Kunden interagieren. In den Management-Programmen, in denen ich lehre, werde ich von Führungskräften immer wieder gefragt, welche Themen sie für ihre Unternehmen im Auge behalten sollten. Hier sind die zehn wichtigsten:

1. Weniger Tastaturen

Text und Grafik werden unwichtiger - stattdessen werden wir in unserem Alltag immer mehr "natürliche" Benutzeroberflächen (Natural User Interfaces - NUS) sehen: tragbare Computer, Sensoren und Stimmerkennungsprogramme. 

Diese Tweets haben die Welt bewegt
„Achtung: In der Realschule Winnenden gab es heute einen Amoklauf, Täter angeblich flüchtig - besser nicht in die Stadt kommen!!!! “ Diese Nachricht der Twitter-Nutzerin Natali Haug war eine der ersten, wenn nicht die erste Meldung, über den Amoklauf in Winnenden. Quelle: Screenshot
In Teheran verblutet eine Iranerin namens Neda nach einem Schuss in die Brust auf der Straße. Versuche, sie am Leben zu erhalten, scheitern. Blut tritt aus Mund und Nase und fließt über ihr gesamtes Gesicht. Ein Mann filmt den Tod der jungen Frau per Handy-Kamera. Der 40 Sekunden lange Handy-Film geht per Youtube und Twitter um die Welt. Obwohl Neda eine Unbeteiligte war, wird sie zum Symbol des Widerstands gegen die Unterdrückung im Iran. Die Machthaber können den Umlauf solcher Bilder nicht verhindern - damit gewinnt der Widerstand in der Gesellschaft nicht nur an Bedeutung, es formiert sich auch eine weltweite Solidaritätsbewegung. Quelle: Screenshot
Auch die ersten Hintergrundinformationen und Bilder zu den Anschlägen in Mumbai verbreiten sich über Twitter wie ein Lauffeuer. Aus Indien erreichen via Twitter die ersten Augenzeugenberichte die Außenwelt. Quelle: Screenshot
Eine weitere Sternstunde für Twitter: Die erste Meldung über den Absturz eines Airbus-Flugzeuges im Hudson River läuft über den Kurznachrichtendienst. Der Twitterer Janis Krums schreibt: „Da ist ein Flugzeug im Hudson River. Bin auf der Fähre, die versucht, die Leute aufzusammeln. Verrückt. “ Kurz darauf schickt er das erste Foto - ebenfalls auf Twitter. Quelle: Screenshot
Bei der Bundestagswahl im Jahr 2009 werden schon vor der Schließung der Wahllokale angebliche Prognosen auf Twitter veröffentlicht. Zum Teil unterscheiden sich die Zahlen zum Ausgang der Wahl deutlich. Auch bei den Landtagswahlen kursierten bereits gefälschte Zahlen über Twitter - zum Beispiel der angebliche Twitter-Account der FDP Unna. @fdp_unna schrieb: „Gerade Anruf aus Berlin bekommen, nehmen Prognose wieder runter. Hoffen aber noch.“ Das Account gehört nicht der FDP aus Unna, wie sich im Nachhinein herausstellte. Quelle: Screenshot
Eher zufällig wurde Sohaib Athar zum ersten Berichterstatter über die Tötung von Al-Qaida-Chef Osama bin Laden durch ein US-Kommando. Der Twitter-Nutzer vermeldete über den Kurznachrichtendienst die Hubschrauber über der pakistanischen Stadt Abbottabad. Seine Twitter-Nachricht wurde erst im Nachhinein verstanden. Quelle: Screenshot
Wahl zum Bundespräsidenten im Jahr 2009: Knapp 15 Minuten vor der offiziellen Verkündung des Ergebnisses veröffentlichte die CDU-Bundestagsabgeordnete Julia Klöckner das Resultat bereits auf Twitter. Köhler war mit 613 Stimmen bereits im ersten Wahlgang im Amt bestätigt worden. Klöckners Nachricht: „Leute, Ihr könnt in Ruhe Fußball gucke. Wahlgang hat geklappt!“ Im Nachhinein entschuldigte sich die Politikerin für ihr vorschnelles Handeln. Quelle: Screenshot

2. IT als Dienstleistung

Durch Cloud Computing wird es für Unternehmen weniger wichtig, IT-Systeme selbst zu besitzen und zu verwalten. Dies wiederum beeinflusst, wie Unternehmen ihre IT-Abteilungen aufstellen. So wie Firmen im 19. Jahrhundert Elektrizität plötzlich nicht mehr auf dem eigenen Gelände erzeugten und die Aufgabe  an zentrale Versorger delegierten, so werden sich Informatiker in Unternehmen zukünftig nicht mehr mit der Verwaltung  der IT beschäftigen, sondern vielmehr mit ihrem innovativem Einsatz. Damit dies gelingt, müssen Unternehmen wissen, welche neuen Technologien ihnen zur Verfügung stehen und ihre Strategien entsprechend ausrichten. Bislang geschah dies umgekehrt: sie überlegten sich Strategien und suchten dann nach IT-Lösungen, um diese zu unterstützen.   

Die skurrilsten Neuheiten der CeBIT
Wie aus einem Science Fiction Streifen: Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Bremen hat ein intelligentes Auto entworfen. Es erinnert mit seinem höhergelegten Fahrwerk und der kuppelartigen Passagierkabine an ein futuristisches Mondgefährt. Der Zweisitzer ist mit einem flexiblen Fahrwerk, vier Radnabenmotoren und Rädern ausgestattet, die sich um 90 Grad drehen lassen. Dadurch kann der Wagen auf der Stelle wenden, seitwärts oder diagonal fahren - was das Einparken deutlich leichter macht. Und sollte die Parklücke trotzdem noch zu eng sein, kann sich das Auto einfach einen halben Meter kürzer machen, indem es sein Fahrwerk zusammenschiebt. Noch wichtiger ist die Schrumpfkur jedoch für die zentrale Idee der Bremer Wissenschaftler: das Koppeln von mehreren Fahrzeugen aneinander. Will der Fahrer auch noch die Kinder mitnehmen, hängt er ein zweites Modul mit Passagierkabine an. Geht es zum Baumarkt, kommt die Laderampe dran. Das Auto besteht also immer nur aus den Teilen, die gerade notwendig sind. Quelle: Presse
Audi präsentiert sich erstmalig auf der CeBIT mit einem eigenen Messestand. Unter dem Schlagwort AUDI connect zeigt die Marke auf der weltweit größten Messe für Informationstechnik ihre aktuellen und künftigen Lösungen für mobile IT-Anwendungen. Ein weiteres Highlight: der AUDI A3 der kommenden Generation. Er nutzt als erstes Modell der Marke den Modularen Infotainment Baukasten. Quelle: dapd
Auf der CeBIT 2012 präsentiert Microsoft sein neues „Windows 8 to go“, eine besonders mobile Variante seines neuen Betriebssystems. Das System kann über einen USB-Stick auf jeden Rechner geladen werden, auf dem der Vorgänger Windows 7 installiert ist. Für den Fall, dass der Stick verloren geht, sind die Daten mit einer Verschlüsselungstechnik (Bitlocker) gesichert. Das Angebot richtet sich aus Sicht des Unternehmens an die Erfordernisse unserer Zeit: die IT-Verantwortlichen in den Unternehmen müssten eine immer größere Zahl an mobilen Geräten managen und pflegen. Windows 8 könne dabei helfen, die Kundenbeziehungen und die Arbeit der Mitarbeiter zu erleichtern. Mit Windows 8, das speziell auch auf die Bedienung über berührungsempfindliche Displays ausgelegt ist, will der Softwarekonzern endlich den Sprung auf die populären Tablet-PCs schaffen. Die „Neuerfindung“ von Windows soll im Herbst 2012 auf den Markt kommen. Quelle: dpa
Die intelligente Käsetheke erkennt, auf welche Ware oder Angebotstafel Kunden deuten. Eine über der Frischetheke angebrachte Tiefenkamera ermittelt auf zwei Zentimeter genau das Ziel einer Zeigegeste. Informationen über das gewählte Produkt werden auf einem Display angezeigt. Kunden interagieren natürlich, ihre Wünsche werden verstanden, Nachfragen, Missverständnisse vermieden, die Beratung wird verbessert. Ein wahres Käseparadies. Weitere Informationen: www.innovative-retail.de Quelle: AP

3. Fokus auf Social Media

Die wachsende Bedeutung der Sozialen Netzwerke hat die Interaktion von Kunden und Marken radikal verändert - ob nun im Marketing, im Vertrieb, in der Kundenbetreuung oder bei der Entwicklung neuer Produkte. Dies hat auch großen Einfluss darauf, wie Informationen innerhalb der Unternehmen weitergegeben werden. Die e-mail-Schwemme treibt das Projekt "Unternehmen 2.0" weiter voran, in dem web-basierte Technologien Kommunikation und Zusammenarbeit erleichtern.  Obwohl sie relativ günstig sind, sollten sie nur mit Bedacht eingesetzt werden. Interne soziale Netzwerke sind nur dann wirklich effizient, wenn sie von Profis wie etwa "Community Managern" betreut werden.

4. Mobile Commerce

Bislang konzentrierten sich Firmen zunächst  auf ihre Websites und hatten die mobile Computer-Nutzung ihrer Kunden kaum im Blickfeld. Heute verhält es sich genau umgekehrt. Zwei ausgesprochen unterschiedliche Einkaufs-Erlebnisse  -  der Ladenkauf und der Onlinekauf  -  sind inzwischen miteinander verwoben. Durch Mobile Commerce ("m-commerce") können Verbraucher die Laden-Preise vor Ort mit Online-Angeboten vergleichen und sogar die Zahlung mit ihrem mobilen Endgerät veranlassen. Cloud Computing, mobiler Internetzugang und soziales Netzwerken bahnen den Weg für ein völlig verändertes Konsumentenverhalten.    

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