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Internetdienst Google boxt Street View durch

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Der Deutsche ist wie so oft zwiegespalten: Auf der einen Seite nutzt er die Annehmlichkeiten solcher Dienste gerne, um andere zu beobachten, aber selbst will er nicht damit behelligt werden. "Google muss einen Weg finden, um mit dieser etwas überbordenden deutschen Befindlichkeit umzugehen", warnte Kaumanns. "Die dürfen das auf jeden Fall nicht auf die leichte Schulter nehmen."

Das sieht Johannes Caspar genauso. Der Datenschutzbeauftragte für Hamburg hatte seinerzeit den Skandal ins Rollen gebracht, der beinahe das Aus für die deutschen Street-View-Pläne bedeutet hätte. Google hatte seit 2008 "versehentlich" nicht nur Fotos geschossen, sondern auch die Zugangsdaten zu den Internet-Hotspots in den Häusern und Teile versendeter E-Mail-Botschaften gespeichert. Nach einem öffentlichen Aufschrei stoppte Google alle weiteren Kamerafahrten, die ersten Festplatten mit Daten wurden an staatliche Behörden weltweit übergeben.

Google hat nicht nur Fotos geschossen

Für Deutschland wurde dann auch ein umfangreicher Katalog mit 13 Punkten zum Datenschutz erstellt, den Google abzuarbeiten versprach, bevor man den Dienst starten werde. Einzigartig in der Welt ist für Deutschland die Möglichkeit der Vorabsperrung. Auf einer Webseite (www.google.de/streetview), die ab Montag freigeschaltet wird, können Hausbesitzer oder Mieter die Unkenntlichmachung ihrer Immobilie verlangen. Wer sich einträgt, bekommt einen Brief an die Adresse mit der Frage, ob er es wirklich sei, der das Haus ausblenden lassen wolle. Damit soll verhindert werden, dass zum Beispiel bei Restaurants oder Hotels einfach unliebsame Wettbewerber "ausgelöscht" werden.

"Wir wurden erst am Freitag von Google über den Starttermin für Street View informiert", bemängelte Caspar. "Wir konnten also nicht prüfen, ob alle 13 Punkte umgesetzt wurden. Er habe um Aufschub gebeten, was aber abgelehnt worden sei.

Caspar beklagt vor allem die kurze Frist von nur vier Wochen mitten in der Hauptferienzeit, in denen Widersprüche entgegengenommen werden sollen. Außerdem sei noch nicht klar, wie schriftliche Anfragen per Brief oder Fax behandelt würden. "Noch lange nicht jeder hat heute Internet", merkte er an. Bei der Bearbeitung der Vorabsperrung müsse mit einem aufwendigen bürokratischen Verfahren gerechnet werden.

Das alles deute nicht auf bürgerfreundliche Umsetzung hin. "Wir wollen den Dienst ja nicht stoppen", sagte Caspar und fügte mit Blick auf Googles bekannten Hang zur ausufernden Datensammlung hinzu: "Aber die Exzesse sind nicht zu tolerieren."

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