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Internetzensur China schaltet freie VPN-Tunnel ab

Eine chinesische Flagge Quelle: dpa

China verschärft seine Internet-Zensur und macht mit dem VPN-Verbot ernst. Vor allem kleinen und mittelständischen Unternehmen aus dem Ausland bereitet das Probleme.

Ab diesem Sonntag ist in China lediglich VPN-Software legal, die über einen staatlichen Anbieter lizensiert und zugelassen worden ist. Virtual Private Networks (VPN) bauen eine verschlüsselte Verbindung zu Servern auf und ermöglichen so freien Zugang zum Internet. In China, wo eine strenge Onlinezensur herrscht und wo Seiten wie Twitter und Facebook gesperrt sind, nutzen Millionen Bürger solche VPN-Tunnel. Auch Unternehmen sind auf sie angewiesen.

Offiziell sind VPN-Tunnel in China schon seit 2002 verboten. Bisher konnten trotzdem VPN-Software einsetzen, Nachrichten verschlüsseln, auf gesperrte Seiten zugreifen – und so Firmengeheimnisse an den staatlichen Stellen vorbeischmuggeln. Damit ist nun Schluss. Ab April soll alle Kommunikation der Unternehmen, nach deren Einwilligung in eine staatliche „Sicherheitsüberprüfung“, über chinesische Leitungen und Server erfolgen.

Das beunruhigt nicht nur Aktivisten, sondern auch die deutsche Wirtschaft. Das neue Gesetz betreffe laut dem Asien-Pazifik-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft (APA) fast alle Unternehmen, die in oder mit China Geschäfte machen, Daten grenzüberschreitend übertragen, speichern oder Produkte im Bereich kritischer Infrastruktur nach China exportieren.

„Die Abschaltung von Virtual Private Netzwerk-Tunneln droht den Freiraum für unternehmerisches Handeln zu verengen. Trotz guter Konjunktur machen sich ausländische Unternehmen vor Ort Sorge über diese Tatsache“, sagte Hubert Lienhard, Vorsitzender des APA. Alle Unternehmen, die VPN-Tunnel nutzen, müssen nun sicherstellen, dass sie eine chinesisch lizensierte Leitung verwenden. „Vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen stellt diese Umstellung eine große Herausforderung dar. Zusammen mit der Anforderung, dass Daten lokal in China gespeichert werden müssen, erschwert dies den international operierenden Unternehmen die Geschäftstätigkeiten. Gleichzeitig bleibt die Frage, ob die Daten weiterhin wirklich sicher übermittelt werden können“, sagte Lienhard.

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