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Interview mit Kim Dotcom "Hollywood fördert Piraterie"

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„Das Geschäftsmodell von Hollywood fördert Piraterie“

Sie haben mal geschrieben, Megaupload sei nie ein Piraterie-Problem gewesen. Das veraltete Geschäftsmodell der Filmindustrie sei das Problem. Hollywood könnte das wertvollste Internet-Unternehmen besitzen. Sie nannten Hollywood „doof“. Sollen die Content-Anbieter etwa nicht selbst entscheiden können, wo und wann welche Inhalte veröffentlich werden sollen?
Natürlich kann man das selbst entscheiden. Nur: wenn man im Zeitalter des Internets ein Angebot in einem Land macht und in einem anderen erst sechs Monate später, dann hat man natürlich das Problem selber herbei geschworen. Leute sagen dann: Mann, das find‘ ich aber ungerecht, ich will das jetzt haben, und auf diese Warterei lass‘ ich mich nicht ein.

Was wäre die Alternative?
Wenn man das Angebot weltweit zeitgleich verfügbar macht, hat man diese Frustration nicht. Menschen, die bereit sind, für Inhalte zu bezahlen, die kaufen diese Inhalte ja dann auch. Es ist also das Geschäftsmodell von Hollywood, das Piraterie fördert. Man muss verstehen, weshalb die Filmindustrie so dafür kämpft, dass sich dieses Modell nicht ändert. Die haben ein internationales Netzwerk von Lizenzen. Das heißt, dass Firmen rund um die Welt Hollywood Lizenzen an ihren Filmen bezahlen. Hollywood sagt dann, wir haben diesen neuen Film, der kommt in einem Jahr raus, und Du kannst dir jetzt schon deine Rechte sichern. Hollywood sammelt also schon im Vorfeld das Geld für die Filmproduktion ein, bevor auch nur einen Tag lang etwas gedreht wurde. Damit haben die Filmer null Risiko. Die müssen selber kein eigenes Geld in die Hand nehmen.

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    Und diesem Modell macht die grenzenlose, unmittelbare Datenübertragung einen Strich durch die Rechnung?
    Ganz genau. Jetzt aber loszugehen, und mit der Hilfe der amerikanischen Regierung und der Justizbehörden alles platt zu machen, was gegen dieses Geschäftsmodell agiert, das ist ein Fehler in der Denkweise. Denn früher oder später muss sich dieses Modell bewegen. Ansonsten wird Piraterie immer weiterbestehen. Man kann nicht mit einer Hand einen Fluss stoppen. Das ist, was hier mit uns im Moment versucht wird. Aber es funktioniert nicht. Die Filmindustrie machte nach der Schließung von Megaupload nicht mehr Geld. Im Gegenteil. Es gibt Studien von Universitäten in München und Kopenhagen, die sagen, dass für Hollywood die Verkäufe nach dem Abschalten unseres Dienstes sogar runtergegangen sind.

    Wieso das?
    Wahrscheinlich, weil die Mund-zu-Mund-Propaganda weggefallen ist. Die Nutzer haben dann nicht mehr ihren Freunden erzählt, was für einen tollen Film sie gerade angeschaut haben. Natürlich gibt es einige, die den Film dann gratis runterladen. Viele sagen aber: Jetzt gehe ich mit meiner Freundin ins Kino und schau mir diesen Film an. Dieses wichtige Werbemittel ist also jetzt weg. Die Industrie hat sich damit ins eigene Knie geschossen.

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