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Interview mit Oliver Grün "In Deutschland werden ständig Trends verschlafen"

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Penibler Datenschutz made in Germany

So schreddere ich Daten richtig
Warum muss ich meine Daten überhaupt löschen?Wer sein altes Handy oder Notebook nicht länger braucht, kann beides bequem über verschiedene Internetplattformen wie der Tauschbörse Ebay oder dem Rückkaufportal Momox verkaufen. Doch wer seine technischen Geräte an Dritte weiterreicht, sollte sichergehen, dass alle Daten überschrieben sind. Sonst lassen sich auch vermeintlich gelöschte Daten von geübten Nutzern leicht wiederherstellen. Quelle: rtr
Wieso muss ich beim Löschen selbst aktiv werden?Festplatten funktionieren nach einem simplen Prinzip: Wird eine Datei gespeichert, weist der Computer der Datei einen bestimmten Speicherplatz zu und merkt sich, dass er dort nichts anderes speichern darf. Wenn der Nutzer bestimmte Dateien löscht, gibt der Computer den vorher blockierten Speicherplatz wieder frei. Entfernt sind die Dateien damit aber noch nicht, sondern erst dann, wenn sie durch neue Informationen überschrieben werden. Quelle: dpa
dem werden Dateien beim Speichern in vielen Fragmenten auf der Festplatte verteilt. Oft reichen nur wenige dieser noch nicht überschriebenen Fragmente, um Dateien mit einer Wiederherstellung-Software zu rekonstruieren. Quelle: dpa
Wie säubere ich Computer und Notebooks?Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) empfiehlt, spezielle Software zu nutzen, die kostenlos heruntergeladen werden kann. Gemeinsam ist diesen Programmen, dass sie die Festplatte mehrfach mit sinnlosen Informationen überschreiben. So bleiben die Geräte weiter nutzbar, doch keine der früheren Dateien lässt sich rekonstruieren. Zu den vom BSI empfohlenen Gratisprogrammen gehört "Eraser", das beim Onlineportal "Chip.de" heruntergeladen werden kann. Damit lassen sich auch Speichermedien wie externe Speicher und SD-Karten vollständig überschreiben. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
Wie säubere ich meinen Smartphone-Speicher?Smartphones bieten eine Funktion, die sich sinngemäß "Daten löschen und Werkseinstellungen wiederherstellen" nennt. Allerdings ist auch hier nicht sichergestellt, dass der Speicher überschrieben wird. Wer seine persönlichen Daten vom Surfen im Netz oder aus dem Zwischenspeicher (Cache) einer Anwendung löschen will, kann auf das Programm "Quick App Manager" zurückgreifen. Quelle: dpa
Für das Löschen des kompletten iPhone-Speichers empfehlen Fachmagazine die App iErase. Für das meistgenutzte Smartphone-Betriebssystem Android hat sich noch keine vergleichbare App durchgesetzt. In Internetforen wird oft die Anwendung "Shredroid" empfohlen, doch viele Android-Nutzer klagen in Googles PlayStore über diverse Probleme. Wichtig ist auf jeden Fall, externe Speicherkarten aus dem Handy zu entfernen oder die Daten genauso wie bei einer PC-Festplatte zu löschen. Quelle: AP/dpa
Was mache ich mit kaputten Endgeräten?Auch wenn das Gerät auf den Elektroschrott soll, gibt es Mittel und Wege, alle Daten zu zerstören: Der IT-Verband Bitkom rät, den Datenträger zu schreddern. Möglich ist genauso, die PC-Festplatte oder das Smartphone in eine Plastiktüte zu stecken und dann mit einem Hammer draufzuhauen. Quelle: dpa

Welche spannenden deutschen Lösungen gibt es denn in Deutschland?

Leider werden in Deutschland ständig Trends verschlafen. Die Deutschen setzen auf Rendite, was ja auch gut ist, weil wir so gut durch die Krise kommen. Die Zielsetzung im Silicon Valley ist einfach Wachstum, Wachstum, Wachstum. Hinzu kommt: Wir Deutschen sind nicht so stark im B2C-Bereich; in Lösungen für Unternehmen sind wir deutlich besser.

Wenn man einen Markt durchdringen will, ist reines Renditestreben im Wachstum aber eher hinderlich. Es gibt ein paar spannende Firmen und Startups, die kleine innovative Verschlüsselungslösungen anbieten. Boxcryptor oder Protonet sind solche Beispiele. Und: Ich muss ja nicht unbedingt Gmail nutzen, man kann ja auch zu Web.de gehen.

Aber zwischen diesen E-Maildiensten liegen doch Welten!

Web.de ist ein gutes Angebot, dort kann ich beispielsweise auch ziemlich unkompliziert Verschlüsselungen benutzen. Aber sicher: Die Benutzerfreundlichkeit ist in den vergangenem Jahren zum entscheidenden Kriterium geworden, damit Dienste genutzt werden und da sind wir Deutschen immer noch sehr ingenieurlastig. Wir haben Technologien, aber uns fehlt die gute Karosserie. Das ist die Herausforderung in der IT. Und ich halte das für die geringere Herausforderung, als wenn wir im Kern keine gute Technologie hätten.

Verstehe ich Sie richtig: Sollen wir aus Überzeugung deutsche Lösungen unterstützen und dafür Kompromisse eingehen?

Bei den Funktionalitäten nicht, aber bei der Benutzerfreundlichkeit schon. Die Einfachheit der Dropbox oder von Apple war vorreiterhaft, ohne Frage. Aber zu sagen "Die Deutschen können das sowieso nicht", das halte ich für einen großen Fehler.

In Arbeit
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Wir haben die Technologie, die Benutzerfreundlichkeit wird kommen und vielleicht wird Datensicherheit auch einmal wichtiger, als den letzten Schrei an Usability zu haben.

Wo könnte Deutschland Vorreiter werden?

Zahlreiche Umfragen bestätigen das: Wenn man uns Deutschen etwas weltweit abnehmen würde,  dann sind es IT-Sicherheitslösungen. Auch der Inder weiß, dass die Deutschen mit ihrem peniblen Datenschutz so etwas können. Dienste wie Boxcryptor oder Systeme wie Protonet bieten da gute und innovative Lösungen an, übrigens auch mit einer entsprechenden Benutzerfreundlichkeit.

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