Kindle Unlimited Amazons Flatrate-Attacke auf den Buchmarkt

Mit der Ebook-Flatrate „Kindle Unlimited“ erhöht Amazon den Druck auf die Buchbranche. Der Erfolg ist auch von der Kooperation der großen Verlage abhängig. Doch die stellen sich immer häufiger quer - aus Angst vor Amazons „erpresserischer Kraft“.

Tolino Vision soll Paperwhite angreifen
Tolino VisionNicht nur ein neuer Look für Tolino: Die neue Version kommt auch mit technischen Verbesserungen daher und soll sich so nicht länger hinter dem Konkurrenzprodukt Kindle Paperwhite von Amazon verstecken müssen. Optisch kommt der neue Tolino, der ein Gemeinschaftsprojekt der Buchhandelsketten Hugendubel, Club Bertelsmann, Thalia, Weltbild und der Deutschen Telekom ist, schon mal deutlich moderner daher als das Vorgängermodell. Er wartet mit einem matten, kontrastreicheren E-Ink-Carta-Display in HD-Auflösung und mit integrierter sowie stufenlos regelbarer Beleuchtung auf. Bei der Größe unterscheidet es sich nicht vom Vorgänger (sechs Zoll), dafür ist der Reader aber insgesamt kleiner und schlanker geworden. Mit 178 Gramm ist er auch etwas leichter. Der Akku soll bis zu sieben Wochen durchhalten. Als neue Funktionen gibt es zum Beispiel eine Schnellblätterfunktion und eine Pin-Sperre. Foto: Deutsche Telekom AG Quelle: Presse
An der Seite des Vision ist ein Lichtknopf angebracht, der die Helligkeit reguliert. So kann auch bei Sonnenlicht-Einstrahlung augenschonender gelesen werden. Mit dem neuen Gerät lässt sich nun auch die Sprache umstellen. Bislang gab es nur Deutsch, nun ist auch Englisch möglich. Der Tolino Vision ist seit dem 5. April für 129 Euro zu haben. Die Konkurrenz schläft nicht: Amazon bietet seinen Kindle Paperwhite derzeit in einer Osteraktion für 99 Euro (sonst: 129 Euro) an. Der Tolino Shine bleibt weiter im Verkauf und soll bald ein kostenloses Software-Update erhalten (Stand: 9. April). Foto: Deutsche Telekom AG Quelle: Presse
Test: Tolino ShineDer Tolino Shine ist der Vorgänger. Ihn hatte unsere Redaktion im vergangenen Jahr getestet. Für 99 Euro kann der Reader nicht nur online, sondern auch in den Filialen der Buchhandelsketten erworben werden. Die Telekom speichert auf Wunsch alle Bücher, die bei den Kooperationspartnern gekauft wurden, kostenlos in der Cloud. Die Kombination von Lesegerät, Online-Bookshop und Zusatzdiensten soll dem Marktführer, Amazons Kindle Konkurrenz machen. Ein Vorteil des Tolino gegenüber Amazon ist die Unterstützung des offenen EPUB-Standards. So kann man sich seine Bücher praktisch bei allen Online-Buchshops besorgen, nur nicht bei Amazon. Beim Reader haben die Designer großen Wert auf eine möglichst
Amazon Kindle PaperwhiteDer brandneue Kindle Paperwhite soll die Lesefreundlichkeit gegenüber dem Vorgängermodell noch einmal verbessern. Optimiert wurde der Kontrast des 6-Zoll-Displays (15 Zentimeter), so dass schwarze Schrift noch satter und der Hintergrund noch heller wirkt. Auch die integrierte Beleuchtung zum Lesen nachts wurde laut Amazon verbessert. Der im Vergleich zum Vorgänger schnellere Prozessor beschleunigt das Umblättern, dadurch wird der Seitenwechsel flüssiger. Bei einer halben Stunde täglichen Lesens (ohne Beleuchtung) hält der Akku laut Amazon bis zu 8 Wochen durch. Heruntergeladen werden die Bücher über WLAN. Bedient wird das Gerät über den kapazitiven Touchscreen. Eine Stärke des Kindle sind die zahlreichen Komfortfunktionen. Die zuletzt gelesene Seite wird beim nächsten Start automatisch aufgerufen, auch, wenn man das Buch auf einem anderen Gerät weiterliest. Praktisch auch die Funktion
Trekstor Pyrus MaxiDer 149 Euro teure Pyrus Maxi gehört mit seinem 8-Zoll-Display (20,3 Zentimeter) zu den größten E-Book-Readern. Für die Jackentasche ist der Maxi schon zu groß, dafür entschädigt er mit einer angenehm großzügigen Darstellung. Im Gegensatz zum Tolino macht der Pyrus kein Hehl daraus, dass es sich um Computertechnik handelt. Satte zehn Tasten (vier zum Vor- und Zurückblättern, vier für das Aufrufen von Menüs, eine Ok-Taste und ein Vierwege-Navigations-Taste) zieren das mattschwarz gummierte Gehäuse. Die Vielzahl der Tasten ist schon allein deshalb notwendig, weil der Reader keinen Touchscreen hat. Die Bedienung des Geräts fällt trotz der vielen Tasten leicht, alle Bedienelemente sind richtig platziert und die Navigation logisch aufgebaut. Beim Lesen nachts allerdings könnten sich empfindliche Ohren daran stören, dass jedes Weiterblättern auch ein dezentes, aber vernehmliches Klicken erzeugt. Ein WLAN-Modul hat der Pyrus Maxi nicht. Das ist aber kein großes Problem, die Bücher werden auf PC, Tablet oder Notebook geladen und dann einfach via USB-Kabel als Datei auf den Reader geschoben. Der interne Speicher ist 4 Gigabyte groß und nimmt damit auch sehr große Bibliotheken auf, laut Trekstor bis zu 4000 Bücher. Im Notfall lässt sich der Speicher durch eine Micro-SD-Karte erweitern. Kein Anwender dürfte das je brauchen. Quelle: Presse
Cybook Odyssey HD Frontlight Der Cybook Odyssey HD Frontlight mit 6-Zoll-Display bietet laut Hersteller eine besonders raffinierte Beleuchtung. Statt einzelner LEDs soll eine Art leuchtende Folie für gleichmäßige Ausleuchtung sorgen. Daneben soll die neue Version des Cybook durch das besonders hochauflösende Display Buchstaben und Bilder besonders scharf darstellen können. Bedient wird das Gerät mit einer Kombination aus Tasten und Touchscreen. Folgende E-Book-Formate stellt der Cybook dar: EPUB, PDF, Adobe DRM, HTML, TXT, FB2. Damit kann man in nahezu allen E-Book-Shops einkaufen. Ein Wi-Fi-Anschluss ist vorhanden. Das Gerät kostet 149 Euro. Quelle: Presse
Sony Reader PRS-T3 Der neue Sony Reader PRS-T3 hat eine Bildschirmdiagonale von 6 Zoll (15,2 Zentimeter) und ist in den Farben Rot, Schwarz und Grau erhältlich. Der Preis liegt bei 139 Euro. Bei Ebook.de ist das Gerät aber schon für 99 Euro zu haben. Der Reader unterstützt neben TXT und PDF auch das weit verbreitete EPUB-Format und ist daher zu E-Books vieler verschiedener Anbieter kompatibel. Quelle: Presse

Amazons neuester Streich gegen die Buchbranche kostet 9,99 Dollar. Monatlich. Für diese Gebühr sollen die Kunden des Online-Riesen künftig "Kindle Unlimited" nutzen können. Wann der Dienst in den USA startet, ist unbekannt. Amazon selbst schweigt offiziell zu der Neuigkeit. Eine Ankündigung für den Dienst, die offenbar nur für kurze Zeit auf amazon.com zu lesen war (Version im Google-Cache), verrät Details und bestätigt diverse Berichte von US-Medien. Das Flatrate-Angebot ermöglicht demnach unbegrenzten Zugriff auf mehr als 600.000 E-Book-Titel und „mehrere tausend“ Hörbücher.  Beim bisherigen Leih-Angebot des Online-Händlers kann lediglich ein Buch im Monat ausgeliehen werden. Hörbücher sind zudem ausgenommen, dafür bietet Amazon seinen eigenen, kostenpflichtigen Dienst Audible an.

Das Geschäft mit dem Musik-Streaming

Eine Flatrate für eBooks ist der logische Schritt auf Amazons Weg, weitere Anteile im Buchmarkt abzugreifen. Das Angebot passt perfekt in Amazons Biotop-Strategie. Die Kunden werden so noch enger an den Online-Riesen gebunden. Der verdient nicht nur an der Monatsgebühr, sondern schaltet gleichzeitig die Konkurrenz – egal ob Online- oder Offline-Händler – aus. Eine größere Kundenbasis stärkt zugleich die Machtposition bei Verhandlungen mit den Verlagen.

Erfolg der Streaming-Angebote

Im Film- und Medienbereich gelten Streamingportale mit Monatsgebühren als Trend und Wachstumsbereich. Bei elektronischen Büchern hingegen fristet die Flatrate ein Nischendasein. Deutschlands bekannteste eBook-Flatrate Skoobe (Flatrate-Modelle zwischen 9,99 bis 19,99 Euro) ist mit rund 40.000 Titeln noch klein und zudem relativ unbekannt.

Amazon könnte freilich frischen Wind in den Markt und Aufschwung bringen – und so die Buchbranche weiter umwälzen. Zum Start von "Kindle Unlimited" steht der Online-Riese aber vor einem Problem wie die kleineren Anbieter zuvor: die Buchbranche ziert sich.

Aufstieg mit Schattenseiten: Wie funktioniert Amazon?

Rund 680.000 eBooks stehen bei "Kindle Unlimited" zur Verfügung. Klingt nach viel, ist aber nur ein Bruchteil der Millionen eBooks, die Amazon für seine Kindle Plattform anbietet. Der Hauptgrund: Die großen Fünf der amerikanischen Verlagsbranche (Penguin Random House, Macmillan, Hachette, HarperCollins sowie Simon & Schuster) sind bei Kindle Unlimited offenbar bislang nicht vertreten. Die Skepsis hat gute Gründe und basiert auf einer Lektion, die schon die Musikbranche lernen musste: bei der Flatrate verdient vor allem der Anbieter.

Während sich immer mehr Musikfans über unbegrenzten Musikzugriff auf Millionen Titel über Dienste wie Spotify oder Ampya freuen, ächzen die Labels und Musiker. Die Dienste bezahlen nämlich nur einen geringen Cent-Betrag pro angehörtem Stück. Klar, dass dabei erstmal weniger rausspringt, als bei dem Verkauf einer CD.

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