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Kindle Unlimited Amazons Flatrate-Attacke auf den Buchmarkt

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Erpressungs-Vorwürfe gegenüber Amazon

Entsprechend vorsichtig gibt sich Alexander Skips. Der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels hält Bücher-Flatrates durchaus für ein sinnvolles Vertriebsmodell und eine legale Antwort auf Piraterie-Plattformen. Aber: „Voraussetzung ist, dass gemeinsam mit den Verlagen geeignete Lizenzierungs- und Entlohnungsmodelle gefunden werden. Aufgrund des Verhaltens, das Amazon bisher und auch aktuell gegenüber Verlagen an den Tag legt, befürchten wir allerdings, dass Amazon auch hier die erpresserische Kraft des Quasi-Monopolisten nutzen wird.“

Die Streaming-Anbieter im Internet

Deshalb wagen viele Verlage ihre ersten Schritte in diesem Segment bei kleineren Start-Ups. So bieten die amerikanischen Verlage Simon & Schuster und HarperCollins etwa bei Scribd oder Oyster an. Dort wo sie noch können, machen sie einen Bogen um den Onlinehändler. Zu groß ist die Angst vor Amazons Macht. Zu unangenehm waren die Erfahrungen in der jüngsten Vergangenheit.

Zuletzt sorgten Erpressungs-Vorwürfe für Schlagzeilen. Während der amerikanische Verlag Hachette mit Amazon über Preisnachlässe verhandelte, gab es plötzlich Lieferschwierigkeiten bei Büchern aus dem Haus. Kein Zufall, sagen Branchenkenner. Auch die Bonnier-Gruppe, zu der Verlage wie Piper und Carlsen  gehören, soll so unter Druck gesetzt worden sein.

Viel Spielraum, um Amazon aus dem Weg zu gehen, bleibt den großen Verlagen allerdings nicht mehr. Beim klassischen Verkauf von Büchern und eBooks können sie Amazon kaum den Rücken kehren, die Absatzverluste wären zu gigantisch. Und sollte Kindle Unlimited die eBook-Flatrate tatsächlich für die breite Masse attraktiv machen, werden sich die Verlage auch hier beugen müssen. Das mussten auch viele Musiklabels nach anfänglichem Murren über die Musik-Streamingdienste akzeptieren.

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Zudem scheint Amazon gerade einen neuen Weg zu wählen, um zukünftige Konflikte mit den großen Verlagen im Keim zu ersticken: laut Medienberichten verhandelt der Konzern über die Übernahme von Simon & Schuster. Zwischen Amazon und dem Mutterkonzern des Verlags, CBS, laufen offenbar seit Monaten Gespräche hinter verschlossenen Türen. Auf einen möglichen Verkauf angesprochen, erklärte CBS-Chef Leslie Moonves gegenüber dem "Wall Street Journal": "Amazon hat eine feste Vorstellung davon, was im Verlagsgeschäft zu tun ist. Es ist sehr interessant, dies zu beobachten."

Mit dem Kauf von Simon & Schuster würde sich Amazon nicht nur direkt einen der "Big Five" des amerikanischen Verlagswesens einverleiben. Der Konzern bekäme erstmals die Chance, seine eigenen Bücher, die unter der Marke Amazon Publishing aufgelegt werden, auch in Buchhandlungen auszulegen. Händler, die Verträge mit Simon & Schuster haben, könnten dann auch Amazon-Publishing-Titel anbieten. Die letzte Bastion der klassischen Verlage, die sich bislang erfolgreich gegen diesen Schritt gewehrt haben, wäre gefallen.

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