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Klickbetrug Betrüger entdecken Online-Werbung als neue Spielwiese

Online-Werbung ist schnell, zielgenau und preiswert – aber auch riskant. Denn immer öfter verdienen Klickbetrüger bei den Internetanzeigen mit.

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Klickbetrüger haben die Online-Werbung als neues Betätigungsfeld auserkoren, dpa

Mit dem schrillen Auftritt klassischer Web-Reklame wie Bannern haben sie nichts gemein – die neuen Stars der digitalen Werbewelt: kleine Textanzeigen auf den Seiten von Suchmaschinen wie Google oder Yahoo, ein paar Zeilen lang, unscheinbar, zurückhaltend. Die käuflichen Links, am Rand und über den Suchergebnissen, erfüllen den Traum aller Werber, Kunden genau dann Produkte anbieten zu können, wenn sie danach suchen. Kein Wunder, dass die Umsätze explodieren, sich das sogenannte Keyword Advertising zu einem der erfolgreichsten Geschäftsmodelle der Web-Wirtschaft entwickelt. Doch am vermeintlich rosigen Werbehimmel ziehen dunkle Wolken auf. Die Boomsparte des Internetmarketings droht in Verruf zu geraten. Immer öfter nämlich nutzen nicht nur Unternehmen die Werbeplattformen als zielgenaue Plakatwände im Web. Zunehmend bedienen sich auch Klickbetrüger der schlichten Online-Kleinanzeigen als idealem Werkzeug, um sich zu bereichern oder andere zu schädigen. Sie tummeln sich auf einem rasch wachsenden Markt. 2006 dürften die Umsätze mit der im Web-Jargon Sponsored Links genannten Textreklame nach jüngsten Berechnungen des Bundesverbandes Digitale Wirtschaft (BVDW) in Deutschland um 80 Prozent auf 710 Millionen Euro steigen – viel schneller als im übrigen Online-Werbemarkt. 2008 sollen die weltweiten Ausgaben für Suchanzeigen gar schon 13 Milliarden Dollar erreichen, sagt der IT-Riese Microsoft voraus. Die Gefahr ist groß, dass ein erklecklicher Anteil in dunklen Kanälen versickert. Laut einer aktuellen Untersuchung des US-Werbeberaters Click Forensics stammten im zweiten Quartal 2006 bereits 14,1 Prozent der Klicks auf amerikanische Online-Anzeigen von Scheininteressenten. In den drei Monaten zuvor waren es 13,7 Prozent. Die wertlosen Abrufe kommen die Werber teuer zu stehen, denn sie zahlen den Suchmaschinen für jeden Klick Provision. Insgesamt, so eine Hochrechnung des US-Marktforschers Outsell, summierte sich der Schaden durch betrügerische Klicks in den USA 2005 auf rund 800 Millionen Dollar. Die Entwicklung alarmiert die Branche. „Der Erfolg unseres Anzeigengeschäfts beruht darauf, dass sich die Werbung für unsere Kunden lohnt“, sagt Eric Schmidt, Vorstandschef von Google. „Jeder Versuch, unsere Werbeplattform zu missbrauchen, ist für uns extrem kritisch.“ In der Tat: 2005 trug Online-Werbung gut 98 Prozent zu Googles Gesamtumsatz in Höhe von 6,14 Milliarden Dollar bei. Und auch bei Konkurrenten wie Yahoo oder Microsoft füllen die schlanken Reklame-Links die Kassen. Anders als bei klassischer Werbung zahlt der Kunde für seine Anzeige nur, wenn Web-Surfer sie tatsächlich registrieren und anklicken. Anbieter wie Google oder Yahoo kassieren bei diesem Pay-per-Click (PPC) genannten Modell für die Vermittlung Provision. Wie viel, das bestimmen die Inserenten selbst. Je mehr sie zahlen, desto weiter oben in der Ergebnisliste erscheint ihr Inserat. Wer etwa als Spezialist für die Reparatur beschädigter Computer möglichst prominent auftauchen will, sobald ein verzweifelter PC-Nutzer den „Datenretter“ sucht, zahlt pro Klick derzeit mehr als zehn Euro. Schlüsselworte wie Kfz-Versicherung kosten mehr als 7,50 Euro, Reisen New York rund 3,45 Euro und Urlaub Malediven noch knapp 2,10 Euro.

Doch das System hat eine gravierende Schwachstelle: „PPC ermöglicht auch Betrug“, sagt Harald Fortmann, Vizepräsident des BVDW und Spezialist für Suchmaschinen-Marketing. „So haben Klickbetrüger etwa die Möglichkeit, Kampagnen von Konkurrenten zu torpedieren oder gleich einen Teil der Werbegelder auf die eigenen Konten abzweigen.“ Vor allem Ersteres ist extrem einfach, wie Fortmann, zugleich Deutschlandchef des Online-Marketingdienstleisters Advertising.com, erläutert. „Ein Kunde wunderte sich, warum seine Anzeigen kaum auf den Suchseiten erschienen, das Budget für die Kampagne aber binnen weniger Tage verbraucht war.“ Mittels einer speziellen Software zur Kontrolle von Herkunft und Qualität der Werbeklicks entdeckte Fortmann, dass ein Konkurrent die Anzeige so oft aufgerufen hatte, bis das Kostenlimit für den Tag erreicht war und die Suchmaschine die Reklame bis zum Folgetag nicht mehr einblendete. „Wir haben eine Abmahnung geschickt, dann war der Spuk vorbei.“ Die zweite Spielart des Klickbetrugs funktioniert komplizierter. Hier nutzen die Gauner sogenannte Werbepartnerprogramme wie etwa Googles Adsense-Dienst oder das von Yahoo in den USA betriebene Yahoo Publisher Network. Dabei platzieren die Suchmaschinen die Anzeigen auch auf Web-Seiten von Partnern, die zum Inhalt der Werbung passen. Auf diese Weise wird eine noch größere Öffentlichkeit erreicht. Auf den ersten Blick profitieren alle Beteiligten: Der Werber erhöht seine Reichweite deutlich, die Suchmaschine ihren Umsatz. Und der Betreiber der Partnerseite bekommt einen Teil der Suchmaschinenprovision gutgeschrieben, wenn seine Besucher auf die Anzeige klicken. Doch die anscheinende perfekte Win-Win-Situation ist zugleich ein virtueller Selbstbedienungsladen für Online-Betrüger. Sie melden sich im Partnernetz der Suchmaschinen mit einer thematisch passenden Web-Seite an, lotsen so die Anzeigen auf ihre Homepage und klicken sie an. Schon fließt ein Teil der Umsätze in ihre Kassen. Um das Geschäft zu beleben, haben sich Betrügernetzwerke organisiert, die gegenseitig Anzeigen aufrufen. Bei der Analyse der Werbeabrufe eines Versichungsberaters in den USA stießen die Analysten von Click Forensics auf eine Vielzahl von Besuchern aus Bulgarien, Tschechien, Ägypten und der Ukraine. Im Durchschnitt blieb keiner länger als sechs Sekunden auf der Seite. Längst geschieht der Betrug nicht mehr nur in Handarbeit. „Inzwischen haben findige Programmierer Software entwickelt, die das automatisch erledigt“, sagt Branchenexperte Fortmann. „Die sogenannten Click-Bots ahmen sogar menschliches Surfverhalten nach.“ Dennoch geben sich die Internetwerber nach außen betont gelassen. „Gemessen an der Masse aller Anzeigen und der Vielzahl der Werbeklicks ist die Zahl betrügerischer Abrufe marginal“, heißt es bei Google in Deutschland. Und auch in der Münchner Dependance von Yahoo spricht man von Klickbetrug „allenfalls im Promillebereich“. Beide Anbieter verweisen zudem darauf, dass es den Werbepartnern ausdrücklich verboten sei, selbst auf die bei ihnen platzierten Anzeigen zu klicken. Google-Chef Schmidt versichert, „Leute, die gegen die Regeln verstoßen, umgehend aus unseren Systemen auszuschließen“. Zudem betreiben die Suchdienste mehrstufige Filtersysteme, um Betrügern auf die Spur zu kommen. Stammen etwa wiederholte Klicks auf eine Anzeige von ein und derselben Internetadresse, zählt nur der erste Aufruf. „Zweifelhafte Klicks“, heißt es in den deutschen Niederlassungen von Google und Yahoo, „werden den Werbekunden gar nicht erst berechnet.“ BVDW-Spezialist Fortmann bestätigt das. „In aller Regel gibt es zudem anstandslos Rückzahlungen, wenn wir dubiose Klicks monieren.“ Die Behauptung, die Betrugsquote läge im Promillebereich, akzeptierte er aber nicht. „Welche Bank kommuniziert schon die Höhe des Kreditkartenbetrugs.“ Gestützt auf Umfragen im Verband kalkuliert Fortmann „mit aktuell maximal drei Prozent betrügerischen Klicks in Deutschland, bei deutlichen Schwankungen, je nach Suchbegriff und Branche“. Wie stark die Schwankungen ausfallen können, hat Christian Bennefeld, der Chef von Etracker, untersucht. Im Auftrag von Kunden wie der Bahn, OBI@OTTO oder T-Online analysiert er das Surfverhalten von Internetnutzern. Mithilfe einer speziellen Kontroll-Software untersuchte er über sechs Monate, wie sich Besucher auf mehreren Tausend Kunden-Web-Sites verhielten. Bennefeld und sein Team entdeckten bei den Klick-Kunden teils drastische Abweichungen vom Normalverhalten: „Bei Banken oder Versicherungen zum Beispiel gehen wir davon aus, dass fast jeder vierte Anzeigenabruf, der von Suchmaschinenpartnern kam, einen betrügerischen Hintergrund hatte“, urteilt der Analytiker. Bei den direkt auf Suchmaschinen geschalteten Anzeigen „erreichte die Quote, etwa bei Versandhändlern, mehr als elf Prozent“. Der Trend zwingt die Suchmaschinenbetreiber – allen Beschwichtigungen zum Trotz – nun zum Gegensteuern. Anfang August gründeten Google, Yahoo, Microsoft und weitere Partner die Click Measurement Working Group. Sie soll jetzt den Kampf gegen den Klickbetrug koordinieren.

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