Konfliktfreie Rohstoffe Fair produzierte Computer gibt es nicht

Rechner oder Smartphones, die zu fairen Bedingungen produziert werden und in konfliktfreien Gebieten abgebaute Rohstoffe enthalten, wird es so bald nicht geben. Unrealistisch ist das aber nicht, sagt Sebastian Jekutsch vom Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung.

Rechner oder Smartphones, die zu fairen Bedingungen produziert werden, wird es so bald nicht geben. Erste Initiativen lassen aber hoffen, dass sich faire Hardware doch herstellen lässt. Quelle: REUTERS

Im Kampf um immer niedrigere Preise für Hardware in der IT-Branche müssen Menschen in vielen Ländern unter unzumutbaren Bedingungen arbeiten. Sie bauen Erze im kriegsgeschüttelten Kongo ab oder schuften in Fabriken für einen Hungerlohn und gefährden dabei mitunter ihre Gesundheit. Das wird sich in naher Zukunft nicht ändern, sagte Sebastian Jekutsch vom Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung (FifF). Erste Initiativen lassen aber hoffen, dass sich faire Hardware doch herstellen lässt. Davon ist Jekutsch überzeugt.

Konsumenten sind weitgehend machtlos, selbst wenn sie die Bedingungen für Minenarbeiter im Kongo oder Arbeiter in Zulieferfirmen in China ändern wollen. Denn anders als beim fairen Kaffeeanbau wird in elektronischen Komponenten mehr als ein Rohstoff verbaut. Hinzu kommt, dass gerade im Kongo der Abbau von Rohstoffen von korrupten Militärs oder Milizen kontrolliert wird und der Verkauf der Rohstoffe den Konflikt dort finanziert. "Konfliktfreie" Rohstoffe sind weitaus teurer.

Unüberschaubare Produktionskette

Auch die Anzahl der Zulieferfirmen ist weitgehend unüberschaubar, so dass nicht alle kontrolliert werden können. Selbst die Hersteller können nicht alle Kontrakthersteller überwachen, auch wenn sie wollten. Die Zulieferfirmen setzen oft auf menschliche Arbeitskräfte, weil sie beispielsweise Maschinen nur mit großem Aufwand umrüsten müssten, um die diversen Tastaturen verschiedener Hersteller mit Tasten zu bestücken.

Gerade diese Industrieabhängigkeit macht es schwer, eine Grasroots-Bewegung zu organisieren, wie sie etwa beim Kakao- oder Kaffeeanbau inzwischen für faire Arbeitsbedingungen sorgt.

Denn letztendlich müssten alle Komponenten in einem Gerät als "fair" deklariert werden, wenn es ein solches Siegel trägt.

Mit den richtigen Apps die Welt retten
Ökologischen Fußbadruck berechnenDie kostenlose App CO2Rechner für das iPhone ermöglicht dem Anwender einen schnellen Überblick über sein „CO2-Sündenkonto“. In gewohnter iPhone-Steuerung lassen sich allerlei Daten eintragen – von der Wohnungsgröße bis zur Verkehrsmittelnutzung. Spannend wird es, wenn verschiedene Parameter verändert werden. Schnell wird so deutlich, welche persönliche Klimaschutzmaßnahme dem Klima wie viel bringen würde. Quelle: PR
Anleitung zum Gutsein I„Abstimmung über den Geldbeutel“ wird das Verhalten von Konsumenten genannt, die beim Kauf auf ökologische und soziale Aspekte des Produkts achten. Ein Problem dabei ist die mangelnde Transparenz. Selbst Konsumenten, die bereit sind, für ökologisch korrekte Produkte mehr zu bezahlen, müssen erst einmal wissen, welche das sind. Die kostenlose App GoodGuide ist angetreten, diese Wissenslücke zu schließen. Sobald die ein Barcode in die Kamera gehalten wird, sucht sie das entsprechende Produkt aus der Datenbank samt Informationen zu Gesundheit sowie ökologischen und sozialen Bewertungen. Die 120.000 gespeicherten Barcodes sind allerdings überwiegend Produkte des US-Markts - für europäische Kunden muss noch nachgebessert werden. Quelle: PR
Anleitung zum Gutsein IINach einem ähnlichen Prinzip wie GoodGuide funktioniert auch die für iPhone und Android-Smartphones erhältliche kostenlose App Barcoo. Sie enthält deutlich mehr Produkte des deutsches Markts. Ökologische Aspekte stehen hier zwar nicht im Vordergrund, werden neben Kundenbewertungen und Preis aber auch angezeigt. Nach dem Scannen einer Mineralwasserflasche erfährt der Nutzer beispielsweise: „Abgefülltes Mineralwasser verursacht etwa 300g CO2 pro Liter – Trinkwasser kommt auf unschlagbare 1g CO2“. Daneben wird auch eine Nachhaltigkeitsampel für den Hersteller des Produkts angezeigt, die auf einer Bewertung der sozialen und ökologischen Verantwortung basiert. Zu bestimmten Produktkategorien wird auch gleich ein Miniguide angeboten. Beim „Miniguide Wasser“ erfährt der App-Nutzer beispielsweise die Unterschiede zwischen Produktbezeichnungen wie „Natürliches Mineralwasser“, „Quellwasser“, „Tafelwasser“ oder „Heilwasser“. Quelle: PR
FischratgeberViele Inhaltsstoffe von Fisch sind gesund - doch die rücksichtslose Überfischung der Meere gefährdet den Bestand vieler Arten. Die kostenlose App WWF-Fischratgeber für iPhone und Android-Smartphones fragt weltweit Datenbanken über Fischbestände ab und zeigt Ihnen so aktuell immer an, bei welchen Sorten Sie ohne schlechtes Gewissen zugreifen können. Auch die Fang- oder Zuchtmethode fließen dabei in die Bewertung ein. Eingeteilt werden sämtliche Fischsorten in die Kategorien „Gute Wahl“, „Zweite Wahl“ und „Lieber nicht“. Zu jedem Fisch zeigt die App Hintergrundinformationen an. Ergänzend bietet auch die kostenlose App Seafood Watch in englischer Sprache Informationen zum Fischverzehr. Quelle: PR
Naturkost-WegweiserWo es Nahrungsmittel aus ökologischer Landwirtschaft und Bio-Fleisch gibt, zeigt der kostenlose Bio & Naturkost Finder für das iPhone. Dort sind über 3000 Bioverkaufsstellen samt Bewertungen von Nutzern gespeichert, Die nächstgelegenen lassen sich jeweils nach Entfernung sortiert anzeigen. Via Google Maps wird dem Nutzer der Weg gewiesen. Quelle: PR
Energie-Check für Umwelt und GeldbeutelDie Heizcheck-App Deutschen Energie Agentur (Dena) bietet einen schnellen Energie-Check für das eigenen Haus an. Dadurch sollen Hausbesitzer Energie-Einsparpotenziale erkennen  - etwa eine bessere Dachdämmung. Der Rechner zeigt an, wie viel Hausbesitzer sparen könnten, wenn sie verschiedene Parameter verändern. Der Heiz-Check kann auch online durchgeführt werden. Quelle: PR
Fahrgemeinschaften bilden„Alleine fahren ist kostspielig – für den Geldbeutel des Fahrers und den Planten“. Das ist das Motto der kostenlosen App Avego Driver. Sie unterstützt einen iPhone-Nutzer dabei, ökologisch vorteilhafte Fahrgemeinschaften zu bilden – und zwar in Echtzeit. Die registrierten Fahrer werden automatisch über Mitfahrer auf ihrer Route informiert. Die App sieht dabei vor, dass sich Fahrer und Beifahrer die Kosten teilen. Die Organisation von gemeinsamen Fahrten funktioniert dabei umso besser, je mehr Nutzer sich daran beteiligen. Dabei wird auch die Öko-Bilanz erfasst: Bei jeder Fahrt rechnet die App aus, wie viel CO2 die Fahrgemeinschaft gegenüber einer Individualfahrt eingespart hat. Weitere Öko-Apps für iPhone, Android-Smartphones und Blackberry finden Sie in der Übersicht von www.berggruener.de Quelle: PR

Ganz so aussichtslos wie die Situation jetzt erscheint, ist sie aber nicht, sagte Jekutsch. Schritt für Schritt müssten sich Hersteller, Politik, Konsumenten und Organisationen dafür einsetzen, dass elektronische Geräte zu fairen Bedingungen hergestellt werden.

Erste, wenn auch zaghafte Ansätze gebe es bereits, sagte Jekutsch. Weltweit engagieren sich neben Greenpeace immerhin mehr als eine Handvoll Initiativen für fairen Abbau und Rechte der Arbeiter in Zulieferbetrieben. Unter öffentlichem Druck reagieren selbst große Hersteller wie Apple, Samsung oder Microsoft auf Vorwürfe schlechter Arbeitsbedingungen bei ihren Zulieferern.

Wer als Konsument seine elektronischen Geräte aber bei einem Hersteller kaufen will, der konfliktfreie oder faire Hardware herstellt, kann es nicht. Es gebe keinen einzigen Hersteller weltweit, der nachweislich solche Hardware anbieten kann.

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