Konkurrenz zu Google Facebook will Verkehrs-App kaufen

Mark Zuckerberg plant den nächsten Coup: Laut Berichten will Facebook die israelische Verkehrs-App Waze kaufen und so ein Online-Netzwerk für Autofahrer an den Start bringen. Auch ortsbezogene Werbung könnte so platziert werden.

Waze auf einem Smartphone in Tel Aviv. Facebook ist offenbar an dem Start-Up interessiert. Quelle: REUTERS

Facebook verhandelt laut Medienberichten über den Kauf der Navigations-App Waze - der Preis könnte eine Milliarde Dollar erreichen. Bei Waze informieren die Nutzer einander über Staus, Unfälle oder Radarfallen. Die Unternehmen seien in ersthaften Gesprächen, die aber noch scheitern könnten, schrieben das "Wall Street Journal“ und die Finanznachrichtenagentur Bloomberg am Freitag. Zuvor war davon bereits in israelischen Medienberichten die Rede.

Das vor vier Jahren in Israel gegründete Start-up Waze hat nach bisherigen Informationen 40 bis 50 Millionen Nutzer. Die App gibt Routen-Anweisung auf Basis der Nutzer-Informationen, funktioniert aber zugleich wie eine Art Online-Netzwerk für Autofahrer. Mit Waze könnte Facebook seine Mitglieder auch im Auto erreichen und die Nutzer-Basis erweitern. Zugleich könnte die App ein Kanal für ortsbezogene Werbung sein.

Facebook kauft auf und macht dicht
Es ist ein klassisches Beuteschema: Facebook übernimmt ein Start-up, das dazugehörige Personal und schließt daraufhin den ursprünglichen Dienst der übernommenen Internetfirma. Neuestes Beispiel: der Bookmark-Dienstleister Spool, der ab sofort unter dem Flagge Facebook weitermacht. Der eigene Dienst wird eingestellt, die Nutzer erhielten die letzte Mail am 14. Juni. Der Fall Spool reiht sich in eine lange Tradition von Facebook-Akquisitonen ein, bei denen das große Social-Network es vor allem auf das Können des Personals abgesehen hat. Von der übernommenen Firma bleibt oft nicht mehr als der Blogeintrag: "Tschüss Leute, wir sind dann mal bei Facebook." Quelle: Screenshot
Im Kampf um die besten Talente reichen Gratisessen und Aktienoptionen nicht immer - in der Folge kaufen sich Facebook & Co. manchmal schlicht die besten Leute samt deren Unternehmen. Ein gutes Beispiel für diese auch "acqui-hire" genannte Praxis: Bret Taylor. Er erhielt sogar den Chefentwicklerposten bei Facebook, nachdem sein Start-up Friendfeed von Facebook für 47 Millionen US-Dollar aufgekauft wurde. Das alles fand 2009 statt. Mit Friendfeed kann der Nutzer alle Aktivitäten seiner Freunde auf diversen Sozialen Netzwerkplattformen verfolgen. Doch Zuckerberg ging es in Wirklichkeit um mehr. "Wir wollten vor allem Bret Taylor an Bord holen", wurde der Facebook-Chef in der New York Times zitiert. Friendfeed ist zwar noch online, doch der Dienst wird nicht mehr aktualisiert oder erweitert. Taylor blieb nach der Übernahme nicht lange bei Facebook. Nach dem jüngsten Börsengang verkündete der Chief Technology Officer prompt, Facebook zu verlassen und seine eigene Firma zu gründen. Quelle: REUTERS
Doch nicht immer geht es nur um das Personal. Auch Teile der Technik dürfte für Zuckerberg interessant sein. So wurde Face.com Mitte Juni 2012 geschlossen. Facebook hatte sich zuvor das israelische Start-up für 60 Millionen Dollar einverleibt. Die Gesicht-Erkennungs-Technologie von Face.com dient Smartphone-Nutzern dazu, auf Facebook Freunde zu markieren. Nun wird die Arbeit an der App eingestellt und vom iTunes-Store genommen. Nutzer können noch bis zum 20. Juli ihre Daten sichern, bis Facebook den Dienst endgültig abschaltet. Wenn Facebook ein Start-up-Unternehmen übernimmt, dann zieht in der Regel das obere Management mit nach Palo Alto in Kalifornien. Die unabhängige Nutzung der Marke erlaubt Facebook nicht. Quelle: Screenshot
Gleiches Schicksal ereilte das israelische Start-up Snaptu. Im März 2011 akquirierte Facebook den Dienst für 70 Millionen US-Dollar, mit dem vor allem normale Handynutzer Zugang zu Social-Networks bekommen. Quelle: Screenshot
Der File-Sharing-Dienst drop.io ging im Oktober 2010 an Facebook. Über den Kaufpreis vereinbarten beide Seiten Stillschweigen. Der Gründer Sam Lessin arbeitet seitdem als Produkt-Manager bei Facebook. Quelle: Screenshot
Der Lokalisierungsdienst Gowalla stand in direkter Konkurrenz zu Foursquare. Vier Monate Monate nachdem das Start-up aus Texas im Dezember 2011 aufgekauft wurde, gab Gowalla bekannt, dass es seinen Dienst einstellen würde. Quelle: Screenshot
Für zehn Millionen US-Dollar kaufte Facebook das Unternehmen Hot Potato im August 2010 auf. Mit dem Check-in-Dienst können Nutzer angeben, was sie lesen oder was für Musik sie gerade hören. Quelle: Screenshot
Der Fotodienst Lightbox kündigte nach der Facebook-Übernahme im Mai 2012 recht lakonisch das Ende seiner Tätigkeiten unter unabhängiger Fahne an. Eine Ausnahme zur gängigen Facebook-Aufkaufpraxis gibt es allerdings bisher... Quelle: Screenshot
... und zwar beim Internet-Foto-Dienstleister Instagram, den Facebook im Frühjahr 2012 für eine Milliarde Dollar aufkaufte. Noch haben die Regulierungsbehörden den Deal nicht genehmigt. Doch Instagram soll nach Worten von Facebook-Gründer Zuckerberg die komplette Eigenständigkeit behalten. Quelle: dpa

Erreicht der Preis tatsächlich eine Milliarde Dollar, wäre das der teuerste Zukauf von Facebook. Die Übernahme der Fotoplattform Instagram sollte Facebook zwar ursprünglich auch soviel kosten. Mit den fallenden Kursen der Facebook-Aktie war der Deal am Ende jedoch nur 750 Millionen Dollar wert.

Mit einem Einstieg in Kartendienste und würde Facebook Apple und Google Konkurrenz machen. Facebook wie auch Waze waren für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Zu den Waze-Finanzinvestoren gehört unter anderem Qualcomm.

Karten- und Navigations-Dienste werden für Technologiekonzerne immer wichtiger, da viele Smartphone-Nutzer ihre Geräte zunehmend auch für die Suche von Straßen, Plätzen und die Ermittlung von Routen verwenden.

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