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Kooperation mit Fon Deutsche Telekom plant Hotspot-Teppich

Es ist die erste große Nachricht von der Cebit: Die Deutsche Telekom kooperiert mit der Startup-Firma Fon, die private WLAN-Hotspots für andere öffnet. Weitere gute Nachricht für Telekom-Kunden: Ab 15. März sind alle Anrufe bei Hotlines kostenlos.

Stärken und Schwächen der Telekom
Schwäche1: Bereinigte Kennzahlen verzerren das BildWie fast kein anderes Unternehmen ist die Deutsche Telekom dafür bekannt, in ihren Zahlen ständig irgendwelche Sondereinflüsse auszuweisen. Berichtete und bereinigte Kennzahlen weichen regelmäßig meilenweit voneinander ab. Der Konzern hat zwar immer zahlreiche Begründungen für die Bereinigungen parat. Gleichwohl ist nicht von der Hand zu weisen, dass diese die Berichterstattung komplexer und schwerer verständlich machen. Allein im Geschäftsjahr 2011 liegen berichtetes und bereinigtes Konzernergebnis 2,3 Milliarden Euro auseinander. Aufwendungen, die der Konzern als Sondereffekte deklarierte und somit auch bereinigte, waren unter anderem Ausgaben für den Konzernumbau wie etwa Personalmaßnahmen sowie Firmenwertabschreibungen auf die Tochtergesellschaften T-Mobile in den USA und OTE in Griechenland. Quelle: AP
Als positiven Sondereffekt bereinigte die Telekom die Ausgleichszahlung, die der Konzern vom US-Konkurrenten AT&T für das Platzen des T-Mobile USA-Deals erhielt. Zunächst sind alle diese Bereinigungen verständlich. Experten kritisieren aber, dass manche Sondereffekte seit Jahren auftreten - wie etwa die Aufwendungen für den Stellenabbau. Aus Konzernkreisen heißt es dazu, dass die Sondereffekte, die den Konzernumbau betreffen, in der Zukunft abnehmen werden. Einmaleffekte aus Unternehmenstransaktionen (M&A) will die Telekom aber weiterhin bereinigen, um sich innerhalb der Branche vergleichbar zu machen. Quelle: dapd
Schwäche 2: Schuldenberg drückt auf die BilanzEin Trostpflaster gibt es für die Telekom-Aktionäre. Die US-Tochter T-Mobile ist der Bonner Konzern im vergangenen Jahr zwar nicht losgeworden. Die Ausgleichszahlung für das Platzen des Deals von AT&T in Höhe von umgerechnet 2,3 Milliarden Euro half dem Konzern aber an anderer Stelle: Die Telekom konnte ihre Nettofinanzschulden - also die Differenz aus Bruttofinanzschulden und Zahlungsmitteln - um 2,2 Milliarden Euro oder 5,1 Prozent senken. Gleichwohl bleiben die Nettofinanzschulden mit 40,1 Milliarden Euro weiterhin hoch. Im Verhältnis zum Eigenkapital machen die Nettofinanzschulden 100 Prozent aus. Zudem betragen sie das 2,1-Fache des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Quelle: dapd
Damit bleibt die Telekom zwar innerhalb ihres eigenen Zielkorridors. Von den Ratingagenturen wird der Konzern aber - unter anderem wegen der hohen Verschuldung - nur mit BBB+ (S&P, Fitch) beziehungsweise Baa1 (Moody's) bewertet. Damit liegt die Telekom nur drei Stufen über Ramschniveau. Ratingagenturen ziehen bei ihrer Bonitätsbeurteilung auch die Pensionsverpflichtungen hinzu. In ihrer Bilanz weist die Telekom 6,1 Milliarden Euro an Rückstellungen für die Altersversorgung ihrer Mitarbeiter aus. Ihre Nettoschulden erhöhen sich aus Sicht der Ratingagenturen entsprechend. Der geplante Verkauf der Tochter T-Mobile USA an den US-Konkurrenten AT&T für 39 Milliarden Dollar hätte die Schulden auf einen Schlag reduziert. Nun, da der Deal geplatzt ist, muss der Bonner Konzern Alternativen finden. Quelle: dpa
Schwäche 3: Das Auslandsgeschäft bleibt mühevollUm das schrumpfende Geschäft im Heimatmarkt zu kompensieren, hat die Telekom in zahlreiche Auslandsmärkte investiert - mit gemischtem Erfolg. In den USA fällt es der Telekom-Tochter T-Mobile zunehmend schwer, mit starken nationalen Konkurrenten wie Verizon und AT&T zu konkurrieren. Der geplante Verkauf der Sparte an AT&T hatte daher Begeisterung bei den Investoren ausgelöst. Seit der Deal wegen kartellrechtlicher Bedenken der US-Behörden scheiterte, warten die Aktionäre auf eine Alternative von Konzernchef René Obermann. In Griechenland ist die Telekom mit 40 Prozent an OTE beteiligt. Neben der Schuldenkrise machen dem Konzern dort vor allem die immer strengere Regulierung und die höheren Steuern zu schaffen. Quelle: dpa
Die Telekom spielt daher auch schon die Konsequenzen eines Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone durch. Es heißt, der Konzern sei dabei zu dem Ergebnis gekommen, dass die griechische Tochter OTE danach auch ohne Hilfen der deutschen Mutter überlebensfähig sei. OTE muss auch im Falle eines Währungswechsels und einer spürbaren Abwertung der Drachme die finanziellen Verpflichtungen erfüllen können. Denn noch laufen Kredite und Anleihen in Euro, der Kapitaldienst würde sich drastisch verteuern. Weil OTE mit dem Mobilfunk momentan gutes Geld verdient und sich vor allem im ersten Quartal positive Trends zeigten, könne die OTE ihre Finanzierung allein stemmen, so die Hoffnungen der Telekom. Quelle: dpa
Stärke 1: Anleger werden bei Laune gehaltenAls Wachstumswert kann die Telekom ihre Aktie den Investoren nicht verkaufen, dafür aber als Dividendenpapier. Bis einschließlich nächstes Jahr garantiert der Konzern die Ausschüttung sogar. Wie im Vorjahr sollen die Aktionäre für das abgelaufene Geschäftsjahr daher 70 Cent je Aktie erhalten. Das entspricht einer Ausschüttungssumme von drei Milliarden Euro. Bei einem Konzernüberschuss von nur 557 Millionen Euro im Jahr 2011 erscheint der Betrag zunächst riesig. Doch da das Nettoergebnis durch zahlreiche Sondereinflüsse belastet ist, misst die Telekom ihre Ausschüttungsquote lieber am Free Cash-Flow. Das sind die freien Mittel, die nach Abzug der Investitionen in Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte von den Zuflüssen aus dem operativen Geschäft noch übrig bleiben. Diese Relation liegt 2011 mit 43 Prozent unter dem Vorjahreswert von 59 Prozent. Quelle: dpa

Die Deutsche Telekom will den schnellen Internet-Zugang unterwegs durch die Nutzung privater Festnetz-Anschlüsse per WLAN massiv ausweiten. Dafür kooperiert der Telekom-Riese in Deutschland mit dem Startup-Unternehmen Fon, das Nutzern eine einfache Möglichkeit bietet, WLAN-Netze miteinander zu teilen.

Durch die Zusammenarbeit mit Fon sollen Kunden zum Jahr 2016 Zugriff auf 2,5 Millionen neue WLAN-Hotspots haben, kündigte Deutschlandchef Niek Jan van Damme am Montag auf der Computermesse CeBIT in Hannover an. Der Telekom gehören heute rund 12.000 Hotspots. Die zeitlich unbegrenzte Partnerschaft soll ab Sommer greifen. In den kommenden Jahren will die Telekom auch den Internet-Empfang in der Bahn verbessern: Bis 2014 soll es Hotspots in 255 ICE-Zügen geben.

„Wir rollen den WLAN-Teppich in Deutschland aus“, sagte van Damme. „Egal, wo Sie hingehen, das WLAN ist schon da.“ Es sei „ein historischer Moment“. Die Kooperation mit Fon unter dem Namen WLAN TO GO soll auch das Mobilfunk-Netz der Telekom entlasten, durch das mit der Ausbreitung von Smartphones und Tablets immer mehr Daten fließen.

Bei dem Fon-Prinzip werden zwei WLAN-Netze aufgebaut. Der Datenverkehr des Anschluss-Besitzers ist von dem der Gastnutzer klar getrennt. Das heißt, Fremde haben keinen Zugriff auf die Daten des Hotspot-Betreibers. Zudem hat sein Datenverkehr des Eigentümers immer Vorrang, damit die Internet-Verbindung für ihn nicht langsamer wird. Fon-Mitglieder, die ihr WLAN teilen, können dafür die Anschlüsse anderer Teilnehmer in fremden Städten und Ländern mitbenutzen. Fon hat weltweit über 7,7 Millionen Teilnehmer mit offenen WLAN-Netzen.

Für Fon ist der Deal mit der Telekom der erste in Deutschland. Bei der Gründung durch den Internet-Unternehmer Martin Varsavsky im Jahr 2005 wurde Fon von der Telekom-Industrie noch sehr kritisch beäugt. Schließlich ist Teil des Konzepts, dass sich die Verteilung der Datenströme stärker der Kontrolle des Netzbetreibers entzieht. Gern verwiesen wurde auch auf eine möglicherweise problematische juristische Lage - Stichwort „Störerhaftung“ -, wenn Fremde das Netz für Rechtsverletzungen missbrauchen. Inzwischen wird klargestellt, dass der Anschluss-Inhaber nicht für das Geschehen im öffentlichen WLAN-Netz haftet.

Mit dem Smartphone-Boom ist der Druck auf die mobilen Netze so groß geworden - und die ungenutzten Kapazitäten in den Festnetz-Leitungen ebenfalls - dass die Netzbetreiber-Betreiber das Fon-Modell als Entlastung willkommen heißen. In Großbritannien, Frankreich, Russland, Japan, Portugal und Belgien hatte die Firma bereits Vereinbarungen mit Netzbetreibern geschlossen.

Telekom-Chef René Obermann betonte in Hannover, die neue Partnerschaft sei ein Beispiel für den Kurs „Innovation durch Kooperation“. Der moderne Netzbetreiber müsse immer mehr zur Plattform für Anbieter von Online-Diensten werden.

Die Unternehmen der Telekom-Branche beschweren sich, dass sie viele Milliarden in den Netzausbau investieren, aber nichts von den Profiten der Online-Firmen abbekommen, die ihr Netz mit Daten füllen. Deren Devise sei: „Ihr investiert, wir schöpfen die Gewinne ab“, kritisierte Obermann vergangene Woche beim Mobile World Congress in Barcelona. Die Telekom versucht dem entgegenzuwirken, indem sie Online-Anbieter ins Boot holt. Zum Beispiel gibt es einen Tarif, in dem die Nutzung des Musikdienstes Spotify inbegriffen ist.

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