Kopfhörer im Hörtest Akustikwunder oder Stereo-Flop?

Sie versprechen feinsten Hi-Fi-Klang und ein räumliches Musikerlebnis wie über Lautsprecher. Im Wiwo-Test müssen ein Kopfhörerverstärker und zwei Kopfhörer zeigen, wie gut ihnen das gelingt – und welche Qualitäten sie sonst noch zu bieten haben.

Die getesteten Kopfhörer im Überblick
Audeze LCD-X: Magnetostatischer Kopfhörer der Referenzklasse mit extragroßen Hörmuscheln. Quelle: Hersteller
Audeze LCD-X: Große Feinlederpolster und stabile Aluminiumverarbeitung sorgen für ein Gewicht von über 500 Gramm. Quelle: Hersteller
Audeze LCD-X: Die Ohrpolster sind asymmetrisch geschnitten für guten Sitz. Quelle: Hersteller
Beyerdynamic Headzone: Das System besteht aus einer Basisstation samt Kopfhörer. Eine Antenne am Kopfhörer registriert Kopfbewegungen und kann die Schallsignale entsprechend verändern. So entsteht ein Raumsignal. Quelle: Hersteller
SPL Phonitor Mini: Der Kopfhörerverstärker mit Matrixschaltung kommt im sachlichen Metallgehäuse, ist aber dezent von innen beleuchtet. Die Matrix-Schaltung rechts ist über drei Kippschalter regelbar. Quelle: Hersteller
SPL Phonitor Mini: Auf der Rückseite gibt es Cinch-Anschlüsse und symmetrische XLR-Anschlüsse. Leider befindet sich auch der Ein-Ausschalter hinten (angeblich aus klanglichen Gründen). Quelle: Hersteller
Ultrasone Performance 880: Technisch-urbaner Look, die spezielle Bügelform spart Platz und sorgt für straffen Sitz am Ohr. Quelle: Hersteller
Ultrasone Performance 880: Der geschlossene Bügelkopfhörer ist wegen der niedrigen Impedanz von 32 Ohm auch für Smartphones oder MP3-Player geeignet. Quelle: Hersteller
Ultrasone Performance 880: Drehgelenke in den Bügeln sorgen für einfache Handhabung. Das einseitig zugeführte Drei-Meter-Kabel ist abnehmbar, ein kurzes liegt bei. Quelle: Hersteller
Ultrasone Performance 880: Mit verschwenkten Bügeln macht sich der Kopfhörer flach und passt in die Neoprentasche. Quelle: Hersteller

Musikwiedergabe vom Kopfhörer, die so klingt, als käme sie aus Lautsprechern, ist technisch eine echte Herausforderung. Viele Hersteller forschen an der Musikwiedergabe mit der Extra-Räumlichkeit, nur wenige trauen sich aus der Deckung und melden den Durchbruch. Der Kopfhörerspezialist Ultrasone und SPL, ein Spezialist für Studioequipment, wagen sich weiter vor. Sie versprechen eine Technik, die den Kopfhörersound mit dem Musikhören über Lautsprecher vergleichbar macht. Wiwo.de hat die Produkte getestet. Zum Vergleich hat Wiwo.de mit dem Audeze LCD-X auch einen der weltbesten Kopfhörer einer Hörprobe unterzogen. Er soll zeigen, ob auch ein exklusiver, aber klassisch gebauter Hörer das räumliche Musikerlebnis verbessert.

Im Test müssen sich die Geräte erst mal 24 Stunden lang einspielen. Dann steht ein Stapel CDs aus Jazz, Pop und Klassik für den Hörtest bereit.

Ultrasone Performance 880: Drehgelenke in den Bügeln sorgen für einfache Handhabung. Das einseitig zugeführte Drei-Meter-Kabel ist abnehmbar, ein kurzes liegt bei. Quelle: Hersteller

Ultrasone Performance 880

Das Unternehmen Ultrasone, nahe Starnberg bei München ansässig, bietet im Preisbereich zwischen 80 und rund 3500 Euro ein breites Portfolio von Kopfhörern an. Die neue Performance-Serie liegt mit ihren drei Modellen in der Mittelklasse.

Das Topmodell dieser Serie, der Performance 880, kostet 379 Euro. Dafür erhält man einen gut verarbeiteten, eleganten Hörer mit Neoprentasche und abnehmbarem 3-Meter-Kabel. Für die mobile Nutzung mit dem Smartphone liegt ein zweites 1,2 Meter langes Kabel mit Miniklinke, Fernbedienung und Mikrophon bei. Der Performance 880 ist ein geschlossener Kopfhörer mit ohrumschließenden Muscheln aus Weichleder, als Alternative liegen Velourpolster bei.

Das technische Highlight ist die patentierte Technik S-Logic Plus. Dabei werden die Schallwandler im Kopfhörer dezentral, also leicht versetzt, angeordnet. So trifft das Schallsignal nicht mehr frontal auf den Gehörgang, sondern bezieht gewissermaßen die Anatomie der Ohrmuschel mit ein. Ultrasone verspricht mit S-Logic einen "beeindruckend natürlichen räumlichen Klang" und ein Klangerlebnis, als würde man "Boxen lauschen, die mehrere Meter weit entfernt sind". Der Klang "spielt sich nicht mehr direkt im Kopf ab", so das vollmundige Versprechen. Ein positiver Nebeneffekt ist, dass der Schalldruck auf das Ohr bei subjektiv gleicher Lautstärke etwas niedriger ist.

Im Praxistest ließ sich eine Außer-Kopf-Lokalisation jedoch nicht nachvollziehen. Der Performance 880 baut zwar einen weiten Raum auf, insofern zeitigt die S-Logic-Technik durchaus Wirkung. Doch letztlich verbleibt das Musikgeschehen immer noch im Kopf. Die hohen Erwartungen, die der Hersteller mit der überschwänglichen Beschreibung der S-Logic-Technik beim Käufer weckt, kann der Ultrasone-Hörer nicht erfüllen.

Im Vergleich zum offenen AKG 701 (ca. 220 Euro) oder dem geschlossenen Denon AH-D 7000 (1200 Euro), beide Meister an Transparenz und Weiträumigkeit, wird der Unterschied deutlich. Die imaginäre Bühne beim Ultrasone ist trotz S-Logic sogar hörbar kleiner als die der Konkurrenten.

Der Performance ist deswegen aber kein schlechter Kopfhörer. Als Hi-Fi-Spieler für den anspruchsvollen Musikhörer macht der 880 seine Sache gut. Die Bässe kommen kräftig und doch konturiert, selbst Tiefbass unter 50 Hz bleibt der Performance 880 nicht schuldig. Für audiophile Ohren wirken die Mitten vielleicht etwas zurückhaltend, die Höhen in einigen Fällen, etwa bei Frauenstimmen, fast etwas spitz. Aber insgesamt zeichnet der Ultrasone ein sehr angenehmes und voluminöses Klangbild.

Fazit: Guter Hi-Fi-Klang, aber keine Außer-Kopf-Lokalisation

Ein gut ausgestatteter und klanglich hochwertiger Kopfhörer, der dank Extrakabel mit Mikrofon und Fernbedienung auch für die Zusammenarbeit mit dem Smartphone geeignet ist. Das versprochene Klangerlebnis mit Außer-Kopf-Lokalisation bleibt allerdings aus.

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