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Kopfhörer im Hörtest Akustikwunder oder Stereo-Flop?

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SPL Phonitor Mini

In Tonstudios wird beim Mischen und Mastering öfter mal zwischen Monitor-Lautsprecher und Kopfhörer gewechselt. Dabei stört die völlig andere Raumdarstellung der Kopfhörer. Die nordrhein-westfälische Firma Sound Performance Lab (SPL), bekannt für Studio-Equipment, hat einen Kopfhörerverstärker entwickelt, der durch eine raffinierte elektronische Schaltung (Räumlichkeits-Matrix) eine ähnliche Wiedergabe wie der Monitor-Lautsprecher liefern soll.

SPL Phonitor Mini: Der Kopfhörerverstärker mit Matrixschaltung kommt im sachlichen Metallgehäuse, ist aber dezent von innen beleuchtet. Die Matrix-Schaltung rechts ist über drei Kippschalter regelbar. Quelle: Hersteller

Der Phonitor Mini ist nun sozusagen die zivile Variante des Studiogeräts fürs Wohnzimmer. Er arbeitet aber ebenfalls mit der besagten Räumlichkeits-Matrix, die hier etwas weniger komplex, dafür leichter bedienbar ausfällt. Der Phonitor Mini kann wie ein ganz normaler Kopfhörerverstärker benutzt werden, die Räumlichkeitsmatrix ist per Kippschalter zu- und abschaltbar. Das System funktioniert mit jedem guten Hi-Fi-Kopfhörer. Der Preis für den Phonitor liegt bei 650 Euro. Das ist günstig, wenn man bedenkt, dass der A2 von Beyerdynamic etwa 1500 Euro und der HDVD 800 von Sennheiser 1799 Euro kostet.

Seine geringe Bauhöhe von etwa vier Zentimeter macht das schnucklige Gerät in jedes Regal integrierbar. Der graue Metallkorpus und der Bedienbereich aus gebürstetem Alu wirken sachlich, seine Tonstudio-Gene will das Gerät nicht verleugnen.

Bei herkömmlicher Kopfhörertechnik erhalten die Ohren nur das Schallsignal des jeweils linken oder rechten Kanals. Deshalb konzentriert sich die Musik direkt im Kopf. Das ist beim Phonitor anders. Drei Kippschalter regeln den Raumklang. Der wichtigste heißt "Crossfeed“. Mit dieser Technik bekommt das linke Ohr auch Schallanteile des rechten Kanals zugewiesen, und umgekehrt das rechte Ohr Schallanteile von links. Die Ohren werden also kreuzweise mit Signalen des jeweils anderen Kanals gefüttert, daher auch der Begriff "Crossfeed". Die anderen Kippschalter verfeinern die Wirkung. So regelt "Angle" den Abstrahlwinkel der Lautsprecher. Stehen Lautsprecher weiter auseinander, ist der Winkel zum Hörer groß, stehen sie enger zusammen, verringert sich der Winkel. Einstellbar sind 40, 30 und 22 Grad.

Angesichts des ehrgeizigen Konzepts sind die Erwartungen beim Hörtest hoch. Doch in den ersten Minuten herrscht erst mal Enttäuschung. Vom vermeintlich revolutionären Raumklang ist wenig zu hören. Für den Phonitor muss man sich etwas Zeit nehmen. Wenn man sich eingehört hat, dann funktioniert die Matrix-Wiedergabe doch recht gut. Das musikalische Geschehen wandert deutlich nach vorne. Hört man mit geschlossenen Augen, glaubt man die Musiker beim Kammerkonzert im Halbrund vor einem sitzen zu sehen. Das klingt schon annähernd nach Musik aus Lautsprechern und ermöglicht außerdem sehr entspanntes Hören. Schaltet man nach einer halben Stunde zurück in den Normalbetrieb, merkt man den Unterschied deutlich. Das frontale Klangbild kippt zurück in die Mitte des Kopfes und die simple Rechts-Links-Akustik drückt auf die Ohren.

Trotzdem leistet der Phonitor Mini keine Außer-Kopf-Lokalisation. Die Musik kann sich nicht ganz vom Kopfhörer lösen, das Klangbild bleibt zwar vorne, aber letztlich im Kopf.

Fazit: Raffinierte Technik und gute Vorne-Lokalisation

Auch ohne Raummatrix wäre der Phonitor Mini ein ausgezeichneter Kopfhörerverstärker: schnell, transparent, weiträumig, dabei extrem rauscharm. Mit seiner strengen Neutralität ist er kein Charmebolzen, was in Tonstudios auch nicht erwünscht ist. Allein dadurch ist er seinen Preis wert. Die Matrix-Schaltung gibt es quasi obendrauf. In Sachen Räumlichkeit und Vorne-Lokalisation beschert er der Musikwiedergabe über Kopfhörer einen spürbaren Schritt nach vorne.

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