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Kriminalität Wie Big Data den Kampf gegen Terror unterstützt

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Wohnungseinbrüche sind leichter zu berechnen als Terroranschläge

„In der Tat liefern die Systeme bei solchen Kriminalitätsarten recht verlässliche Prognosen akut gefährdeter Quartiere“, bestätigt auch der Bochumer Kriminologe Feltes. Grundlage der Berechnungen sei eine Vielzahl ortsbezogener Daten, deren Verknüpfung mit Informationen über frühere Verbrechen und das Wissen um sich wiederholende kriminelle Handlungsmuster.

Inzwischen setzen auch Europas Polizeibehörden auf die Prognosekraft der Rechner. Wohl nicht ganz zufällig heißt die vom Institut für musterbasierte Prognosetechnik (IFMPT) in Oberhausen entwickelte Analysesoftware „Precobs“. Das steht für Pre Crime Observation System und beschreibt eine Kernerkenntnis klassischer Kriminalistik: „Speziell bei Wohnungseinbrüchen belegen internationale Studien, dass es in Vierteln, in denen eingebrochen wurde, oft kurz darauf im direkten Umfeld erneut zu Einbrüchen kommt“, sagt der Soziologe Thomas Schweer, Gründer des IFMPT.

Welche Potenziale und Herausforderungen Big Data birgt
Big Data optimiert die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle, Produktideen und Dienstleistungen Quelle: Fotolia
Big Data schafft Abhilfe bei noch nicht ausreichenden datenbasierten Analysemethoden Quelle: Fotolia
Big Data verbessert die Steuerung operativer Prozesse und optimiert strategische Entscheidungen Quelle: Fotolia
Die größte Herausforderungen liegen im Datenschutz und in der Datensicherheit Quelle: dpa
Das größte Potential liegt in der Mobilität und Industrie Quelle: dpa
Die größten Herausforderungen liegen im Gesundheitsbereich Quelle: dpa/dpaweb
Big-Data-Investitionen fließen vor allem in die Aus- und Weiterbildung des Personals Quelle: dpa/dpaweb

Dieser Trend ist offenbar so robust, dass die Polizeibehörden in München und Nürnberg Precobs bereits nutzen, genauso wie Kollegen in einigen Schweizer Kantonen. Stuttgart und Karlsruhe erproben das System. In Köln und Duisburg testet die Polizei Prognosen auf Basis der IBM-Analysesoftware.

Bei Terrorismus gelten rationale Prämissen nicht

Wenn also Datenanalyse Polizeistreifen recht zielsicher vorab in kriminalitätsgefährdete Viertel führt. Wenn das elektronische Puzzlespiel Fahnder besser denn je auf die Spur Terrorverdächtiger bringt. Warum hat all die digitale Prognostik bei den Brüsseler Anschlägen so dramatisch versagt?

Weil die statistischen Methoden, die bei Massenvergehen wie Einbrüchen ermöglichen, Handlungsmuster zu erkennen, „bei Terrorismus, erst recht fundamentalistischem, nicht greifen“, so Precobs-Entwickler Schweer. Die Prämissen rationalen Handelns, das etwa Serientäter bei Diebstählen leite, würden bei Selbstmordattentätern nicht gelten. Zudem sei die Zahl von Terrortaten für eine Datenanalyse „Gott sei Dank viel zu gering“, so der Soziologe.

Die Zahl der Anschläge in Westeuropa ist heute niedriger als noch vor 30 Jahren

In der Tat. Trotz der – gerade nach Paris und Brüssel – gefühlt hohen terroristischen Bedrohung, ist das Risiko extrem gering, hierzulande Opfer eines Anschlags zu werden. Nur gut 200 Taten mit terroristischem Hintergrund – und vier Toten – ereigneten sich 2014 in ganz Westeuropa (siehe Grafik). Die Zahl der Verkehrstoten in der EU lag im gleichen Jahr bei knapp 25.700. Einschließlich der Anschläge von Paris und Brüssel summiert sich die Zahl der Terroropfer seit 2014 EU-weit auf rund 195.

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