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Künstliche Intelligenz Wenn der Roboter die Post sortiert

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Enormes Potenzial

Ein wichtiges Einsatzfeld ist der Kundendienst: So kann Einstein bei Anomalien aktiv werden, um Probleme zu verhindern. „Wenn ein Hausgerätehersteller durch die automatisierte Auswertung von Anfragen feststellt, dass es eine Steigerung der Anrufe von Besitzern eines bestimmten Geschirrspülermodells gibt, kann das Unternehmen proaktiv andere betroffene Kunden darauf hinweisen und verhindern, dass es auch dort zu Ausfällen kommt“, sagt Schreiner.

Die Entwicklungsstufen Künstlicher Intelligenz

Erst Anfang März ist Salesforce zudem einen weiteren Schritt gegangen, um bei künstlicher Intelligenz an vorderster Front mitmarschieren zu können: Im Rahmen einer strategischen Partnerschaft wollen IBM und Salesforce ihre Lösungen Watson und Einstein miteinander verbinden. „Von der Partnerschaft profitieren IBM und Salesforce gleichermaßen“, sagt IT-Analyst Oppermann. „Für die Konkurrenten ist der Schulterschluss aber eine harte Nummer.“

Um mit der vereinten Power der beiden US-Riesen mithalten zu können, muss sich vor allem ein Unternehmen besonders weit strecken: SAP. Zwar beteuert der deutsche Weltmarktführer für Unternehmenssoftware, man nutze schon heute in zahlreichen Anwendungen Komponenten für künstliche Intelligenz und Machine Learning. In der Software mit der klingenden Bezeichnung „SAP Clea for Customer Retention Insights“ etwa hilft künstliche Intelligenz dabei, unzufriedene Kunden zu erkennen und möglichen Abwanderungsgedanken gezielt entgegenzuwirken. Gleichzeitig räumen die Walldorfer ein, dass sie noch viele weitere Bereiche ihrer Softwarelösungen mit künstlicher Intelligenz aufrüsten müssen.

Weiter ist da bereits der weltgrößte Softwarekonzern Microsoft. Hier ist es Vorstandschef Satya Nadella höchstpersönlich, der sich das Thema auf die Fahnen geschrieben hat. „Wir müssen künstliche Intelligenz demokratisieren“, sagte er im Januar auf der Digitalkonferenz DLD in München. „Das bedeutet: die Technik für jeden verfügbar machen, sie in die Schulen und Universitäten und letztlich in die gesamte Gesellschaft bringen.“

Das Unternehmen hat damit begonnen, Nadellas Vision umzusetzen. Künstliche Intelligenz findet sich etwa im persönlichen Assistenten Cortana, der mit Amazons Alexa oder Apples Siri konkurriert. Cortana ist Bestandteil von Windows 10 und wird von mehr als 145 Millionen Anwendern in 13 Ländern genutzt. Auch im Büropaket Office 365 übernimmt künstliche Intelligenz bestimmte Routineaufgaben, etwa im Microsoft Translator, der Text und Sprache in Echtzeit übersetzen kann. Über spezielle Tools ermöglicht Microsoft es Softwareentwicklern zudem, die Technologien in private Anwendungen oder Geschäftsanwendungen von Drittanbietern zu integrieren.

So lernen Maschinen das Denken

Finanzbuchhaltung abschaffen

Aber nicht nur Giganten wie IBM oder Microsoft sehen in kognitiver Software enormes Potenzial für künftiges Geschäft. Auch kleinere Anbieter wie etwa das Softwarehaus Scopevisio haben sich dem Thema verschrieben. Der mittelständische Anbieter von Unternehmenssoftware konzentriert sich derzeit im Wesentlichen auf drei Bereiche: die Dokumentenerkennung, die Automatisierung der Finanzbuchhaltung und die Mensch-Maschine-Interaktion mittels Sprache.

Durch künstlich-intelligente und lernende Verfahren in ihrer Unternehmenssoftware wollen die Bonner betriebliche Abläufe automatisieren und den Umgang mit der Software stark vereinfachen. „Provokant formuliert heißt das: Wir wollen nicht die beste Finanzbuchhaltung der Welt entwickeln, sondern sie abschaffen“, sagt Jörg Haas, Gründer und Chef von Scopevisio. Auf der IT-Messe Cebit in der kommenden Woche will er Scoper vorstellen, einen digitalen Assistenten, der sich mittels Sprache steuern lässt. Haas: „Durch die Sprachsteuerung wollen wir den Umgang mit unserer Software vereinfachen und komfortabler – ja, menschlicher machen.“

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