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Künstliche Intelligenz Nicht nur Nerds

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In Chinas Techszene mischen Frauen mit

Chinas Ambitionen bei der Entwicklung von künstlicher Intelligenz sind enorm. Und dazu setzt das Land auf alle Kräfte. „Frauen tragen die Hälfte des Himmels“, sagte schon Mao Tse-tung – die kommunistische Ideologie zählt sie halt zur werktätigen Bevölkerung. Und die Worte des Gründers der Volksrepublik haben noch immer Gewicht.

In Kalifornien, wo Firmen wie Forscher KI mit ähnlichem Eifer vorantreiben, leitet die Informatikerin Maria Klawe seit mehr als zehn Jahren das Harvey Mudd College. Sie hat dafür gesorgt, dass im Einführungskurs für Informatik Schüler nicht nur lernen, wie Computer funktionieren, sondern auch, wie sie der Gesellschaft dienen. Die Fakultät arbeitet dazu eng mit Biologen und Psychologen zusammen. „Früher ging es in dem Kurs vor allem um technische Details“, sagt Klawe. „Man musste bis ins dritte Jahr durchhalten, um auch etwas über Anwendungen zu erfahren.“ Heute werden die Studenten im ersten Semester aufgeteilt – in jene, die über Grundlagen verfügen, und jene, die noch nie eine Zeile Code geschrieben haben. Erst im zweiten Semester machen alle gemeinsam weiter. „So schüchtern wir Jugendliche mit weniger Vorkenntnissen nicht ein.“

Der neue Kurs zeigt Wirkung: Das College konnte den Anteil von Studentinnen in Informatik von 10 auf 40 Prozent steigern. Klawe nivelliert damit eine Entwicklung, die ihrer Ansicht nach mit dem Siegeszug des PCs in den Achtzigerjahren begann. Zu Hause taugten die Computer Jugendlicher damals nur zum Daddeln. Und das begeisterte vor allem Jungs, die den Spielen mit anderen Kindern wenig abgewinnen konnten.

Irgendwann, sagt Klawe, machten sie sich daran, die Computersiele selbst zu programmieren, und verstanden bald viel mehr von diesen neuen Dingern als ihre Lehrer. „Das hat unser aller Bild vom Programmierer geprägt“, sagt Klawe. „Und es hat auch, weil diese Jungs später anderen das Programmieren beigebracht haben, die Lehre geprägt.“ So ist der Kreis derer, die Software entwickeln, sehr klein geworden. Und der Fokus darauf, wem sie dienen sollte, sehr eng.

Einzelkämpfer prägen Firmenkultur

Fei-Fei Li weiß aus eigener Erfahrung, dass Technologie mehr sein kann als nur ein cooles Gadget. Und dass manche Unterstützung brauchen, um diese Möglichkeiten zu nutzen. Li borgte sich einst von Mitschülern und ihrem Mathelehrer Geld, um für ihre Eltern eine chemische Reinigung einzurichten. Ihre Studienzeit glich einem Leben in zwei Welten. Von Montag bis Freitag studierte sie in Princeton; am Wochenende, wenn die Leute ihre Wäsche abholten, half sie den Eltern im eineinhalb Autostunden entfernten Parsippany. Nach dem Studium erhielt sie lukrative Angebote von Investmentbanken – und lehnte ab. Sie hätte mit dem Geld gut für ihre Eltern sorgen können. Aber sie wollte weiter forschen. Li meisterte den Spagat zwischen Verantwortungsgefühl und dem Drang, ihre intellektuelle Kraft auszuschöpfen. Man brauche nicht 500 Leute, die einen unterstützen, sagt sie. Ein paar genügten.

Genau an dieser Unterstützung für all jene, die nicht zur engen Clique der Jungs in Kapuzenpulli zählen, fehlt es im Silicon Valley. College-Direktorin Klawe, die viele Unternehmer in der Gegend kennt, sagt, dass der Sexismus in Start-ups und Konzernen in den vergangenen 15 Jahren eher zu- als abgenommen habe. Traditionelle Technologieunternehmen wie IBM oder Hewlett-Packard hätten sich selbst in einer Tradition der gesellschaftlichen Verantwortung gesehen „und sich deshalb stark um Frauen und Farbige bemüht“, betont Klawe. Aber Apple, Microsoft oder Facebook seien auf die Persönlichkeit ihrer Gründer ausgerichtet. „Und das waren junge Männer, die ihr Studium abgebrochen haben, um eine Firma zu gründen, die gewinnt.“ Da werde derjenige gefördert, der seinen eigenen Standpunkt durchsetzt – und nicht diejenige, die die Diskussion um neue Einblicke bereichert. Dabei komme es in der KI-Ära, also Zeiten, in der Technologie immer komplexer wird, eher auf Letzteres an.

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