Künstliche Intelligenz Wettbewerbshüter warnen vor automatisierten Preisabsprachen

Exklusiv
Netzwerkkabel in einem Serverraum Quelle: dpa

Wettbewerbsexperten befürchten, dass sich im Netz durch Künstliche Intelligenz automatisierte Preisabsprachen zu Lasten des Verbrauchers durchsetzen lassen – und das ohne explizite Kartellabsprachen.

„Algorithmen geben den Unternehmen theoretisch neue Möglichkeiten an die Hand, ihr Verhalten im Wettbewerb aufeinander abzustellen“, warnt der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, dessen Behörde zusammen mit dem französischen Kartellamt eine Task Force gegen automatisierte Netzkartelle gegründet hat, gegenüber der WirtschaftsWoche.

Auch die Monopolkommission wird sich in ihrem Jahresgutachten, das kommenden Dienstag vorgelegt wird, mit dem Thema beschäftigen. „Wir empfehlen, den Verbraucherschutzverbänden das Recht einzuräumen, Sektoruntersuchungen der Kartellbehörden zu initiieren“, sagte der Kommissionsvorsitzende Achim Wambach der WirtschaftsWoche. Falls sich herausstellen sollte, dass Algorithmen zu kundenfeindlichen Preisabsprachen führen, empfiehlt die Kommission eine Umkehr der Beweislast.

Nicht mehr das Kartellamt müsste dann nachweisen, dass Verbrauchern ein Schaden entstanden ist, sondern das Unternehmen müsste darlegen, dass dies nicht der Fall ist. Außerdem regt die Monopolkommission an, eine Haftung von IT-Dienstleistern zu prüfen, die einen Algorithmus zur Preisfindung schaffen.

Auch die EU-Kommission ist alarmiert. Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager sieht zwar noch keinen starken Trend zu Kartellen durch Algorithmen. „Aber es besteht die Gefahr, dass es dazu kommt“, sagte sie der WirtschaftsWoche. Europas oberste Kartellwächterin will daher die Unternehmen in die Pflicht nehmen; diese seien für ihre Preisalgorithmen verantwortlich und könnten sich nicht damit herausreden, keine expliziten Absprachen mit der Konkurrenz getroffen zu haben. Vestager: „Der Algorithmus muss wissen, was im Kartellrecht erlaubt ist und was nicht.“

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