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Künstliche IntelligenzWie Unternehmen ihre Mitarbeiter für KI fit machen

Die Mehrheit der Deutschen hält KI für zukunftsprägend, aber nur gut jeder Dritte möchte sich auf dem Gebiet weiterbilden. Wie Unternehmen ihre Teams auf den Einsatz von künstlicher Intelligenz vorbereiten können.Andreas Menn 14.09.2023 - 09:38 Uhr

30 Prozent der Frauen in Deutschland möchten sich für KI weiterbilden, wie eine aktuelle Umfrage von YouGov im Auftrag von OneData zeigt. Immer mehr Unternehmen bieten dazu Schulungen und mehr an.

Foto: WirtschaftsWoche

Um ihren Workshop-Teilnehmern zu erklären, wie künstliche Intelligenz funktioniert, lassen Martin Thomas und Simon Kast mitunter mal ein elektrisches Modellauto durch den Konferenzraum fahren. Zuerst legen die beiden KI-Experten am Forschungscampus von Bosch in Renningen bei Stuttgart einen mehrere Meter langen, dunkelgrünen Teppich aus, auf dem eine weiße Linie in Form einer 8 gedruckt ist. Dann platziert Kast das Auto auf der Linie. „Wir hätten gerne, dass das Auto dieser Spur hier folgen kann“, sagt der KI-Experte der Bosch-Forschung.

Dann beginnt der Versuch: Ein Workshop-Teilnehmer steuert das Modellauto mit einer Fernsteuerung entlang der weißen Linie, während das kleine Auto mit einer Bordkamera die Spur vor sich fotografiert. Die Fotos dienen dann zusammen mit Daten über den Winkel des Lenkers als Trainingsmaterial für ein neuronales Netzwerk: Das Auto lernt, ob es links oder rechts lenken muss, um möglichst auf der weißen Spur zu bleiben. „Ein KI-Modell kann genau das, was es in den Daten gesehen hat“, sagt Bosch-Trainingsmanager Thomas. Die nächste Runde fährt der Modellwagen dann schon ganz akkurat von selbst – gesteuert von der KI.

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Mit Workshops wie diesem hat Bosch schon tausenden Mitarbeitern ein Grundlagenwissen rund um künstliche Intelligenz vermittelt. Und solche Kurse dürften für Unternehmen immer wichtiger werden. Denn KI, da sind sich die meisten Experten einig, wird Wirtschaft und Gesellschaft in den nächsten Jahren prägen und verändern wie kaum eine andere Technologie. Das sehen sogar die meisten Deutschen so, wie eine Umfrage ergeben hat, die der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegt: 70 Prozent der Deutschen denken, dass KI unsere Zukunft prägen wird, so das Ergebnis der repräsentativen Befragung des Meinungsforschungsinstituts YouGov unter mehr als 2000 Bürgerinnen und Bürgern im Auftrag des Software- und KI-Unternehmens OneData aus Passau.

Aber: Nur gut jeder Dritte, 36 Prozent der Befragten, möchte sich bezüglich KI auch weiterbilden, ergibt die Umfrage. Aus der jüngeren Generation Z (Jahrgänge 1995 bis 2010) möchte immerhin jede zweite Person ihr KI-Wissen vertiefen. Aber ausgerechnet von dem Drittel der Umfrageteilnehmer, die ihre KI-Kompetenz als eher schlecht einschätzen, möchten sich nur 16 Prozent fortbilden. Es bestehe die Gefahr, dass sich „das Wissen und die Kompetenzen im KI-Bereich in einer kleinen Gruppe konzentrieren“, sagt Andreas Böhm, Gründer und Geschäftsführer von One Data. „Es kommt eine Flut an neuen Technologien auf uns zu, in der es auch Aufgabe der Arbeitgeber ist, Orientierungshilfe zu geben und KI-Kompetenzen zu stärken.“

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Bei Bosch etwa haben neben den Workshop-Teilnehmern mehr als 28.000 Mitarbeiter webbasierte Trainings genutzt, um sich über die Grundlagen von KI-Technologien schlau zu machen. Auf einer Lernplattform können sich Mitarbeiter etwa informieren, wie neuronale Netze funktionieren. „Wir wollen ein möglichst niedrigschwelliges Angebot schaffen und den Spaß am Lernen fördern“, sagt Trainingsmanager Thomas. 

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Doch Mitarbeiter können sich auch bewerben, um tief in KI-Projekte einzusteigen. „Wir wollen Spezialisten im Haus haben, die das Thema wirklich durchdringen“, sagt der Bosch-Manager Thomas. 18 Monate lang dürfen die Teilnehmer des Expertenprogramms 30 Prozent ihrer Arbeitszeit für das KI-Training nutzen. „Die Kollegen kommen mit einem echten Problem aus ihrem Arbeitsbereich“, sagt Thomas, „und entwickeln dafür datengetriebene Lösungen.“ Weil dadurch KI-Software mit einem konkreten Nutzen entstehe, hätten die mehr als 100 Projekte dieser Art den Aufwand für die Schulungskosten um ein Vielfaches wieder eingespielt.

Was aber sollten Mitarbeiter über KI generell wissen? „Mitarbeiter sollten ein grundlegendes Verständnis dafür haben, was KI ist und wie sie funktioniert“, sagt Philipp Hartmann, Director of AI Strategy bei der appliedAI Initiative in München. Das umfasse Konzepte wie maschinelles Lernen und Natural Language Processing. „Zudem sollte ihnen bewusst sein, wie KI in verschiedenen Branchen und Funktionen eingesetzt wird, um mögliche Anwendungsfelder und Chancen zu erkennen.“ Wichtig seien auch Kenntnisse der ethischen Fragen im Zusammenhang mit KI, wie Bias und Fairness, und der gesetzlichen Vorschriften und Regulierungen im Umgang mit KI-Technologien. 

Zusammen mit dem Chiphersteller Infineon führt AppliedAI das „AI Heroes Programm” durch, mit dem Ziel, ein „starkes Netzwerk von KI-Enthusiasten“ aufzubauen. Das Fortbildungsprogramm folgt dem sogenannten Blended-Learning-Ansatz. „Dabei wird asynchrones und computervermitteltes Selbststudium mit synchronen Präsenzveranstaltungen kombiniert“, sagt Hartmann. „Dadurch haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, sich auf die Live-Sitzungen vorzubereiten“. Das steigere Erfolg und Engagement der Lernenden.  

Konkret erhielten die Teilnehmer im Vorfeld Lesematerial und einige Leitfragen, die sie in einem Online-Forum beantworten sollten. In den Präsenzsitzungen wurden diese Antworten diskutiert und in einen Kontext gestellt. Die Schulungsunterlagen entwickeln Experten von appliedAI, die eigentlichen Live-Sitzungen wurden von KI-Ingenieuren und KI-Strateginnen abgehalten. 

Plötzlich Prompt-Ingenieur

Welche konkreten Fähigkeiten Mitarbeiter in einer von KI geprägten Zukunft benötigen, sei schwer vorherzusehen, sagt Hartmann. „In den letzten zwölf Monaten sind Skills wie 'Prompt Engineering' relevant geworden – wie schreibe ich die richtigen Anweisungen für große Sprachmodelle –, die vor wenigen Jahren noch gar nicht absehbar waren.“

Regelmäßige Weiterbildung wird also immer wichtiger. „Wir erklären unseren Mitarbeitenden, welche KI-Tools für uns relevant und vertrauenswürdig sind und wie sie beispielsweise durch Kontextualisierung und die richtigen Prompts KI-Tools so nutzen, dass optimale Ergebnisse entstehen“, sagt OneData-Geschäftsführer Böhm. 

Die aktuelle Umfrage im Auftrag von OneData zeigt auch ein Bild davon, wie sich die Deutschen selbst in ihrer KI-Kompetenz einschätzen: Auf einer Skala von 1 bis 10 schätzen die Deutschen ihr KI-Wissen bei 5,5 ein. Besonders hohe Werte gaben Männer der Generationen Y und Z an, besonders niedrige Werte Frauen aus den Baby-Boomer-Jahrgängen (zwischen 1955 bis 1969 Geborene).

Allerdings gibt es offenbar noch Weiterbildungsbedarf darüber, welche Rolle KI bereits im Alltag spielt: Nur 38 Prozent der Befragten geben an, dass sie mindestens einmal pro Woche oder öfter mit KI in Berührung kommen. Gleichzeitig geben 57 Prozent an, im Alltag Social-Media-Apps zu nutzen, 49 Prozent nutzen Musikstreaming, 36 Prozent verwenden im Alltag Sprachassistenten wie Siri oder Alexa. Alles Produkte, in denen künstliche Intelligenz inzwischen eine zentrale Rolle spielt. 

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