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Leo Kirchs Imperium Filmriss bei Constantin Medien

Dem Medienkonzern von Leo Kirch fehlen die Kinoschlager. Kirchs langjähriger Erzrivale Herbert Kloiber konnte mit seiner Filmfirma Concorde Constantin Film den Titel als wichtigster deutscher Verleiher abnehmen. Künftig sollen 3D-Filme für neuen Schwung sorgen, doch die Konkurrenz ist stark.

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Medienunternehmer Leo Kirch ist das Lachen vergangen. Experten erwarten, dass sein Konzern Verluste von bis zu 14 Millionen Euro machen wird. Quelle: ap

DÜSSELDORF. Nein, die Constantin Medien AG macht dem Medienunternehmer Leo Kirch zur Zeit wirklich keinen Spaß. Die Aktie des Ismaninger Konzerns ist seit vielen Monaten auf Talfahrt. Seit Jahresbeginn ging der Kurs um 23 Prozent in die Knie. Das ist für den 84-jährigen Großaktionär bitter. Denn eigentlich sollte Constantin der glänzende Stern am Kirch?schen Medienfirmament werden. Doch die Geschäfte im ersten Halbjahr liefen nicht gut. Aus dem ursprünglich geplanten Comeback von Kirch wird vorerst nichts. Der Umsatz der Constantin Medien lag mit knapp 202 Millionen Euro über elf Prozent im Minus. Vor allem die Filmsparte mit der Constantin Film und das Sportsegment mit dem Spartenkanal Sport 1 und dem TV-Dienstleister Plaza Media mussten Einbrüche verkraften. Für das Gesamtjahr wird ein Konzernverlust zwischen zwölf und 14 Millionen Euro erwartet. Vorstandschef Bernhard Burgener beruhigt: "Wir sind mit den Zahlen im Plan."

2002 hatte Kirch mit seiner Kirch-Gruppe eine der größten Konzernpleiten der Nachkriegsgeschichte hingelegt. Seitdem versucht der Spengler-Sohn aus Franken ein Comeback. Bislang vergeblich. Zuletzt wollte er die Fernsehrechte der Fußball-Bundesliga vermarkten. Doch das Bonner Kartellamt machte dem Medien-Tycoon einen Strich durch die Rechnung. Nun soll der Wiederaufstieg über die Constantin Medien gelingen.

Kirch hält über seine Beteiligungsgesellschaft KF 15 derzeit 18,7 Prozent der Aktien. Bis Ende März nächsten Jahres hat er außerdem eine Option auf weitere acht Prozent. Seine Partner, der frühere Metro-Manager Erwin Conradi, und Kirchs Stellvertreter Dieter Hahn halten 6,7 und drei Prozent. Constantin-Chef Bernhard Burgener, ebenfalls ein enger Vertrauter Kirchs, besitzt jetzt sechs Prozent. Er kaufte im Juli nochmals für 1,1 Mio. Euro Constantin-Aktien nach. "Ich glaube an das Unternehmen. Die Aktie wird wieder kommen", sagte Burgener dem Handelsblatt. Der Druck auf die Konzernführung ist groß. "Die Aktie stand so tief, dass ich dachte, die Upside-Chancen sind unendlich viel größer als das Risiko, dass der Kurs weiter fällt. Bisher war das eine kleine Fehlspekulation", sagte Conradi der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Im Kinogeschäft erlitt die Constantin zuletzt einen Filmriss. Die Hollywood-Studios setzten der Münchener Firma mit dreidimensionalen Filmen schwer zu. Rupert Murdochs Filmstudio Fox produzierte mit dem 3D-Streifen "Avatar" den erfolgreichsten Kinofilm aller Zeiten. Da konnte die deutsche Konkurrenz, allen voran Constantin, nicht mithalten. Der Anteil der deutschen Filme sank nach Branchenangaben im ersten Halbjahr um ein Viertel. Bei Constantin gingen die Erlöse der Filmsparte um knapp 18 Prozent auf 90 Millionen Euro zurück. Die Filmfirma erzielte im ersten Halbjahr nach Angaben der Filmförderanstalt nur noch einen Marktanteil von 6,7 Prozent und landete damit auf Platz sieben. Sie wurde von Herbert Kloibers Filmfirma Concorde ("Briefe an Julia") als wichtigster deutscher Verleiher mit 7,3 Prozent Marktanteil nun verdrängt. Kloiber gilt als langjähriger Erzrivale von Leo Kirch.

Constantin setzt auf 3D-Filme, um aus der Defensive zu kommen. "Wir glauben an 3D. Diese Technik ist ein Quantensprung", sagt Burgener. Bereits im Oktober kommt die 3D-Verfilmung des berühmten Erich Kästner-Buches "Die Konferenz der Tiere" in die Kinos. Außerdem starten im Herbst die Dreharbeiten für den berühmten Mantel-und-Degen-Streifen "Die drei Musketiere" mit Oscar-Preisträger Christoph Waltz. Die Weltpremiere der Literaturverfilmung ist allerdings erst fürs kommende Jahr geplant.

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