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Medienkonzerne Das Ende der Gratiskultur im Internet ist gekommen

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Auch in Deutschland geht die Umsonstkultur zu Ende. Springer hat bereits 280 000 Apps von "Bild" und "Welt" verkauft. Angesichts der Tatsache, dass es hierzulande nur knapp zwei Millionen iPhones gibt, eine beachtliche Zahl. "Bild" ist mittlerweile die meistverkaufte Nachrichten-App des Landes.

Springer macht ein Viertel des Konzernumsatzes mittlerweile im Netz - und will sich weiter steigern. Döpfner ermuntert die anderen deutschen Verleger - und ihre Journalisten -, das Urheberrecht auch gegen Google und andere Suchmaschinen durchzusetzen. Der Springer-Chef spricht von "Piraten-Geschäftsmodellen".

Auch die Werbewirtschaft unterstützt die Zeitenwende im Nachrichtengeschäft. In den USA werden Leser der gedruckten und der Online-Zeitung bei der Reichweiten-Erfassung, die relevant für die Anzeigenkunden ist, neuerdings zusammen gezählt. In den Jahren 2006 bis 2008 verbrachten die Amerikaner im Schnitt 67 Minuten pro Tag mit Nachrichten. In diesem Jahr sind es bereits 70 Minuten, hat das renommierte US-Medieninstituts Pew Research Center herausgefunden. Zwar ist die Zahl der Zeitungsleser weiter gesunken, die Zahl der Online-Nachrichtenkonsumenten jedoch stark gestiegen.

Auch in Deutschland wird darüber diskutiert bei der Reichweitenerfassung durch unabhängige Institutionen wie der IVW nicht nur die verkaufte Auflage zu berücksichtigen. Springer-Chef Mathias Döpfner unterstützt diese Entwicklung: "Uns interessiert nicht mehr die einzelne Zeitungsauflage oder die Reichweite einer Website. Uns interessiert die multimediale Reichweite einer Marke und ihrer Inhalte auf allen Plattformen. So muss man Journalismus heute betrachten", sagt Döpfner.

Großer Erfolgsdruck

 Wie stark sich die Reichweiten im Nachrichtengeschäft verschieben, zeigt auch das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Im dritten Quartal 2010 ging die verkaufte Auflage im Vergleich zum dritten Quartal 2008 um 4,1 Prozent auf eine Millionen Exemplare zurück. Die Reichweite im Internet dagegen explodierte im gleichen Zeitraum. Die Seitenaufrufe bei Spiegel-Online versechsfachten sich. Unter dem Strich ist die Marke Spiegel für ihre Leser heute so attraktiv wie nie zuvor.

Auf ähnliche Größenverhältnisse kommen nahezu alle Medienmarken. Die Bild-Zeitung verlor am Kiosk zwar 1,5 Millionen Käufer in zehn Jahren, gewann aber mit seinen Print-Ablegern wie Computer-Bild und im Internet (Bild.de) deutlich mehr Leser dazu.

Derzeit explodieren vor allem die Angebote der Konzerne für das mobile Internet. Mittlerweile bietet Apple mehr als 300 000 Apps an, die meisten kostenpflichtig. Seit kurzem hat der Android-Markt des Internetkonzerns Google die Grenze von 100 000 Apps übersprungen. Während Apple bereits mit iTunes eine beliebtes Abrechnungssystem besitzt, wird Google im Android Market in Kürze seine Apps über den bekannten Bezahldienst Paypal verkaufen. Bequeme Abrechnungsmethoden gelten in der Telekom - und Medienbranche als Voraussetzungen dafür, dass sich Bezahlangebote für Handys und internetfähige Kleincomputer durchsetzen.

Die Verlage stehen unter großem Erfolgsdruck. Denn um hochwertige journalistische Inhalte zu finanzieren, können sie nicht länger ihren Inhalt verschenken. Nicht nur Springer, sondern auch Europas größten Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr ("Stern", "Geo") setzt auf Bezahlinhalte. So sind alle bislang in den Markt gebrachten Apps für den Minicomputer iPad kostenpflichtig. Auch die weitaus überwiegende Mehrheit der Apps für das Apple-Handy iPhone kosten Geld.

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