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Medienkonzerne Das Ende der Gratiskultur im Internet ist gekommen

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Immer mehr deutsche Zeitungsverlage setzen jetzt auf Bezahlinhalte. Seit diesem Wochenende bietet etwa die WAZ-Gruppe zwei Bezahl-Apps an. Für Fußballfans im Ruhrgebiet gibt es die App "WAZ Dauerkarte" für 2,99 Euro. Außerdem bietet das Familienunternehmen die "WAZ Stau-Info" für 0,79 Euro an. Sie informiert über die Verkehrslage. Die WAZ war bislang zögerlich, wenn es um Bezahlinhalte im Netz ging. Das soll sich nun ändern. "Mit den ersten WAZ-Apps werden wir viele neue Erfahrungen sammeln und von den Nutzern wertvolle Rückmeldungen erhalten, die wir auch in die Konzeption der kommenden WAZ-Nachrichten-App einfließen lassen werden", sagt WAZ New Media-Chef Erik Peper.

Auch die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) bietet seit dem Wochenende eine App an, die nach 30 Tagen Probezeit automatisch kostenpflichtig wird. Die FAZ verlangt dann 2,99 Euro monatlich. Die Verlagsgruppe Handelsblatt vertreibt seit einige Wochen eine digitale Version des "Handelsblatt" auf dem iPad, das sogenannte E-Paper. Im Januar werden weitere digitale Bezahlangebote folgen, darunter "Handelsblatt Exklusiv", ein Newsservice der das Neueste aus der Welt der Wirtschaft berichtet. Firmen, Branchen und Aktien lassen sich nach dem persönlichen Interesse des Lesers konfigurieren.

Lieblingssendungen nicht verpassen

Mit ihrer Paid-Content-Strategie befinden sich die Verlage in bester Gesellschaft. Auch die privaten Fernsehkonzerne wollen ihre Inhalte nicht mehr verschenken. RTL, die Fernsehtochter des Medienkonzerns Bertelsmann, ist der Vorreiter. Seit vergangener Woche können iPhone-Besitzer gegen ein monatliches Nutzungsgeld das gesamte RTL-Fernsehprogramm sehen. "Mit Hilfe der Zusatzfunktionen und exklusiven Features der RTL App sind unsere User jederzeit informiert und können sicher sein, ihre Lieblingssendung nicht zu verpassen", sagt RTL-Internetmanager Robert Fahle. Ähnlich wie bei der FAZ ist die RTL App vier Wochen lang gratis. Danach kostet sie 1,59 Euro pro Monat.

Viele Jahre haben Suchmaschinen wie Google und Yahoo, Social Communities wie Facebook oder unzählige Blogs viel Geld mit den Inhalten von Zeitungen, Zeitschriften, Radio- und Fernsehsendern verdient. Das soll bald vorbei sein. "Wir erlauben niemanden, dass er mit unseren Inhalten über Werbung Geld verdient", sagte ein Sprecher der RTL Group. Europas größter TV-Konzern fährt einen harten Kurs, wenn es um die eigenen Inhalte geht, die von Dritten im Internet oder auf Mobiltelefonen gewerblich genutzt werden.

Berlin unterstützt indirekt das Vorgehen. Im Koalitionsvertrag wurde die Einführung eines Leistungsschutzrechts für Verlage vereinbart. Eine entsprechende Gesetzesvorlage wird derzeit vom Justizministerium bearbeitet. Demnach soll eine Verwertungsgesellschaft, so der Plan, Lizenzverträge mit Unternehmen abschließen, die Online-Inhalte von Zeitungen oder Zeitschriften gewerblich nutzen wollen. Der politische Rückwind für das Leistungsschutzrecht ist groß. Erst vor kurzem hatte der bayerische Landeschef Horst Seehofer (CSU) die Kommunikationsbranche zu einem gemeinsamen Kampf "gegen die Gratismentalität im Netz" aufgefordert. Hinter den Plänen stehen auch Justizministerin Sabine Leutheuser-Schnarrenberger - und Kanzlerin Angela Merkel.

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