Medizin-Apps So funktioniert der Gesundheits-Check per Smartphone

Apps erobern nun auch die Medizin – sogar bei schwersten Leiden wie Krebs oder Aids sollen die digitalen Heiler helfen. Aber können sie den Arztbesuch ersetzen? Eine Orientierungshilfe im App-Dschungel.

Apps erobern die Medizin Quelle: Getty Images, Montage

Gesundheits-Apps sind der neue Hype in der Medizinwelt. Gerade noch luden Fitnessarmbänder, Schrittzähler und Schlafsensoren zur kollektiven digitalen Selbstvermessung. Nun gehen Smartphone- und Softwareentwickler mit Diabetes, Herzbeschwerden oder Aids auch Leiden an, die bei falscher Behandlung potenziell tödlich sind. Die fruchtbaren Tage blendet eine App der Frau von Welt auf ihrem Smartphone ebenfalls ein. Und an der Genanalyse per Handy arbeiten Forscher bereits.

Doch leisten die 100 000 Medizin-Apps, die geschätzt weltweit auf dem Markt sind, was sie versprechen? Stimmen die Messungen etwa des Blutzuckerspiegels oder der Herzfrequenz per Handy? Werten die Digi-Docs die Werte korrekt aus, und geben sie die richtigen Empfehlungen an die Patienten? Oder verfolgen die Programme ganz andere Ziele und werben verdeckt für Produkte etwa von Pharmakonzernen?

Diese Apps können Leben retten
"Notfall-Informations- und Nachrichten-App" vom BBK, kurz NINA Quelle: BBK
Katwarn Katastrophenwarnung per App Quelle: PR KATWARN
Der gelbe Sensor am Helm wurde ursprünglich für Radfahrer entwickelt, soll aber in vielen Sportarten mehr Sicherheit bieten. Quelle: PR ICEdot
Hilfe bei der Ersten Hilfe Quelle: Screenshot
Lawinen-Warnung per App Quelle: Screenshot
Das Smartphone als Lawinenpiepser Quelle: PR FOKUS

Was fehlt, ist Orientierung. Es existieren keine verbindlichen Standards, keine Art TÜV für die digitalen Heiler. Dabei ist es eigentlich ja eine äußerst vernünftige Idee, wenn kranke Menschen Verantwortung für ihre Gesundheit übernehmen und – gemeinsam mit Ärzten – per Handys, Apps und Sensoren die Therapie unterstützen.

Die Nachfrage ist zweifelsohne da: Bis Ende des Jahres werden Smartphone-Nutzer weltweit drei Milliarden Apps aus den virtuellen Verkaufstheken von Apple, Google, Microsoft und Co. heruntergeladen haben, ein Plus um 35 Prozent gegenüber dem Vorjahr, ergibt eine aktuelle Studie des Berliner Marktforschungsunternehmens research2guidance.

Besonders viele dieser Programme richten sich gegen Volksleiden wie Übergewicht und Bluthochdruck, aber auch gegen Massenkrankheiten wie Krebs und Diabetes – alles eben, wo die Anbieter ein besonders hohes Marktpotenzial erwarten. Deren Zahl ist zuletzt auf unübersichtliche 45 000 angewachsen.

Dementsprechend überwältigend ist das Angebot digitaler Helfer. Es gliedert sich in Apps, die vor allem informieren – etwa über Krankheiten und deren Therapien. Sie geben zudem Tipps zur passenden Ernährung und Lebensführung, vermitteln Kontakte zu Selbsthilfegruppen.

Anschauliche Grafiken für Sex und Sport

Aber längst geht die Technik darüber hinaus: Ein großes Feld sind elektronische Tagebücher. Mit ihnen erfassen Menschen fast alles digital: Blutdruck, Gewicht, Blutzuckerspiegel, Körpertemperatur, Mahlzeiten, sportliche Aktivitäten, Sex, Stress oder Schmerzen. Die Rechenprogramme der Apps stellen die Daten anschaulich in Grafiken dar und erkennen Zusammenhänge. So lassen sich Ursachen für Schmerzen herausfinden oder vor einem drohenden Herzinfarkt warnen. Zudem erinnern die digitalen Heiler Patienten daran, Medikamente einzunehmen oder Gymnastikübungen zu machen.

Andere Apps sind per Bluetooth mit Sensoren verbunden, die Blutzucker oder Gewicht messen. Manche senden diese Daten dann zu einem Telemedizinzentrum, das sie checkt. Ebenfalls gängig sind digitale Krankenakten, in der die Menschen ihre Untersuchungsberichte, Röntgenbilder oder Verordnungen hinterlegen. Schwangere sammeln so per Handy-App Ultraschallbilder und Herztonmessungen ihres noch ungeborenen Kindes.

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