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Megaupload geschlossen Das Mega-Imperium von Kim Dotcom

Mit Megaupload wurde eine der erfolgreichsten Internetseiten geschlossen. Als Kopf hinter dem illegalen Unterhaltungsportal wurde Kim Schmitz festgenommen - der Deutsche war eine der schillerndsten Figuren der New Economy.

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Der 37-Jährige war eine der schillerndsten Figuren der New Economy: Vom Hacker wurde er zum Internet-Star. „Kim Tim Jim Vestor“ sagte gern:

Vor wenigen Wochen hatte Kim Schmitz noch gut lachen. Immerhin hatte er so viele Musikstars in einem Video versammelt, wie man es seit dem Afrika-Benefiz-Hit „We are the World“ nicht mehr gesehen hat. Doch sie sangen nicht für einen guten Zweck, sondern bejubelten eine der bei den Fans beliebtesten und von den Musikkonzernen meistgehassten Seiten im Internet. „I love Megaupload”, sangen Hip-Hop-Superstars wie Kanye West, P.Diddy oder Will.i.am von den Black Eyed Peas; “For free”, jubelten Alicia Keys, Chris Brown oder Mary J Blidge.

Begeistert waren auch die Fans und die Zahlen hinter Megaupload entsprechend beeindruckend: Das Musik- und Filmportal Megaupload hatte eine Milliarde Nutzer, die täglich 50 Millionen Besucher erzeugten teilweise vier Prozent des gesamten Datenverkehrs im Internet.

Doch damit ist es erst einmal vorbei. In der Nacht hat die US-Regierung die Webseite Megaupload.com wegen des Verdachts auf massive Urheberrechtsverletzungen gesperrt. Mehrere Verdächtige wurden festgenommen, darunter auch Kim Schmitz.

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    New Economy Star mit vielen Namen

    Der 37-Jährige war eine der schillerndsten Figuren der New Economy: Vom Hacker wurde er zum Internet-Star. Der Drei-Zentner-Mann war für Parties und Protzereien berüchtigt, liebte Auftritte mit eigenem Jet oder B-Promis im Bikini. Doch schnell folgte der Absturz: Wegen Insiderhandels wurde der Partykönig 2002 zu einer Bewährungsstrafe von 20 Monaten verurteilt. Schmitz hatte vorgegeben eine Million Euro in Letsbuyit.com zu investieren und pumpte so den Börsenwert der Rabattseite, die einen ähnlichen Ansatz verfolgte wie heute Groupon, um ein Vielfaches auf. Seine vorher gekauften Aktien stieß der Kieler dann mit 300 Prozent Gewinn ab.

    Vielen galt Schmitz als Hochstapler, er wurde bald auch "Felix Krull der New Economy" genannt. So hatte er behauptet, auf dem Schlossinternat in Plön ein Begabtenabitur mit 17 abgelegt zu haben - der Schuldirektor wusste davon allerdings nichts. Auf seiner Kreditkarte stand "Dr.Schmitz" - eine Uni hat er freilich nie besucht. Und selbst seine Fähigkeiten als Computergenie wurden von vielen Hackern in Zweifel gezogen.

    "Ich habe sämtliche Hacks gemacht", sagte sein Weggefährte Thomas Schuchhardt dem "Spiegel", denn "Kim kann nicht eine Zeile programmieren."

    Der schillernde Schmitz machte dann einem seiner vielen Pseudonyme alle Ehre. „Kim Vestor“ nannte er sich, als Hacker hieß er Kimble. Und wie die berühmte Filmfigur war Kimble nach der Verurteilung auf der Flucht.

    Er setzte sich nach Thailand ab und pendelte dann zwischen Hongkong und Neuseeland. Schon lange hielt sich hartnäckig das Gerücht, dass er der Kopf hinter Megaupload sei. Doch bis zu dem Video gab es dafür kaum Beweise. Der Megaupload-Song war dann ein Coup, wie der größenwahnsinnige Schmitz ihn liebte: Inmitten der versammelten Stars sang auch Kim Dotcom, wie er sich inzwischen nennt.

    Als Universal Music juristisch gegen den Song vorging, da einige bei dem Label unter Vertrag stehende Stars angeblich widerrechtlich in dem Video vorkämen, reagierte Megaupload gar mit einer Gegenklage und legte eine Vereinbarung mit Will.i.am. vor.

    Rolls Royce Phantom, Flinte und Kims Panic Room

    Internetdienst Megaupload gesperrt

    Doch diesmal hat Kim Dotcom offenbar überreizt. Gegen 6:30 Uhr kreiste ein Helikopter über Schmitz´ Villa bei Auckland. Mehr als 70 Beamte der neuseeländischen Polizei waren im Einsatz, um Schmitz auf FBI-Ersuchen festzunehmen.

    In der "Villa Dotcom" wurden nach Angaben der Polizei Wertgegenstände und Geld im Gesamtwert von sechs Millionen neuseeländischen Dollar (etwa 3,7 Millionen Euro) sichergestellt. Ein ganzer Fuhrpark wurde abtronsportiert: Neben einem Rolls Royce Phantom und einem rosa Cadillac gleich ein Dutzend Mercedes-Limousinen. Die Kennzeichen der Fahrzeuge sind bezeichnend: MAFIA, HACKER, STONED oder POLICE stand auf den Nummernschildern. Die Polizei beschlagnahmte auch Waffen, unter anderem eine abgesägte Flinte.

    Bodyguards hätten den Beamten am frühen Morgen zunächst den Zutritt zu dem Anwesen verwehrt, teilte die Polizei mit. Schmitz soll beim Auftauchen der Polizei versucht haben, sich in einen speziell gesicherten Raum im Inneren seines Hauses zu verstecken. Er habe zunächst "eine Reihe elektronischer Schließsysteme betätigt", die Polizisten hätten sich ihren Weg freischneiden müssen.

    Weitere Deutsche verhaftet

    Lange war darüber spekuliert worden, dass Schmitz hinter Megaupload steckt. Vor einigen Wochen tauchte er dann in einem Werbevideo auf. In dem Musikvideo hat Kim Hip-Hop-Superstars wie Kanye West, P.Diddy oder Will.i.am von den Black Eyed Peas um sich versammelt, sie bejubelten Megaupload genauso, wie Alicia Keys, Chris Brown oder Mary J Blidge.

    Neben Schmitz wurden auch der deutsche Marketing-Chef Finn Batato (38), der deutsche Technikchef und Co-Gründer Mathias Ortmann (40) sowie der 29-jährigen Niederländer Bram van der Kolk festgenommen. Drei weitere Verdächtige sind derzeit noch auf freiem Fuß, darunter der 39-Jährige Sven Echternach aus Deutschland.

    Megaupload soll der Unterhaltungsindustrie durch das Weiterverteilen von geschützten Filmen, Musiktiteln und anderen elektronischen Medien einen Schaden von mindestens 500 Millionen Dollar zugefügt haben, heißt es in der Anklageschrift. Den Beschuldigten drohen jeweils fünf bis 20 Jahre Haft.

    Der Anklage zufolge sollen die Betreiber ihnen bekannte Raubkopierer für der Hochladen urheberrechtlich geschützter Inhalte bezahlt haben. Das Unternehmen wies die Vorwürfe als „grotesk überzogen“ zurück. Die große Mehrheit des Datenverkehrs von Megaupload sei legitim. Bei Megaupload.com können Nutzer Dateien, die beispielsweise zu groß für eine E-Mail sind, auf einen Server des Anbieters hochladen, wo sie von anderen Nutzern wieder heruntergeladen werden können. Unklar ist, was mit den Daten gewöhnlicher Megaupload-Nutzer passiert, die dort ihre Dateien gelagert haben.

    Die "Mega Verschwörung"

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      Dagegen ist in der Anklage von einer „Mega Verschwörung“ die Rede, der Text zeigt auch erstmals wie lukrativ das Mega-Imperium wohl war. Insgesamt 175 Millionen Dollar sollen die Einnahmen betragen haben. Ein Teil davon durch Werbung, der Löwenanteil jedoch über kostenpflichtige Zugänge. Denn grundsätzlich war das Angebot zwar kostenlos, doch wer größere Datenmengen in höherer Geschwindigkeit herunterladen wollte, zahlte zwischen einigen Dollar pro Tag bis hin zu 260 Dollar für einen lebenslangen Zugang.

      Das bewegte Leben von Kim Schmitz
      Founder of online file-sharing site Megaupload.com Kim Dotcom, a German national also known as Kim Schmitz and Kim Tim Jim Vestor attends a hearing at the North Shore District Court in Aucklan Quelle: Reuters
      Kim Schmitz (rechts) wurde in Neuseeland festgenommen. Der deutsche Internet-Unternehmer soll der Kopf hinter Megaupload sein, einem der beliebtesten Musik- und Videoportale im Netz. Doch laut Anklage habe Megaupload der Unterhaltungsindustrie durch Raubkopien einen Schaden von 500 Millionen Dollar zugefügt. Quelle: dapd
      Der Zugriff erfolgte in der "Villa Dotcom" im neuseeländischen Coatesville, 300 Kilometer nordwestlich von Auckland. Die Anlage ist mit 25 Millionen Dollar eine der teuersten im Land. Ursprünglich wollte Schmitz die Villa kaufen. Doch Politiker schlugen dazwischen, am Ende musste Kim Dotcom es mieten. Eine Niederlassungs-Erlaubnis erhielt er aber immerhin - dem Vernehmen nach kaufte er zuvor Staatsanleihen für zehn Millionen Dollar und spendete für Opfer des schweren Erdbebens in Christchurch. Er soll zurückgezogen unter dem Schutz von Bodyguards gelebt haben - aber gerne auch mal Riesensummen für ein Silvesterfeuerwerk ausgegeben haben. Quelle: dpa
      Es wurde auch Kims gesamter Fuhrpark beschlagnahmt: Neben einem Rolls Royce Phantom und einem rosa Cadillac gleich ein Dutzend Mercedes-Limousinen. Die Kennzeichen der Fahrzeuge lauteten beispielsweise MAFIA, HACKER, STONED oder POLICE. Quelle: dpa
      Einen Autofaible hatte Schmitz schon immer, so nahm er mehrfach an der legendären Gumball-Rallye teil, bei der Stars ihre Luxusschlitten unter realen Bedingungen testen. Einmal gewann Schmitz das halblegale Rennen sogar. Schon 1999 stellte Schmitz auf der Cebit gemeinsam mit dem Tuning-Spezialisten Brabus den Megacar vor - einen Mercedes Benz S 500 L mit integriertem Videokonferenzsystem und Internet-Computer.  In die Kopfstützen der Limousine waren Bildschirme sowie Kameras eingelassen, ein 17-Zoll-Flachbildschirm für den Internet-Computer war am Wagenhimmel befestigt. Quelle: dpa
      Lange war darüber spekuliert worden, dass Schmitz hinter Megaupload steckt. Vor einigen Wochen tauchte er dann in einem Werbevideo auf. In dem Musikvideo hat Kim Hip-Hop-Superstars wie Kanye West, P.Diddy oder Will.i.am von den Black Eyed Peas um sich versammelt, sie bejubelten Megaupload genauso, wie Alicia Keys, Chris Brown oder Mary J Blidge.
      Der 37-Jährige war eine der schillerndsten Figuren der New Economy: Vom Hacker wurde er zum Internet-Star. „Kim Tim Jim Vestor“ sagte gern: "In zehn Jahren will ich zu den reichsten Männern der Welt gehören".

      Der Streit um Urheberrechte und Raubkopien im Internet erreicht mit der Festnahme einen neuen Höhepunkt. Denn auf den Zugriff folgte ein Schlagabtausch im Internet: Netzaktivisten aus dem Umfeld der Anonymous-Bewegung legten Webseiten der US-Bundeskriminalpolizei FBI, des US-Justizministeriums und der Musikindustrie lahm.

      Gerade erst am Mittwoch gab es eine große Internet-Protestaktion gegen neue US-Gesetzespläne, die unter anderem die Sperrung von Webseiten erlauben sollen. Kritiker dieser Pläne warnen, dass damit eine Zensur-Infrastruktur geschaffen werde, die auch in anderen Fällen zum Einsatz kommen könnte. Aus Protest war unter anderem das englischsprachige Online-Lexikon Wikipedia einen Tag lang nicht erreichbar. Insofern ist der Zeitpunkt Razzia der US-Behörden interessant - denn jetzt schlugen FBI und Justizministerium auch auf Grundlage der heutigen Gesetze erfolgreich zu.

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