WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Michal Kosinski „Das ist nicht der Fehler des Internets“

Seite 2/2

"Wir überschätzen den Einfluss von Big Data Analysen"

Doch so bekommen wir im Netz nur noch Botschaften, die uns in unserer Meinung bestätigen.
Doch es ist nicht die Technologie, die diese Echokammer kreiert. Die Technologie folgt nur unseren Interessen und Vorlieben. Wenn du nur eine bestimmte Art von Nachrichten liest, bekommst du nunmal diese entsprechenden Nachrichten. Wenn du Nachrichten aus dem ganzen Spektrum liest, dann wird dir der Computer auch Nachrichten aus dem ganzen Spektrum vorschlagen. Wir sind immer nur ein Klick vom Reichtum aller Informationen des Internets entfernt.

Darum hat Trump gewonnen

Sollten wir also darauf achten, bewusst unsere Echokammern zu verlassen?
Viele Menschen beschweren sich zwar über den Effekt. Doch anstatt etwas dagegen zu tun, zum Beispiel einfach mal etwas anderes lesen, machen sie einfach so weiter und geben die Schuld dem Computer.

Also ist es ein menschlicher Fehler?
Letztlich ist es nichts Neues. Das ist ein Hauptmerkmal der menschlichen Psyche. Wir lieben es, Informationen zu bekommen, die unsere Ansichten bestätigen und wir mögen nichts, das uns verwirrt. Es ist unbequem und unangenehm. Doch gleichzeitig wussten wir nie zuvor so viel über die Welt da draußen wie heute. Nie zuvor standen uns so viele Informationen zur Verfügung. Das ist eigentlich großartig.

Wie groß ist die Gefahr, dass die gezielte Ansprache im Internet Menschen radikalisiert?
Es gibt Menschen, die im Netz mit vielen Perspektiven und Informationen in Verbindung kommen, und so ein sehr differenziertes Weltbild bekommen. Und andere, die gehen online und radikalisieren sich, doch sie haben schon vorher die Persönlichkeit und Anfälligkeit dafür gehabt. Es ist nicht der Fehler des Internets.

Überschätzen wir den Einfluss von Big Data Analysen?
Ich denke, wir überschätzen das Thema und wir schreiben Unternehmen wie Cambridge Analytica eine zu große Macht zu. Trotzdem finde ich es gut, dass wir nun darüber diskutieren. Denn wir reden auch über die Probleme der Privatsphäre. Und die Debatte zeigt der Öffentlichkeit, dass man Merkmale der Persönlichkeit erfassen kann, ohne dass die jeweilige Person das mitbekommt. In totalitären Systemen kann das zur echten Gefahr werden: Denken Sie nur an Staaten, in denen bestimmte Einstellungen oder Lebensstile verfolgt werden.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%