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Microsoft-Manager Brad Smith „Eine neue Definition von Krieg und Frieden“

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„Ich bin überzeugt, dass die USA vieles von Europa lernen sollten“

Derzeit scheint es in der gesamten Branche eine Art Erwachen zu geben, was die Konsequenzen ihrer Erfindungen angeht. Zugleich investieren IT-Unternehmen Milliarden in die Entwicklung von Technologien wie Drohnen, künstliche Intelligenz und Gesichtserkennung, die auch militärisch genutzt werden. Ist das nicht scheinheilig?
Technologie wird immer ihren Weg ins Militär finden. Alles andere ist unrealistisch. Das wäre ungefähr so, als hätten vor einem Jahrhundert die Menschen gefordert, dass sich Flugzeuge nicht im Militär durchsetzen. Wir müssen aber dafür sorgen, dass neue Technologien nicht unmoralisch, unethisch oder als Gefahr für die Zukunft der Menschheit eingesetzt werden. Deshalb befürworten wir ja die Prinzipien einer digitalen Genfer Konvention. Wir haben nie gesagt, dass wir keine Software mehr ans Militär verkaufen…

… was Microsoft tut.
Ja, wir liefern Software an das Militär. Und zugleich werden wir immer unsere Stimme erheben und uns dafür einsetzen, dass die Regierungen dieser Welt neue Gesetze und internationale Vereinbarung treffen, die den Einsatz von Technologie regulieren.

In den USA haben gerade Wahlen stattgefunden. Ist es der Tech-Branche bei den Midterms besser gelungen, den Einfluss ausländischer Kräfte zu unterbinden?

Bisher sind keine großen Katastrophen aufgefallen. Noch ist es aber zu früh, um ein Urteil zu fällen. Eine der großen Lektionen aus der Präsidentschaftswahlen 2016 ist ja, dass wir fast ein halbes Jahr geraucht haben, um wirklich sagen zu können, was da überhaupt passiert ist.

Wenn jemand Schritt hätte halten können mit dem Fortschritt, dann doch jene, die neue Technologien erfinden und sie weiterentwickeln. Warum hat die Tech-Branche nicht früher erkannt, dass im Netz die öffentliche Meinung manipuliert wurde?
Bei Microsoft haben wir schon im August 2016 solche Web-Seiten entdeckt, sofort darauf reagiert und sie innerhalb einer Woche schließen lassen. So wie wir das bei den Midterms jetzt auch wieder getan haben. Wir haben das damals aber anders als heute nicht publik gemacht. Vielleicht hätten wir darüber reden sollen, um auf das Problem aufmerksam zu machen. 2016 war die Welt auf dieses Phänomen nicht vorbereitet. Es wäre sicher besser gewesen, weitsichtiger in die Zukunft zu blicken.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat am Anfang jegliche Zusammenhänge zwischen seiner Plattform und Manipulationen der öffentlichen Meinung von außen als verrückt abgetan. Haben Sie mit ihm jemals darüber gesprochen?
Ich bin nicht hier, um für oder über Mark Zuckerberg zu reden. Was ich aber sagen kann: Facebook packt diese Probleme an und arbeitet daran, sie in den Griff zu bekommen. Ich finde, dass Mark bei seinen öffentlichen Auftritten sehr viel Introspektive bewiesen hat. Und die Branche insgesamt arbeitet mit mehr Energie als je zuvor daran, solche Herausforderungen in den Griff zu bekommen. Aber wir haben noch viel zu tun.

Was genau?
Wir brauchen mehr Partnerschaften zwischen Unternehmen und Regierungen. Und es ist Zeit, dass neue Gesetze und Regularien erlassen werden.

Was für Gesetze konkret?
Politische Werbung wird in Zeitschriften, im Radio und im Fernsehen reguliert, damit der Absender klar erkennbar ist. Es kann nicht sein, dass im Internet hier andere Standards gelten. Wir sind zudem absolut davon überzeugt, dass es für die Anwendung von Gesichtserkennungstechnologien Gesetze geben muss. Und drittens brauchen wir Datenschutzregeln. Microsoft fordert diese für die USA schon seit 2005 ein und es ermutigt mich, dass sich inzwischen auch andere Tech-Unternehmen uns anschließen.

Könnte die europäische Datenschutzgrundsatzverordnung für die USA ein Vorbild sein?
Ich bin davon überzeugt, dass die USA hier wirklich vieles von Europa lernen sollten. Das heißt nicht, dass wir jede einzelne Regelung daraus übernehmen müssen. Wir kommen aus verschiedenen Rechtskulturen und müssen dem Rechnung tragen. Aber wir brauchen in den USA einen genauso hohen Grad an Datenschutz wie ihn Europa schon hat.

Wird sich die Regierung Trump Ihrem Wunsch anschließen?
Solche Dinge vorauszusagen, ist unmöglich. Jetzt müssen wir erst einmal die Midterm-Wahlen verdauen. In den kommenden zwei Jahren wird es im US-Kongress aber sicher sehr lebhafte Debatten über ein Datenschutzgesetz geben. Und das wäre sogar ein Thema, bei dem parteiübergreifender Konsens möglich ist.

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