Microsoft Welche Chance Spartan im Browser-Krieg hat

Von der einst unangefochtenen Dominanz im Web ist der Internet Explorer inzwischen weit entfernt. Jetzt will Microsoft mit seiner neuen Internet-Software „Project Spartan“ verlorenen Boden gut machen. Kann das gelingen? Und was leistet der Neuling im Vergleich zu Chrome, Firefox, Opera und Safari?

Browserkrieg im World Wide Web Quelle: Marcel Stahn

Diese Geschichte beginnt mit einem schweren Irrtum – und einem der meistverwendeten Zitate von Bill Gates: „Das Internet ist ein Hype“, befand der Microsoft-Gründer im Jahr 1995, und fokussierte seine Mannschaft auf die Gewinnmaschinen Windows und Office. Nur eine gute Handvoll Softwarespezialisten ließ er daneben die Urfassung von Microsofts Online-Software entwickeln, den Internet Explorer. Den Zugang zum Netz, das Mitte der Neunziger tatsächlich noch ein Refugium für Technikverliebte und Netzwerk-Fans war, dominierte Netscapes Navigator.

Zu Gates‘ Ehrenrettung ist zu sagen, dass er seinen Irrtum ebenso schnell wie konsequent revidiert hat: Der Software-Mogul verordnete Microsoft einen strategischen 180-Grad-Schwenk, stockte den Entwicklerpool auf, bündelte den Internet Explorer (wettbewerbsrechtlich fragwürdig) mit seiner Windows-Software.

Mit Erfolg. Im ersten sogenannten „Browser-War“ kehrte Gates die Dominanz beim Netzzugang binnen weniger Jahre komplett um. Der Navigator stürzte beim Marktanteil von fast hundert Prozent in den einstelligen Bereich, der IE schoss bald nach der Jahrtausendwende auf fast 90 Prozent.

Diese Browser werden in Deutschland am häufigsten genutzt

Diese Dominanz konnte erst Mozillas Firefox (2004) und dann Googles Einstieg ins Browser-Geschäft mit Chrome (2008) im zweiten Browser-Krieg wieder brechen. Zugleich sorgte die verschärfte Konkurrenz für einen massiven Innovationsschub. Der reichte von der Bedienung (etwa dem Arbeiten mit mehreren Fenstern), über die Qualität (wie der Einhaltung von Web-Standards), und die Funktionalität (beispielsweise der Synchronisation von Inhalten zwischen mehreren Rechnern) bis hin zur Geschwindigkeit beim Aufruf der Seiten oder der Ausführung der aus dem Netz geladenen Inhalte.

Wer das Portal zum Netz besetzt, macht die besten Geschäfte

Bis heute hat dieser Wettbewerb nichts an Schärfe verloren. Aus gutem Grund, denn längst ist der Browser auf PC, Tablet oder Smartphone weit mehr als das Programm, das Web-Seiten anzeigt. Tatsächlich hat sich die Surf-Software zu so etwas entwickelt wie einem eigenen Sub-Betriebssystem, über das die Anbieter ihre eigenen Programme aus dem Netz abspielen können – unabhängig vom Betriebssystem, das den Rechner oder das Telefon antreibt. Googles Karten-App „Maps“ etwa funktioniert im Chrome-Browser besonders gut, die Online-Version von Microsofts Office-Programmen lief anfangs nur im Internet Explorer leidlich rund.

Die Bedeutung der Web-Software nimmt weiter zu. Sie wird – auch wenn es primär technisch klingt – für die Spieler im Software- und Internetgeschäft in Zukunft ökonomisch überlebenswichtig. Denn für alle gilt: Wer das Portal zum Netz besetzt, der macht auch mit der Software, die künftig immer öfter aus der Cloud geladen oder gleich gänzlich dort genutzt wird, die besten Geschäfte.

Die dümmsten Passwörter der Welt
"Dadada"Nein, die Rede ist hier nicht von dem Neue-Deutsche-Welle-Song von Trio, sondern dem Passwort des Facebook-Gründers Mark Zuckerberg in Netzwerken wie Twitter, LinkedIn und Pinterest - zumindest wenn man den Hackern Glauben schenkt, die im Anfang Juni 2016 mehrere seiner Profile gehackt haben. Beim Foto-Dienst Pinterest gelang es den Hackern mithilfe des Passworts, das sie nach eigener Auskunft in den gestohlenen des Karriere-Netzwerks LinkedIn gefunden haben, den Profiltext für kurze Zeit durch den Text „gehackt vom OurMine Team“ zu ersetzen. Bei Twitter gab es eine verdächtige Aktivität auf Zuckerbergs Account mit dem Namen „@finkd“, in dem er seit Januar 2012 nichts mehr veröffentlicht hatte. Und bei Pinterest wurde das angebliche Passwort sogar öffentlich gemacht: "dadada". Damit wählte der Facebook-Entwickler scheinbar nicht nur ein ziemlich simples Passwort (übrigens nicht besser als "12345" oder "password"), sondern benutzte das Passwort gleich für mehrere Profile - ebenfalls absolute No-Gos, die aber immer wieder vorkommen, wie die folgenden Beispiele zeigen. Quelle: Screenshot
Simple Zahlen- oder BuchstabenfolgenSicherheitsforscher des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) haben 2015 fast 35 Millionen geraubte Identitätsdaten aufgespürt. Wie die Potsdamer Sicherheitsforscher anhand der gesammelten Daten analysierten, stehen bei den Internetnutzern in aller Welt immer noch Zahlenreihen oder Zeichenfolgen auf der Tastatur (z.B. qwerty auf der amerikanischen Tastatur) an der Spitze der Beliebtheitsskala bei Passwörtern. Gern werden auch Vornamen oder andere simple Begriffe verwendet, etwa das Wort "password". "Unangefochten weltweit auf Platz 1 liegt leider nach wie vor die Zahlenreihe 123456, obwohl automatische Cracker solche simplen Passwörter als erstes und blitzschnell ermitteln", sagte HPI-Direktor Christoph Meinel. Dass Passwörter dieser Art überhaupt nicht sicher sind, ändert nichts an ihrer Beliebtheit: Schon 2014 wurden mehr als 3,3 Millionen Passwörter geknackt, auf dem ersten Platz landet auch da schon "123456". Auch wenn die Länge variiert wird, hilft das nicht: Auf dem dritten und vierten Platz finden sich "12345" und "12345678". "123456789" landet auf Rang sechs, gefolgt von "1234" auf Platz sieben. Auf Rang elf liegt "1234567". Nachfolgend ein Überblick der meistgeknackten Passwörter 2014: Quelle: dpa
Passwort: "Password"Wer sich für ganz schlau hält und einfach "password" als Zugangscode verwendet sei hiermit gewarnt: Die vermeintlich simple und sichere Lösung liegt auf Rang zwei der meistgeknackten Passwörter. Quelle: dpa
FantasiewörterSie denken sich, kein Mensch weiß was "qwerty" ist? Falsch gedacht. Die Buchstabenfolge, die auf einer amerikanischen Tastatur nebeneinander liegt, landet auf Platz fünf. Auf deutschen Tastaturen wäre es übrigens "qwertz". Quelle: REUTERS
Das sportliche PasswortSport-Fans müssen sich etwas besseres einfallen lassen, als nur den Namen ihrer Lieblingssportart: Auf Platz acht der meistgeknackten Passwörter landet "baseball". Quelle: AP
Mystische GestaltenAuch Drachen-Fans gibt es einfach zu viele. Das Passwort "dragon" ist jedenfalls alles andere als originell. Es findet sich auf Rang neun. Quelle: REUTERS
Sport, die zweiteAnhänger des Football sind auch nicht besser dran als Baseball-Freunde: Das Passwort "football" findet sich auf Rang zehn der gehackten Zugangsdaten. Quelle: AP
Schlaue Tiere - doofes PasswortAffen sind sehr klug, seiner Liebe zu den Tierchen sollte man aber nicht in Form eines Zugangscodes Ausdruck verleihen. "monkey" ist das zwölft-meistgehackte Passwort 2014. Quelle: REUTERS
Klopf, klopf"Lass mich rein" als Zugangscode - klingt logisch. Leider zu logisch. Auf Platz 13 liegt "letmein" (von: let me in). Quelle: REUTERS
Buchstaben und Zahlen kombinierenFür die Anforderungen an ein sicheres Passwort wird oft genannt, Buchstaben und Zahlen zu kombinieren. Ein einfaches "abc123" tut es aber nicht: Platz 14 der meistgeknackten Passwörter. Quelle: dpa
ZahlenUnd noch eine beliebte Zahlenfolge, die Sie besser nicht verwenden sollten: "111111" liegt auf Platz 15. "696969" oder "123123" sind übrigens auch nicht besser: sie liegen auf den Plätzen 22 und 23. Quelle: dpa
Sportwagen-TraumEs ist der amerikanische Sportwagen schlechthin. Kein Wunder also, dass der "mustang" gern als Passwort Verwendung findet. Das macht Platz 16 im Ranking. Quelle: obs
Darf ich rein?Auf "Lass mich rein" folgt auch noch der "Zugang" als Zugangscode. Platz 17 für "access". Quelle: dpa
Geheimnisvolle SchattenBei diesem Passwort muss man nicht fürchten, dass einem jemand über die Schulter schaut - die Hacker schaffen es auch so. "shadow" liegt auf dem 18. Platz der geknackten Zugangsdaten. Quelle: REUTERS
Der MeisterEin sogenanntes Master-Passwort soll gespeicherte Passwörter schützen. Der Gedanke, dass das Passwort "master" die eigenen Daten besonders gut schützt, ist hingegen ein fataler Fehler. Es nimmt Platz 19 der geknackten Passwörter ein. Quelle: dpa Picture-Alliance
Der König der Passwörter?"michael" ist ebenfalls alles andere als sicher: er liegt auf Rang 20. Quelle: Reuters
Da helfen auch keine Superkräfte...Ein starker Typ, aber kein starkes Passwort: Seine Daten sollte man besser nicht mithilfe von "superman" schützen. Platz 21. Quelle: AP
... "batman" ist da übrigens auch nicht besser. Platz 24 für den dunklen Ritter. Quelle: dapd
"Vertraue niemandem!"Dieser Gedanke ist zwar grundsätzlich nicht verkehrt in Sachen Datenschutz. Das Passwort "trustno1" ist dafür dennoch denkbar ungeeignet. Es liegt auf Platz 25 der meistgeleakten Passwörter 2014. Quelle: dpa Picture-Alliance

Kein Wunder also, dass Microsoft seiner Zugangs-Software zum Netz aktuell ganz besondere Aufmerksamkeit angedeihen lässt. Und zwar in Form einer Radikalkur. Denn wenn voraussichtlich noch im Laufe des Sommers die neue Betriebssystem-Version Windows 10 auf den Markt kommt, hat der inzwischen in Version 11 vorliegende Internet Explorer ausgedient.

Jedenfalls in weiten Teilen, denn auch wenn Microsoft seinen Online-Oldie zunächst noch weiter pflegen wird; vor allem, um Unternehmenskunden den Weiterbetrieb von an die IE-Welt angepassten internen Web-Diensten zu ermöglichen: Den Weg in die Zukunft weist ein komplett neu entwickelter Browser, der bisher nur unter seinem Projektnamen „Spartan“ bekannt ist.

Bisher ist er nur in einer Vorabversion für Nutzer verfügbar, die sich bei Microsofts Insider Testportal anmelden. Aber schon jetzt ist klar, dass der Spartaner aus Redmond den Kampf um die Dominanz im Netz erneut entfachen wird. Denn die Software bietet jede Menge Neuerungen, die dafür sorgen sollen, dass der Browser nicht nur mit der zwischenzeitlich enteilten Konkurrenz wieder gleichzieht, sondern sie womöglich ziemlich schnell ziemlich alt aussehen lässt.

Was also bieten „Spartan“ und seine etablierten Konkurrenten, wo liegen die jeweiligen Stärken und Schwächen?

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