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Mobile Payment Viele Anbieter, keine Lösungen

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„Mobile Payment löst ein Problem, das es nicht gibt“

Die DKB wiederum hat mit ihrer Kooperation am Start-up „Cringle“ eine eigene Mobile-Payment-App im Programm. Diese erlaubt Überweisungen bis zu 250 Euro ohne die Eingabe einer TAN. Allerdings muss der Empfänger des Geldes denselben Prozess durchlaufen, wie bei Paydirekt, wenn er das Geld erhalten will. Im ganzen Anbieterwust tummelt sich mit 120.000 Nutzern auch das Start-up Lendstar, nicht zu vergessen sind noch Moneybeam des Fintechs N26, Cashlink und Tabbt.

Die zahlreichen Insellösungen sind ein Grund für das Scheitern von Mobile Payment in Deutschland. Und während die Anbieter in Deutschland um die Gunst der Kunden buhlen, könnte im fernen Indien derweil eine Mobile-Payment-Revolution ausbrechen, die bis nach Deutschland schwappen könnte. Dort bietet Whatsapp seit Februar ausgewählten Testpersonen die Funktion an, den Messenger-Dienst mit dem eigenen Bankkonto zu verbinden. Sollte die Testphase erfolgreich verlaufen, könnte diese Funktion auch für alle anderen Whatsapp-User freigeschaltet werden. Der Vorteil von Whatsapp ist, dass fast alle Smartphone-Besitzer die App benutzen. Kompatibilitätsprobleme gäbe es nicht mehr.

Laut Mobile-Payment-Experte Maik Klotz müssten die Anbieter von Bezahl-Apps lernen, dass Mobile Payment nicht als Produkt wahrgenommen wird. „Eigentlich löst Mobile Payment ein Problem, das es nicht gibt“, sagt Klotz. Nur wenn das mobile Bezahlen von den Kunden als erweiterte Funktion verstanden wird, gebe es Chancen, dass es Erfolg hat.

Whatsapp erfüllt diese Rahmenbedingungen. Denn in erster Linie wird die App als Messenger-Dienst wahrgenommen. Auch die Mobile-Payment-App „Payback Pay“ des Bonuspunkteanbieters Payback bietet hier nach Ansicht des Experten eine Payment-Alternative, die auch in Deutschland funktionieren könnte. Viele Unternehmen kooperieren mit Payback und das Besondere sei, dass es nicht in erster Linie um die Bezahlung gehe. „Vordergründig sammeln Kunden damit Payback Punkte. Das mobile Bezahlen ist eine weitere Funktion.“

Das Bezahlen wird „unsichtbarer“

Dennoch glaubt Klotz nicht daran, dass sich Mobile-Payment-Apps in Deutschland durchsetzen werden. „Für jede Bezahlung, welcher Art auch immer, benötigt es im wesentlichen zwei Parteien: Die Nutzer und die Händler beziehungsweise Akzeptanzsstellen. Alle müssen miteinander zusammenarbeiten.“ In Deutschland ist das selten der Fall.

Klotz geht daher davon aus, dass Mobile Payment entwicklungstechnisch übersprungen werden könnte und sich in Zukunft stattdessen andere Payment-Lösungen durchsetzen werden. „Denkbar ist, dass Payment immer unsichtbarer wird, wie es beispielsweise Amazon in seinen Demo-Stores Amazon Go vormacht“, sagt Klotz. Mit der Amazon-Go-App verschafft sich der Kunde Zugang zum Supermarkt. Dort braucht er dann nur noch die Ware in die Einkaufstüte zu legen. Kameras erfassen die Ware. Am Ausgang hält der Kunde sein Smartphone kurz an die Schranke und kann den Laden verlassen. Die Rechnungsbetrag wird automatisch durch das angebundene Bankkonto beglichen oder kommt per Mail zum Kunden. „In Zukunft könnten wir aber auch biometrisch bezahlen, zum Beispiel mit dem Fingerabdruck“ ergänzt der Experte.

Allerdings müssen es nicht immer die futuristischen Lösungen sein. Denn während sich Mobile-Payment mit dem Smartphone in Deutschland nicht durchsetzen kann, bieten immer mehr Banken kontaktlose Kredit- und Girokarten an. Kurz ans Kartenlesegerät gehalten, wird der zu zahlende Betrag abgebucht. Eine PIN oder eine TAN muss nicht angegeben werden – und auch das Smartphone kann in der Hosentasche bleiben.

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