Mobile Payment Viele Anbieter, keine Lösungen

Payback PayIn erster Linie sammeln Kunden mit Payback Punkte. Mit der App können sie ihre Ware auch bezahlen. Wenn Kunden das mobile Bezahlen als erweiterte Funktion wahrnehmen, hätte es bessere Chancen sich zu etablieren, glaubt Payment-Experte Maik Klotz. Quelle: payback.de

Die Deutschen lieben Bargeld. Bezahlalternativen haben es da schwer. Dennoch setzen Banken und Start-ups auf das mobile Bezahlen mit dem Smartphone. Die beliebtesten Apps und warum sie in Deutschland scheitern.

An Deutschlands Supermärkten herrscht an den Kassen eine einmalige Geräuschkulisse: Es klimpert und zischt. In China, Indien aber auch in Schweden und Dänemark hören Kunden völlig andere Geräusche. Ein ziehen und piepen. Der Grund: Hierzulande stochern die Kunden in ihren Portmonees nach Münzen und Geldscheinen, die Kassierer sortieren sie in ausgefahrene Kassenfächer und schieben sie danach zurück.

In Asien und den beiden skandinavischen Ländern hingegen zücken viele Kunden ihr Smartphone aus der Hosentasche hervor und bezahlen, indem sie es an ein Lesegerät halten oder den Betrag in Echtzeit überweisen. Möglich machen das sogenannte Mobile-Payment-Apps. Nutzer dieser Apps verbinden ihr Bankkonto oder ihre Kreditkarte mit dem Smartphone. Mittels QR-Code, Zahlencode oder Internetlink können dann Überweisungen getätigt werden.

Das mobile Bezahlen wird immer wichtiger. In Asien verbreitet es sich rasend schnell, da viele ein Smartphone besitzen aber keinen PC. Außerdem halten sich die Sicherheitsbedenken der Nutzer in Grenzen. Laut dem Marktforschungsinstitut Gartner haben 2017 über 141 Millionen Menschen im asiatischen Raum Mobile-Payment-Anwendungen genutzt – so viele wie nirgendwo sonst auf der Welt. In Europa waren es gerade einmal knapp 63 Millionen. Und die Deutschen im speziellen pflegen ein inniges Verhältnis zum Bargeld. Nach Angaben der Bundesbank werden hierzulande über 70 Prozent der Transaktionen bar abgewickelt. Doch das könnte sich künftig ändern. Dazu später mehr.

Die populärsten deutschen Bezahl-Apps
PaydirektPaydirekt wurde mit viel Getöse präsentiert. Deutsche Banken und Sparkassen haben Paydirekt aus dem Boden gestampft, um dem übermächtigen Konkurrenten Paypal etwas entgegen zu halten. Seit 2017 gibt es die Mobile-Payment-App, die P2P-Überweisungen ermöglicht. Bis zu 250 Euro können die Nutzer der App in Echtzeit überweisen. Doch die Zusammenarbeit zwischen den Banken schien nicht so harmonisch zu laufen, wie es dargestellt wurde. Denn die Sparkassen entzogen sich dem Projekt. Mit „Kwitt“ haben sie eine eigene Mobile-Payment-App im Portfolio, die sie vermarkten wollen. Quelle: www.paydirekt.de
KwittDie Sparkassen-App ist für Mikrobeträge gedacht. Nutzer der App können Beträge bis zu 30 Euro ohne Angabe der TAN überweisen, auch an Personen aus der Kontaktliste, die Kwitt nicht nutzen. Allerdings wird es danach etwas kompliziert. Denn der Empfänger erhält eine App, in der aufgefordert wird, einen Link anzuklicken und auf der aufgerufenen Website seinen Namen und die IBAN anzugeben. Diese Daten werden an den Versender des Geldes geschickt, der die Überweisung freigeben kann. Eine Rücküberweisung ist nicht möglich.
CringleDas DKB-Angebot Cringle ermöglicht Überweisungen bis zu 250 Euro im Monat. Der Transaktionsablauf ist identisch mit dem der Sparkassen-App Kwitt. Fast vier Millionen Euro wurden bereits über die P2P-App überwiesen. Quelle: www.dkb.de
Lendstar120.000 zählt die App Lendstar. Auch für diese App gilt: Sie bietet ähnliche Funktionen an, wie die Konkurrenz. Einen Grund Lenstar, statt Kwitt, Paydirekt oder Cringle herunterzuladen erschließt sich den Kunden nicht. Quelle: www.lendstar.io
TabbtMit Sicherheitsversprechen versucht die Mobile-Payment-App Tabbt Nutzer zu locken. Auf der Website ist von einem „einzigartigem Sicherheitskonzept“ die Rede. Bankdaten müssten zwar in der App angegeben werden, diese würden allerdings verschlüsselt und lokal auf dem Smartphone gespeichert werden. Mehr als ein Zahlungsdienstleister ist Tabbt aber nicht. Genau hier sieht Payment-Experte Klotz ein Problem. Denn Mobile-Payment löse ein Problem, das es nicht gebe. Quelle: www.tabbt.com
MoneybeamDie Internetbank N26 bietet mit Moneybeam eine eigene Mobile-Payment an. Anders als bei Kwitt & Co. können N26-Kunden untereinander bis zu 1000 Euro täglich überweisen. Überweisungen an andere Bankkonten sind auf 100 Euro täglich limitiert. Quelle: next.n26.com
Payback PayIn erster Linie sammeln Kunden mit Payback Punkte. Mit der App können sie ihre Ware auch bezahlen. Wenn Kunden das mobile Bezahlen als erweiterte Funktion wahrnehmen, hätte es bessere Chancen sich zu etablieren, glaubt Payment-Experte Maik Klotz. Quelle: payback.de

Für viele Deutsche wirkt das mobile Bezahlen bislang wie Science-Fiction. Etliche Restaurants akzeptieren noch nicht einmal Kartenzahlungen. Und wer in Deutschland abends ohne Bargeld dabei zu haben ausgeht, der wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auf dem Trockenen sitzen. Auf die Idee per App zu bezahlen kommen daher nur sehr wenige.

Laut einer aktuellen Deloitte-Studie haben 96 Prozent der Deutschen noch nie mit dem Smartphone bezahlt. Das kann man nun auf zweierlei Weise bewerten. Bewertung eins: Die Deutschen können mit Mobile Payment nichts anfangen. Bewertung zwei: Mobile Payment hat in Deutschland noch riesiges Potenzial. Letzteres glauben zahlreiche Start-ups und Banken, die alle eigene Payment-Lösungen anbieten. Im App-Store von Apple oder Android kommen die populärsten deutschen Apps von neun verschiedenen Anbietern.

Paydirekt, Cringle, Lendstar – viele Anbieter, kein Standard

Eine von ihnen ist „Paydirekt“, eine gemeinsame Entwicklung deutscher Banken und der Sparkassen, gedacht als Konkurrenzprodukt für den US-Bezahldienst Paypal. Seit 2017 gibt es eine dazugehörige App, mit der Geldbeträge an Kontakte aus dem eigenen Telefonbuch, also im Peer-to-Peer-Verfahren, verschickt werden können. Dafür wählt der Nutzer einen Kontakt aus und tippt den Geldbetrag ein, den er überweisen will.

Bis hierhin ist es einfach, danach aber wird es kompliziert. Denn das Geld fließt nicht sofort an den Empfänger. Stattdessen erhält dieser zunächst einen neunstelligen Code per SMS und eine Aufforderung die Paydirekt-App herunterzuladen. Nach der Installation hat der Empfänger die Wahl sich zu registrieren oder das Geld auch ohne Registrierung zu erhalten. Dafür müsste der Empfänger dann aber in der App den Code eintippen, seinen Namen und seine IBAN.

Und es wird noch vertrackter: Denn obwohl zahlreiche Banken Paydirekt angebunden haben, verfolgen sie jeweils eigene Projekte im Bereich Mobile Payment. So bieten die Sparkassen ihren Kunden das Bezahlen über das Smartphone durch Paydirekt nicht an, weil sie ihre eigene App „Kwitt“ stärker vermarkten wollen. Mit der können Sparkasse-Kunden Beträge bis zu 30 Euro ohne die Eingabe einer TAN überweisen.

Ein Sprecher des Deutschen Sparkasse- und Giroverbandes berichtet stolz von 700.000 registrierten Usern. Wie viele die App auch wirklich nutzen, will er nicht verraten. Nur so viel: Jedes Jahr würden zwei Millionen Transaktionen getätigt.

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