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Mobile Payment Zahlen wir in Zukunft alle mobil?

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Zukünftig sinkende Bargeldquote

Stattdessen könnte die Zahlungsdiensterichtlinie II (PSD 2) mobiles Zahlen attraktiver machen. Die EU-Richtlinie erlaubt Drittanbietern den Zugriff auf ein Bankkonto, falls sich der Kontoinhaber einverstanden erklärt. Die neuen Regeln sollen die EU-Staaten ab 2017 anwenden. Kraus sieht durch PSD 2 einen emotionalen Zusatznutzen für Verbraucher. „Am Kassenterminal zu stehen und die Karte funktioniert nicht kann sehr unangenehm sein.“ Künftig könnten alle Konten mit dem mobilen Gerät verknüpft sein, dadurch sinke das Risiko einer ungedeckten Zahlung. Insgesamt würden die aktuellen regulatorischen Trends mobile Bezahlverfahren weiter fördern, meint Kraus. „Mehr Sicherheit, Transparenz und Kontozugriffsmöglichkeiten werden den Nutzerkomfort beim Mobile Payment deutlich erhöhen, was sich in stärkerer Akzeptanz zeigen wird.“

Die beliebtesten Mobile-Banking-Apps in Deutschland

Pousttchi glaubt ebenfalls, dass der durschlagende Kundenvorteil beim Mobile Payment fehlt. Trotzdem ist er sicher: „In zwei bis drei Jahren gibt es mobile Verfahren mit einschneidenden Vorteilen.“

In den USA ist Apple Pay eine etablierte Bezahlmethode geworden. Ein Prozent aller Käufe im Einzelhandel werden über Apples Bezahldienst abgewickelt – und das, obwohl Apple Pay erst seit einem Jahr existiert. Trotzdem wird sich Mobile Payment in Deutschland langsamer durchsetzen als in den angloamerikanischen Ländern, meint Pousttchi. Grund: Die Deutschen haben weniger Vertrauen in alternative Bezahlverfahren und benutzen lieber das gesetzliche Zahlungsmittel Bargeld.

Bargeld bietet Anonymität

Eine ähnliche Einschätzung gibt Capco-Partner Kraus. Er glaubt, dass mittel- bis langfristig neue Bezahlmethoden wie Mobile Payment angenommen werden, aber nicht allein dominieren. Mit Bargeld werde weiterhin bezahlt werden, auch wenn die Bargeldquote sinken wird. „Es wird immer ein Bedürfnis geben, anonym zu bleiben.“ Bargeld sei den Menschen wichtig beim „Dispositionsmanagement.“ In anderen Worten: Beim Bargeld hat man einen besseren Überblick darüber, wie viel man bereits ausgegeben hat. Und besonders in Krisenzeiten steige die Bargeldnachfrage massiv an, wie sich in der Finanzkrise 2008 gezeigt habe. „Bargeld wird immer eine Rolle spielen, während die Kartensysteme eines Tages vollständig durch mobile Verfahren abgelöst werden“, so Kraus.

Einen Schub bekommt Mobile Payment womöglich dadurch, dass Bargeld bei Banken und Staaten verpönt ist. In den vergangenen Jahren führten viele europäische Staaten Bargeld-Obergrenzen ein. In Italien dürfen Beträge über 1000 Euro nicht mehr bar beglichen werden. Der französische Staat senkte die Obergrenze im September von 3000 auf 1000 Euro. Insgesamt zählt das Europäische Verbraucherzentrum Deutschland auf seiner Webseite zwölf EU-Staaten, die gesetzliche Höchstgrenzen für Barzahlungen eingeführt haben.

Bargeld-Abschaffung

Einige Ökonomen fordern sogar eine Abschaffung des Bargelds. So zum Beispiel die Harvard-Professoren Kenneth Rogoff und Larry Summers oder Andy Haldane, Chefökonom der Bank of England. Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger nannte das Bargeld einen „Anachronismus.“

Werden in Zukunft diese Forderungen umgesetzt, ist es gut möglich, dass mobiles Zahlen die vorherrschende Bezahlweise wird. Mobil bedeutet übrigens nicht, dass mit dem Handy gezahlt werden muss. „Technologisch hängt das überhaupt nicht am Telefon, man denke nur an die Wearables wie die Smartwatch“, erklärt Kraus. Selbst biometrisches Bezahlen wäre möglich, zum Beispiel per Iris-Scan, Gesichtserkennung oder Fingerabdruck. Dann ist selbst das Samsung-Smartphone mit Bezahl-App nicht mehr notwendig.

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