Mobile World Congress Der Kampf ums Steuer

Bei der Frage, wer künftige autonome Autos am besten durch den Verkehr steuert, sind Autobauer und Kommunikationskonzerne auf Kollisionskurs. Wichtige Fragen sind ungeklärt, etwa: Wer ist schuld bei einem Unfall?

Connected-Car-Technologie von IBM and Mastercard beim Mobile World Congress in Barcelona Quelle: AP

Wenn es in diesen Tagen auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona so etwas gibt wie die Idealanwendung für die künftigen Mobilfunknetze der fünften Generation – kurz 5G genannt –, ein Nutzerszenario, das in keiner Präsentation und bei keinem Hintergrundgespräch fehlen darf, dann ist es der Verkehr der Zukunft. Egal, ob es um bessere Stauvorhersagen, die Vermeidung von Unfällen oder – logisch – das autonome Fahren geht: Immer soll 5G so etwas sein wie das digitale Öl, das die Maschinerie der künftigen Mobilität zum reibungslosen Laufen bringt.

Wie eng die Welten mittlerweile verwoben sind, zeigt sich auch an der Masse der (mehr oder minder) vernetzten Fahrzeuge, die sich in fast allen Messehallen auf den Ständen der Aussteller finden. Gerade Oberklasse-Mobile dienen allenthalben als Blickfänger und Beispiel für die komfortable Welt des vernetzten Reisens. Über eigene Mobilfunkantennen an UMTS- oder LTE-Funknetze angedockt, werden die Karossen zu rollenden WLAN-Hotspots, an die sich die Reisenden im Inneren andocken können.

Bisher waren derlei Finessen noch ein Privileg der Top-Modelle, doch die Technik macht sich zunehmend auch im Mittelsegment und in der automobilen Einsteigerklasse breit. Rechtzeitig zum MWC kündigten etwa Ford und Vodafone an, Fahrzeuge ab kommendem Jahr mit integrierten LTE-Stationen ausstatten zu wollen, die (für die ersten drei Monate nach dem Kauf kostenlos) unterwegs den – im doppelten Wortsinn – schnellen Zugang zum mobilen Internet ermöglichen sollen.

Die MWC-Highlights in Bildern
Sony Xperia ZSony schickt sein neues Mobilfunk-Flaggschiff Xperia XZ ins Rennen gegen die Premium-Hersteller. Als weltweit erstes Smartphone könne das Gerät auf seinem 5,5 Zoll großen Display Bilder in Ultra-HD-Auflösung (4K) und der Bildoptimierungstechnik HDR darstellen, kündigte Sony-Mobile-Chef Hiroki Totoki am Montag auf dem Mobile World Congress in Barcelona an. Die 19-Megapixel-Kamera ermöglicht dank einer neuen Speicher-Technologie Zeitlupenaufnahmen mit bis zu 960 Bildern. Das ergebe vier Mal so detailreiche Aufnahmen als bisher möglich, sagte Totoki. In Kooperation mit dem Netzwerkspezialisten und Chiphersteller Qualcomm hat der japanische Konzern sein Premium-Modell auch fit für die Netze der Zukunft gemacht. Das Xperia XZ unterstützt Gigabit LTE, über das Filme und Musik in Sekundenschnelle auf das Smartphone heruntergeladen werden können. Quelle: REUTERS
Samsung Tab S3Am größten Smartphonebauer der Welt sind die vergangenen Monate nicht spurlos vorbeigegangen. Nach dem Desaster um das brandgefährliche Galaxy Note 7 stellte der Konzern auf dem Mobile World Congress in Barcelona kein neues Smartphone-Flaggschiff vor. Stattdessen präsentierte der Konzern zwei neue Geräte aus der Notebook- und Tablet-Klasse. Das Tablet Galaxy Tab S3, das Samsung am Sonntag vorstellte, soll sich mit hochwertigem Design und üppiger Ausstattung vor allem in der Oberklasse behaupten, die Apple mit seinem iPad dominiert. Das Gerät mit Android-Betriebssystem ist sowohl auf Unterhaltung als auch auf Produktivität ausgerichtet. Die Rückseite ist komplett in Glas gehalten. Der Amoled-Bildschirm soll Bilder detailgenau in brillanten Farben (HDR, High Dynamic Range) wiedergeben. Eingesteckt in eine Tastatur lässt sich das Gerät auch als Notebook-Ersatz nutzen. Quelle: REUTERS
Samsung Galaxy BookMit dem Galaxy Book stellte Samsung zudem ein sogenanntes Convertible vor, das mit Microsofts Betriebssystem Windows 10 und Intel-Prozessor (Kaby Lake) ausgestattet ist. Die Eingabe auf dem 10,6 Zoll großen Bildschirm erfolgt wahlweise über die Tastatur oder mit Hilfe eines Stiftes, der haptisch den Eindruck erwecken soll, tatsächlich auf Papier zu schreiben. Es lassen sich zwei separate Oberflächen - zum Beispiel für die private und die berufliche Nutzung einrichten, die sich mit einem seitlichen Wisch mit dem Finger sofort wechseln lassen. Klappt man die Tastatur zurück, wechselt das Display automatisch in den Tablet-Modus. Quelle: REUTERS
Nokia 3310Einst war Nokia der Inbegriff für Macht auf dem Mobilfunkmarkt. Dann verschliefen die Finnen den Aufstieg des Smartphones und erlebten einen Albtraum. Das Unternehmen stürzte in die Bedeutungslosigkeit. Ein Wiederbelebungsversuch durch Microsoft geriet zum kolossalen Flop. Unter der Führung von HMD Global meldet sich die Marke nun zurück und belebt öffentlichkeitswirksam eine Legende wieder: Der Konzern hat eine Neuauflage des 3310 - Snake und Nokia-Klingeltone inklusive. Das Original wurde im Jahr 2000 veröffentlicht und erfreute sich enormer Beliebtheit. Auch die Neuauflage soll vor allem mit der Akku-Power überzeugen: Laut Unternehmen sind 22 Stunden Sprechzeit und bis zu einem Monat Standby möglich. Auf den mittlerweile gewohnten Smartphone-Komfort müssen Käufer allerdings verzichten. Kosten soll das Gerät gerade einmal knapp 50 Euro . Quelle: dpa
Nokia 6HMD Global zeigte in Barcelona aber auch gleich mehrere neue Smartphones - alle mit dem Betriebssystem Android. Das für den wachsenden chinesischen Markt gebaute Nokia 6 (Bild) wird bald auch Europa vertrieben. Mit einem Preis von 300 Euro für die Special-Edition und 229 Euro für die normale Variante gilt es ein typisches Mittelklasse-Smartphone. Als Einsteiger- oder Zweitgerät eignet sich der kleine Bruder. Das Nokia 5 ist 5,2 Zoll groß, aus Aluminium, in verschiedenen Farben verfügbar und soll etwa 189 Euro kosten. Noch günstiger ist das Nokia 3: Der Preis liegt bei 139 Euro. Das Gerät verfügt über einen fünf Zoll großen HD-Screen. Quelle: REUTERS
Huawei P10 und P10 PlusAttacke der Nummer 3: Huawei will mit zwei neuen Modellen seiner P-Serie seine Marktposition stärken und Apple und Samsung Konkurrenz machen. Besonderes Augenmerk hat Huawei beim P10 und das P10 Plus auf die Kameraleistung gelegt. Das Objektiv ist in Kooperation mit den Traditionshersteller Leica gefertigt. Damit seien nahezu professionelle Aufnahmen möglich, versicherte Smartphone-Sparten-Chef Richard Yu (im Bild). In seiner Präsentation verglich Yu die neuen Modelle mehrfach mit Apples iPhones. So soll das P10 Plus bei gleicher Größe eine größere Batterieleistung haben als das iPhone 7 Plus. Zahlreiche Verbesserungen wie eine schnellere Ladezeit, eine Akkulaufzeit von 1,8 Tagen bei normalem Gebrauch sowie ein hochwertiges Display sollen die Geräte in die Spitzenliga bringen. Dass Marktführer Samsung nach seinem Note-7-Debakel das Nachfolgemodell seines Galaxy S7 aller Voraussicht nach erst im April auf den Markt bringen wird, könnte den Ambitionen des chinesischen Herstellers ebenfalls entgegenkommen. (
Huawei Watch 2Neben dem Smartphone-Flaggschiff stellte Huawei im Rahmen des MWC auch eine neue Smartwatch vor. Die Uhr namens Watch 2 soll im März in zwei Varianten auf den Markt kommen: der normalen und einer „klassischen“ Version. Die Watch 2 richtet sich mit GPS-Modul und Herzfrequenz-Tracker an sportliche Nutzer. In der teuren Version der Uhr ist auch eine direkte Verbindung zum Mobilfunknetz möglich: Wer eine Nano-Sim-Karte einsetzt, kann die Uhr unabhängig vom Smartphone nutzen. Andernfalls wird die Uhr über Bluetooth mit dem Smartphone verbunden. Auch die Optik ist auf sportlich und kommt in knalligen Farben. Die Huawei Watch 2 Classic hat ein in Gehäuse aus Edelstahl und ein klassisches Lederarmband. Allerdings gibt es zum Beispiel nicht die Möglichkeit, eine Sim-Karte einzusetzen. Preise: In der Bluetooth-Version kostet die Huawei Watch 2 329 Euro, in der 4G-Variante 379 Euro. Die Watch 2 Classic liegt bei 399 Euro. Quelle: REUTERS

Nach Ablauf der Testphase können (oder aus Vodafone-Sicht sollten) die Ford-Fahrer dann einen Laufzeitvertrag für ihr rollendes Mobilfunkgerät abschließen. Tun sie das nicht, bleibt der Webzugang im Auto stumm. Die eingebaute Sendetechnik aber bleibt dennoch nützlich, denn darüber wickelt Ford im Notfall die automatischen Alarmmeldungen des eCall-Dienstes ab, die voraussichtlich ab kommendem Jahr in der EU nun endlich für Neuwagen verpflichtend werden.

So gedeihlich solche Szenarien für beide Seiten sein mögen, so strittig ist die Frage, welche Bedeutung der Mobilfunk haben wird, wenn irgendwann nach 2020 die ersten teil- und später vollautonom fahrenden Autos auf die Straßen kommen sollen. Denn da, auch das wird hier in Barcelona deutlich, haben Fahrzeugbauer und Netzbetreiber ganz unterschiedliche Interessenslagen. Auch weil es darum geht, wer welche – potenziell lukrativen – kommenden Mobilitätsdienste anbieten wird.

Dabei ist inzwischen beiden Seiten klar, dass der automatisierte Verkehr umso flüssiger und sicherer fließen wird, je besser und verlässlicher die Robo-Autos vernetzt sind. Denn so sehr die einzelnen Wagen auch mit Sensor- und Rechentechnik hochgerüstet sein werden, um Häuserecken oder hinter Straßenkuppen kann auch das Tech-Mobil der kommenden Dekade nicht alleine blicken. Da braucht es den Austausch mit den übrigen Fahrzeugen, die in gleicher oder entgegengesetzter Richtung oder auch von der Seite kommend unterwegs sind.

Und zwar den Austausch möglichst in Echtzeit. Nur dann nämlich lassen sich Sicherheitsabstände auf ein technisch kürzestmögliches Maß reduzieren, lassen sich Straßen optimal auslasten. Dauert es zu lange, die Warnung zu übertragen, dass ein Hindernis droht, ist der Unfall schon passiert, bevor die Information nachfolgende Autos erreicht. Oder Autoschlangen schaukeln sich zu den Staus auf, die die Technik eigentlich vermeiden soll.

Auch deshalb warten Funkausrüster und Fahrzeugbauer sehnlichst auf die 5G-Funknetze, weil diese nämlich (unter anderem) Datenübertragungen im nur noch einstelligen (maximal niedrigen zweistelligen) Millisekunden-Bereich ermöglichen sollen.

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