Mobile World Congress Wunsch nach IT-Sicherheit schafft Milliarden-Markt

Früher ein Randthema, jetzt ein Topthema: Auf der weltgrößten Mobilfunkmesse Mobile World Congress in Barcelona wetteifern auch deutsche Sicherheitsfirmen um die beste Spionageabwehr.

Die unsichersten Android-Apps im Überblick
Die "sehr kritischen" Apps - Kontaktdaten, Kalendereinträge, E-Mail, Browserdaten oder Konten werden gelesen und unter Umständen übermittelt, ohne dass die App vorher um Erlaubnis fragt.WhatsAppAls besonders kritisch wurde in der Studie "WhatsApp" eingestuft. Der Messenger, der seit Monaten immer wieder in der Kritik steht, weist erhebliche Mängel auf: Die App verschafft sich die Berechtigung, Kontodaten zu verändern - damit ist das Lesen und Löschen von Passwörtern möglich. Außerdem ist es möglich, die Synchronisierungs- und Systemeinstellungen anzupassen. Die App zeigt den exakten Standort des Handys (und damit auch in den meisten Fällen den des Users) und den Netzwerkstatus an. Quelle: Presse, Montage WirtschaftsWoche Online
FacebookEbenfalls als besonders kritisch für Sicherheitsrichtlinien in Unternehmen wurde die Facebook-App eingestuft. Audio-, Bilder- und Videoaufnahmen sowie Kontaktdaten können verändert und gelesen werden. Dateientransfer über Facebook via Internet ist ein Kinderspiel. Auch hier ist es möglich den Telefonstatus und den Netzwerkstatus zu erkennen. Der Standort des Smartphones wird je nach Situation genau und ungefähr ermittelt. Quelle: Presse, Montage WirtschaftsWoche Online
SkypeDie App des Chat- und Telefon-Programms "Skype" verlangt bei der Installation insgesamt 28 Berechtigungen. Unter diesen sind einige, die für ein Unternehmen besonders kritisch sein können. So bekommt die Berechtigung, Kontaktdaten auf dem Smartphone zu verändern und zu lesen. Auch die Synchronisierungseinstellungen (wie Einschalten von Bluetooth) lassen sich verändern und der Netzwerkstatus wird angezeigt. Darüber hinaus verbraucht diese App sehr viel Netzwerkspeicher und Akkuressourcen. Die App wird bezüglich Firmendaten laut Studie als besonders kritisch eingestuft. Quelle: Presse, Montage WirtschaftsWoche Online
NavigonEbenfalls "sehr kritisch" für Unternehmen wird die App "Navigon" eingestuft. Diese App verschafft sich die Berechtigung, Audios und Videos aufnehmen, Systemeinstellungen und den WLAN-Status zu ändern. Auch alle Anwendungen, die aktuell auf dem Telefon laufen, können abgerufen und sogar beendet werden. Ohne Begründung für die Hauptfunktionalität können Kontaktdaten und vertrauliche Systemprotokolle gelesen und unter Umständen ins Internet übertragen werden. Zudem ist es möglich, Broadcast zu senden, was zu einem immensen Speicherverbrauch führt. Beim Broadcasting werden Datenpakete von einem Punkt aus an alle Teilnehmer eines Netzes übertragen und aufrecht zu erhalten. Quelle: Presse, Montage WirtschaftsWoche Online
ViberViber verschafft sich auch Zugriff auf etliche Funktionen des Smartphones. So lassen sich unter anderem Audios, Bilder und Video aufnehmen, Kontaktdaten schreiben und lesen und in das Internet übertragen, vertrauliche Protokolle lesen und Konten identifizieren. Es können alle Telefonnummern aus dem Adressbuch angerufen werden. Damit gilt die App für freie Internet-Telefonie als hervorragendes Tool ist aber für den Schutz von Firmendaten "sehr kritisch". Quelle: Presse, Montage WirtschaftsWoche Online
ÖffiAuch die App des öffentlichen Nahverkehrs "Öffi" wird als besonders kritisch eingeordnet. Die App kann Kalendereinträge auf dem Smartphone und Kontaktdaten lesen und diese unter Umständen ins Internet übermitteln. Diese Aktionen sind für Funktionalitäten der App nicht nötig. Außerdem wird der genaue Standort des Handys einsehbar. Quelle: Presse, Montage WirtschaftsWoche Online
SPB-TVDie TV-App SPB-TV gilt ebenfalls als besonders unsicher. Die App verschafft sich uneingeschränkten Zugang zum Internet mit dem Smartphone und kann sowohl den Telefon- als auch den Netzwerkstatus einsehen. Quelle: Presse, Montage WirtschaftsWoche Online
ICQDer Messenger ICQ schneidet in der App-Bewertung zur Sicherheit von Firmendaten eher schlecht ab. Die App kann Kontaktdaten lesen und unter Umständen übertragen, bekannte Konten suchen und authentifizieren sowie neue Synchronisierungseinstellungen schreiben. Quelle: Presse, Montage WirtschaftsWoche Online
MapmyrideDie App für Fahrrad-Freunde "Mapmyride" stellt aufgrund der auch für Dritte möglichen Bluetooth- und Kameramanipulationen sowie der Standorterkennung ein Sicherheitsrisiko für Unternehmen dar. Systemeinstellungen können verändert werden auch der genaue Standort des Smartphones lässt sich ermitteln. Quelle: Presse, Montage WirtschaftsWoche Online
The Weather ChannelSonnenschein oder Regenwetter? Die App "The Weather Channel" gibt Auskunft. Beim Blick auf die Risiken, die die App mit sich bringt, ist aber wohl eher Schlecht-Wetter-Stimmung angesagt. Die App verlangt bei der Installation die Erlaubnis, Audios aufzunehmen, obwohl dies für ihre Hauptfunktion nicht nötig ist. Sie übermittelt den Standort und unter Umständen können die für den Benutzer hereinkommenden Daten abgefangen werden. Quelle: Presse, Montage WirtschaftsWoche Online
Droid BlockerUmfassende Rechte erbittet sich auch die App "Droid Blocker". Die App, die eigentlich unerwünschte Anrufer und SMS blockiert, darf den Browserverlauf und die Lesezeichen schreiben, Kontaktdaten lesen und schreiben, und auch der SD-Karteninhalt kann einfach gelöscht werden. Auch SMS und MMS lassen sich lesen und empfangen und im Namen des Besitzers versenden. Außerdem lassen sich Verknüpfungen auf dem Smartphone nach Belieben installieren und deinstallieren. Quelle: Presse, Montage WirtschaftsWoche Online
LinkedinAls sehr kritisch für den BYOD-Einsatz wird auch die Social-Media-App "Linkedin" kategorisiert. Sie hat uneingeschränkten Zugriff auf das Netzwerk, darf Kontolisten lesen und im Internet authentifizieren, den SD-Karteninhalt ändern oder löschen sowie neue Kontaktdaten erstellen. Auch ressourcenfressende Dauerbroadcasts sind möglich. Quelle: Presse, Montage WirtschaftsWoche Online
Qik VideoBereits bei der Installation lässt die Liste der 28 verlangten Berechtigungen den sehr kritischen Charakter der App erahnen. Diese erlauben die Verwaltung der eingerichteten Konten und das Lesen und Schreiben von Kontaktdaten. Bluetooth-Verbindungen können von der App hergestellt und auch verwaltet werden. Neben der dauerhaften Broadcast-Verbindung kann die App Manipulationen der Statusleiste und des Dateisystems vornehmen. Quelle: Presse, Montage WirtschaftsWoche Online
GtasksDie To-do-Liste für das Smartphone "Gtasks" kann die Kalendereinträge lesen, auf das Internet zugreifen, Authentifizierungsinformationen verwenden, bekannte Konten suchen und konfigurierte Konten lesen. Für Unternehmen ein Sicherheitsrisiko. Quelle: Presse, Montage WirtschaftsWoche Online
Die "kritischen" Apps - Kontaktdaten, Kalendereinträge, E-Mails, Surfverhalten, Dateien und Konten werden gelesen und unter Umständen übermittelt, nachdem die App um Erlaubnis gefragt hat.BarcooNeben den "sehr kritischen" Apps wurden weitere Applikationen in der Analyse auch in die etwas seichtere Kategorie "kritisch" eingestuft. Diese gelten ebenfalls als unsicher. Dazu zählt auch "Barcoo". Der Barcodescanner fürs Smartphone kann es im schlimmsten Fall möglich machen, Bilder und Videos aufzunehmen, den genauen oder ungefähren Standort zu ermitteln und Kontaktdaten zu lesen. Auch der Browserverlauf wird einsehbar. Quelle: Presse, Montage WirtschaftsWoche Online
EbayDer größte Flohmarkt der Welt "Ebay" gilt ebenfalls als "kritisch" für Unternehmen. Die App kann Bilder und Videos aufnehmen, den genauen oder ungefähren Standort des Handys ermitteln und Inhalte der SD-Karte verändern. Quelle: Presse, Montage WirtschaftsWoche Online
dict.ccEbenfalls Schwächen für den BYOD-Einsatz weist das Wörterbuch "dict.cc" auf. Es fordert den uneingeschränkten Zugang zum Netzwerk des Smartphones sowie Zugriff auf den SD-Karteninhalt, der sich ändern und sogar löschen lässt. Quelle: Presse, Montage WirtschaftsWoche Online
DB NavigatorAuch die vielgenutzte App der Deutschen Bahn wird in die Kategorie "kritisch" eingestuft. Die App erhält die Erlaubnis, auf Kalendereinträge und Kontaktdaten zuzugreifen, E-Mails zu versenden und den SD-Karten-Inhalts zu verändern oder zu löschen. Quelle: Presse, Montage WirtschaftsWoche Online
Mega JumpDen Telefonstatus lesen und identifizieren, den SD-Karteninhalt ändern oder löschen oder auch Zugriff auf das Netzwerk - die Spiele-App "Mega Jump" wurde im Ranking ebenfalls als kritisch eingestuft. Quelle: Presse, Montage WirtschaftsWoche Online
RTL insideDie App des Fernsehsenders RTL weist Sicherheitsrisiken für den BYOD-Einsatz auf. Sie erhält Zugriff auf den SD-Karteninhalt sowie uneingeschränkten Zugriff auf das Internet. Quelle: Presse, Montage WirtschaftsWoche Online

Als Wolfgang Straßer das erste Mal im Jahr 2008 nach Barcelona reiste, war der Chef des kleinen, auf IT-Sicherheit spezialisierten Beratungshauses @-yet aus Leichlingen (Rheinland) noch ein Exot. Themen wie Spionageabwehr und Smartphone-Sicherheit waren auf der weltgrößten Mobilfunkmesse, dem Mobile World Congress, allenfalls ein Randthema. Zu groß war die Faszination, die von all denen neuen Smartphones mitsamt ihrer vielfältigen Apps und Softwarelösungen ausging. Im Rampenlicht standen deshalb nur Samsung, Microsoft, Telekom & Co. Wer vor Sicherheitslücken warnte, wurde schnell als paranoider Nörgler abgestempelt.  

Ab Montag hat Straßer wieder ein paar Quadratmeter am Gemeinschaftsstand NRW in Halle 6 auf dem Messegelände in Barcelona gebucht. Vom 24. bis zum 27. Februar treffen sich in der spanischen Küstenstadt wieder Unternehmen und IT-Experten aus aller Welt, um die aktuellen Trends der Branche auszutauschen.

Die aktuellen Trends auf dem Mobile World Congress

Doch dieses Mal ist die Abwehr von Cyberattacken auf Smartphones und Tablets eines der Topthemen auf dem Mobile World Congress. „Mobile Geräte sind inzwischen so leistungsstark wie die Personal Computer früher“, sagt Straßer. „Doch diese technische Entwicklung und die einhergehende stetige Vernetzung birgt viele Gefahren, die immer noch unterschätzt werden.“

Viele Unternehmen erlauben ihren Mitarbeitern, ihre privaten Smartphones auch geschäftlich einzusetzen. „Bring your own device“ nennen das die Experten. Das Cloud-Computing in einer völlig vernetzten Welt ermöglicht auch unterwegs komfortables mobiles Arbeiten mit Zugriff auf alle wichtigen Datenschätze, die auf gigantischen Unternehmens-Servern gespeichert werden.

Dabei zeigen die Enthüllungen des ehemaligen NSA-Mitarbeiters Edward Snowden, wie riskant das sein kann. „Jeder Schritt wird überwacht, jede Datei auf die Waagschale gelegt – alles unter dem Deckmantel der Terrorismusbekämpfung“, sagt Straßer. Dabei scheinen die Beweggründe der Geheimdienste doch ganz andere zu sein.

Diese Daten können die populärsten Android-Apps auslesen

Die Sicherheit und Vertraulichkeit aller Daten auf den Smartphones hatte der Veranstalter des Mobile World Congresses, die GSM Association (GSMA), in den vergangenen Jahren etwas vernachlässigt. Bei der Entwicklung des GSM-Standards, der den weltweiten Siegeszug der Handys erst ermöglichte, hatten die GSMA-Gremien noch größten Wert darauf gelegt, dass es eine Trennung zwischen dem Gerät und der persönlichen Identifikation gibt. Die austauschbare Chipkarte wurde Anfang der Neunzigerjahre entwickelt, um den Telefon- und Datenverkehr in den Mobilfunknetzen zu verschlüsseln und damit vor Angriffen von außen zu schützen.

Heute steht die GSMA den vielen Sicherheitslücken etwas hilflos gegenüber. Jedes Smartphone funkt auch über andere, deutlich unsichere Übertragungstechniken wie Bluetooth oder Wlan. Gewiefte Hacker finden fast immer eine Sicherheitslücke, um gezielt in ein Gerät einzudringen. In Sicherheitskreisen wird sogar darüber spekuliert, dass Hintertüren in den von den US-Konzernen Google, Apple und Microsoft entwickelten Smartphone-Betriebssystemen die Möglichkeit eröffnen, die Mikrophone in den Smartphones aus der Ferne heimlich ein- und auszuschalten und damit als Wanze für alle in der Umgebung des Smartphones geführten Gespräche und Verhandlungen scharf zu schalten.

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