Mobiles Bezahlen Warum Bargeld unschlagbar bleibt

Kreditkarte, Lastschrift, kontaktloses Bezahlen: Der technische Fortschritt ist längst an der Supermarktkasse angekommen. Trotzdem zahlt die Mehrheit weiter bar. Das hat einen guten Grund.

Bar geht es an der Supermarktkasse immer noch am schnellsten – das weiß auch die Kanzlerin. Quelle: dpa

Mal ist es die ältere Dame, die ihre Börse in der Hand der Kassiererin ausleert und so den Warenfluss ins Stocken geraten lässt. Mal ist es der junge Bursche, der eine Kaugummi-Packung für 99 Cent mit Karte bezahlt und so alle anderen aufhält. In einer Schlange an der Supermarktkasse zu warten, birgt für viele Menschen hohes Frustpotential. Im für die Händler schlimmsten Fall verderben lange Schlangen die Laune des Kunden oder schrecken Käufer ab.

Kein Wunder also, dass die Händler alles daran setzen, die Abläufe an der Kasse zu beschleunigen. Doch die Vielzahl der Bezahlmethoden, wie Bargeld, Lastschrift, Kreditkarte oder kontaktloses Bezahlen, sorgt für komplexe Technik und stiftet bei Kunden mitunter Verwirrung. Und so gilt: Schnell ist, was die Kunden kennen. Die Zahlung per Bargeld dauert im Schnitt 15 bis 24 Sekunden, hat Horst Rüter vom Kölner Marktforschungsinstitut EHI gemessen. Beim elektronischen Lastschriftverfahren mit Unterschrift brauchen die Kunden etwa 28 Sekunden, wenn sie mit Kreditkarte bezahlen dauert es rund 30 Sekunden.

So bezahlen die Deutschen im Netz
Das Electronic-Commerce-Center Handel vom Kölner Institut für Handelsforschung und die Hochschule Aschaffenburg haben in ihrer aktuellen Payment-Studie
Prepaid-Karten nutzen ein Prozent der Online-Shopper zum Bezahlen im Netz. Die Prepaidkarten gibt es, wie auch Handy-Prepaidkarten, im stationären Handel zu kaufen. Das jeweilige Guthaben kann dann bei Online-Einkäufen ausgegeben werden. Bei den Smartphone-Einkäufen haben immerhin 17,2 Prozent schon einmal auf eine solche Guthabenkarte zurückgegriffen. Quelle: Fotolia
Viele Geschäfte, die einen Online-Shop betreiben, bieten ihren Kunden an, die Ware online zu bestellen und in der Filiale abzuholen. Bezahlt wird dann bar oder mit EC-Karte bei Abholung. Das Prinzip widerspricht zwar dem Gedanken des E-Commerce, wird aber von Online-Kunden akzeptiert: 1,2 Prozent nutzen diese Option. Bei den Usern, die ihre Einkäufe per Smartphone tätigen, haben 18,2 Prozent schon per Handy bestellt und die Ware dann persönlich abgeholt und bezahlt. Quelle: dpa
Auf das Bezahlsystem ClickandBuy greifen 1,4 Prozent zurück. Bei den Smartphone-Shoppern ist das Bezahlsystem weiter verbreitet als bei den PC-Nutzern. 15,2 Prozent der Handy-Kunden haben das Bezahlsystem von der Telekomtochter schon einmal benutzt. Laut Unternehmensangaben kann weltweit bei mehr als 16.000 Online-Shops per Clickandbuy bezahlt werden. Bekannte Shops sind unter anderem T-Online Musicload, der Apple iTunes Store, Spiegel Online, Parship, Media Markt und buch.de. Quelle: Screenshot
Immer noch weit verbreitet ist die vergleichsweise teure Nachnahmezahlung, bei der der Kunde die Ware plus eine Gebühr beim Paketzusteller bezahlt. Zwei Prozent wählen diese Option beim Online-Einkauf. Mit dem Smartphone entschieden sich 17,6 Prozent für die Bezahlung bei Lieferung. Quelle: Presse
Das System Sofortüberweisung ist umstritten, weil beim Bezahlen mit diesem Dienstleister neben der Kontonummer auch die Online-Banking-Pin und die entsprechende Tan eingegeben werden müssen. Sofortüberweisung tätigt dann quasi die Online-Überweisung für den Kunden - mit dessen Daten. Eine solche Weitergabe der Pin und Tans verbieten viele Banken ihren Kunden in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Die Firma Sofort AG versichert, dass mit den Daten kein Schindluder getrieben wird und die Kunden scheinen dem Unternehmen zu vertrauen. 3,6 Prozent der Transaktionen, die die Studie untersucht, wurden mit Sofortüberweisung bezahlt. Bei den Einkäufen, die mit dem Smartphone getätigt wurden, waren es 22,1 Prozent. Quelle: Screenshot
Mit Amazon Payments können User ihre Amazon-Kundenkonten auch bei Onlineshops nutzen, die nicht zu Amazon gehören und müssen keine Zahlungsdaten wie Kontonummer und Bankleitzahl offenlegen. Für Händler, die diesen Dienst anbieten, müssen allerdings eine Transaktionsgebühr an Amazon zahlen. Für Amazon-Kunden ist das Modell kostenlos. Dementsprechend nutzen 5,3 Prozent ihr Amazon-Konto beim Online-Einkaufsbummel, auch wenn sie gar nichts bei Amazon einkaufen. Quelle: Screenshot

Was für den einzelnen Kunden kaum einen Unterschied macht, bedeutet für die Händler bares Geld: „Das summiert sich natürlich“, sagt Marktforscher Rüter. „Das Ergebnis kann sein, dass die Händler zusätzliche Kassen öffnen müssen, um die Länge der Schlange konstant zu halten.“ Besonders für Branchen mit vergleichsweise kleinen Umsätzen pro Kunde, wie dem Lebensmittelhandel oder Drogeriemärkten, sei eine schnelle Abwicklung des Bezahlvorgangs von Bedeutung.

Doch nach wie vor geht die große Mehrheit am liebsten mit Bargeld in der Tasche einkaufen. Laut EHI zahlen knapp 80 Prozent der Kunden mit Bargeld – vor allem kleine Beträge. Insgesamt machen Barzahlungen 52 Prozent der Umsätze im Handel aus. Auf die Girokarte entfallen 23 Prozent der Umsätze, auf das Lastschriftverfahren mit Unterschrift rund 14 Prozent und auf Kreditkarten 5,7 Prozent.

Der Trend geht zum Plastikgeld: „Es werden zunehmend auch kleinere Beträge mit Karte bezahlt“, beobachtet Rüter. Große Hoffnungen setzten Einzelhändler wie Kreditkartenunternehmen deshalb in das kontaktlose Bezahlen. Dazu werden spezielle Funkchips in Kredit- und Girokarten eingebaut. Eine geeignete Kasse vorausgesetzt, reicht es aus, wenn der Kunde seine Karte nah an das Terminal hält. Die Zahlungsinformationen werden bei der als Near Field Communication (NFC) bezeichneten Technik per Funk übertragen.

Bei Beträgen unter 25 Euro ist dabei auch keine Autorisierung mit Pin oder Unterschrift nötig. Das Zahlen mit Karte dauert damit etwa so lang wie mit Bargeld, sagt Rüter. „Die meisten großen Händler sind gut auf das kontaktlose Bezahlen vorbereitet“.

Doch damit es schnell geht, müssten sich die Kunden an die neuen Bezahlmethode gewöhnen. Bislang spielt kontaktloses Bezahlen an der Supermarktkasse keine große Rolle. Der Grund sei, dass bislang vor allem Kreditkarten mit der Funktechnik ausgestattet seien, sagt Rüter. Doch Zahlungen mit Kreditkarte machen nur knapp sechs Prozent der Handelsumsätze aus.

Das Smartphone als Einkaufsbegleiter
Wo das Smartphone beim Einkauf zum Einsatz kommtVirtueller SupermarktDie Schweizer Handelskette Coop betreibt in Zürich den ersten virtuellen Supermarkt. Passanten können im Vorbeigehen auf der bunten Plakatwand das gewünschte Produkt via Smartphone einscannen und bezahlen, und erhalten den Einkauf wenige Stunden später nach Hause geliefert. Quelle: Pressebild
Produkt-ScannerDas Berliner Startup Barcoo hat eine gleichnamige App veröffentlicht, die dem Benutzer, neben den gängigen Packungsangaben, zusätzliche Informationen zu Produkten liefert. Scannt der Benutzen den Barcode eines Artikels ein, gibt die App Auskunft über Testberichte, CO²-Bilanzen, Allergenen sowie Herkunft der Inhaltsstoffe, und findet dank Preisvergleich zudem den günstigsten Anbieter. Quelle: Pressebild
Drive-in-EinkaufIn einem Real-Markt in Köln-Porz entfällt künftig auch das Schleppen der Einkäufe. Die gewünschten Produkte werden per Smartphone eingescannt, anschließend wird der Einkauf bequem an einem Drive-In-Schalter bezahlt. Supermarkt-Helfer bringen daraufhin den Einkauf bis ans Auto. Quelle: Pressebild
Mobile BestellungBei der US-Imbisskette The Melt entfällt künftig das Warten an der Theke. Per App lässt sich das gewünschte Mittagessen vorbestellen und bezahlen, der Kunde braucht es anschließend nur noch im Lokal abzuholen.
Virtueller KleidertauschMit der App der Modekette Debenhams kann man sich den Gang in die Umkleidekabine sparen. Das Sortiment des Geschäfts lässt sich bequem auf dem Smartphone oder Tablet durchstöbern - und sogar anprobieren. Quelle: Pressebild
Der AufbauhelferKünftig hilft das Smartphone auch bei der Montage von Möbeln. Wirft die handelsübliche Bauanleitung eines Möbelstücks mehr Fragen auf , als sie klärt, reicht ein kurzes Berühren des Papiers mit dem Handy, und ein Montagevideo wird abgespielt. Quelle: Pressebild

Neben Kreditkartenfirmen wie Mastercard oder Visa forcieren auch immer mehr Banken die Funktechnik. Nächstes Jahr werde die Technologie flächendeckend in Girokarten zum Einsatz kommen, erwartet Rüter. Doch auch das ist nur ein Zwischenschritt: Längst sind viele Smartphones in der Lage, mittels NFC-Technik an der Supermarkt-Kasse zu bezahlen. Apple und Google haben digitale Portemonnaies fürs Handy entwickelt.

Allerdings werden auch diese Methoden die Geschwindigkeit des Bezahlvorgangs nicht weiter drücken können. An der Supermarktkasse bleibt das Bargeld für die digitale Konkurrenz in puncto Schnelligkeit auf absehbare Zeit unschlagbar.

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