WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Mobiles Internet Smartphone-Pionier Palm nun im Schoss von HP

Seite 2/2

Palms großer Fehler bei der US-Lizensierung

Palm-chef Jon Rubinstein Quelle: dpa

Doch Palm und seine Finanziers begingen einen großen Fehler. Sie lizenzierten den Palm Pre zum Start exklusiv an die US-Mobiltelefongesellschaft Sprint. Der laufen nicht nur in Scharen die Kunden davon. Sprint setzt auf einen Mobilfunkstandard, der nahezu ausschließlich in den USA genutzt wird.  Zu spät erweiterte Palm die Palette um Modelle mit dem Weltstandard GSM.

Zudem mangelte es stets an Kapital, das Unternehmen war finanziell zu schwachbrüstig aufgestellt. Weder konnte Palm großartige Vermarktungsaktionen fahren, noch genügend Entwickler für ihren Applikationsstore gewinnen.  Die ständigen Verkaufsgerüchte taten ihr übriges. Die Folge: Während Apple im vergangenen Quartal weltweit 8,7 Millionen Exemplare seines iPhones absetzte, verkaufte Palm nur etwa eine halbe Million Stück seiner Pre-Reihe. Seit zweieinhalb Jahren macht Palm Verluste, die sich auf knapp 1,2 Milliarden Dollar summieren.

Seitensprung zu Lasten Microsofts

Klarer Verlierer des Palm-Verkauf ist Microsoft. HP galt bislang als einer der wichtigsten Verbündeten des Softwarekonzerns im Mobiltelefongeschäft, setzte exklusiv auf Windows Mobile. Allerdings bot HP in jüngster Zeit nur noch ein Smartphone an, das größtenteils an Unternehmenskunden verkauft wurde. Bradley schließt mit der Palm-Akquise eine Lücke im Produktprogramm. Denn Wettbewerber wie Acer oder Dell bieten eine ganze Reihe von eigenen Smartphones an oder haben sie zumindest angekündigt.

HP-Topmanager Bradley betont zwar, dass HP auch weiterhin eng mit Microsoft zusammenarbeiten wird. Schließlich ist HP der größte PC-Hersteller der Welt. Doch mit dem Seitensprung von HP auf Palm ist nun endgültig klar: Microsofts Strategie, kein eigenes Smartphone auf den Markt zu bringen und statt dessen sein Betriebssystem an möglichst viele Handy-Hersteller zu lizenzieren, ist zum Scheitern verurteilt.

Microsoft gehen reihenweise die Partner von der Stange. HTC, Motorola und Samsung setzen zunehmend auf die von Google geförderte Alternative Android. Dell fährt ebenfalls zweigleisig, nutzt sowohl Android als auch Windows Phone 7. Samsung will mit Bada gar ein eigenes Handy-Betriebssystem in den Markt drücken und es mit eigenen Geräten attraktiv machen.

Nun wird die Luft langsam eng. Dass Smartphones die wichtigste Computerplattform dieser Dekade sind, ist Microsoft-Chef Steve Ballmer klar. Ihm bleibt jetzt nur ein teurer Befreiungsschlag. Marktbeobachter rechnen damit, dass Microsoft die kanadische Firma Research in Motion übernimmt, Schöpfer des besonders unter Managern beliebten Smartphone Blackberry.

Microsoft, so die Überlegung, könnte sein Betriebssystem Windows Phone 7 an Mobiltelefonhersteller lizensieren, die sich auf den Massenmarkt fokussieren. Microsoft würde sich mit dem Blackberry vorwiegend auf das Geschäft mit Unternehmen konzentrieren.

Möglich wäre auch eine Übernahme des finnischen Handygiganten Nokia. Doch zum einen würden die amerikanischen und europäischen Wettbewerbshüter den Kauf entweder blockieren oder monatelang hinauszögern. Zum anderen hätte sich Microsoft dann auf sehr lange Zeit finanziell verausgabt. 

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%