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Mobiles Sicherheitsrisiko So schützen Sie Ihr Smartphone

Privatleute und Unternehmen lassen ihre Smartphones und Diensthandys oft sträflich ungesichert. Dabei ist Schutz weder teuer, noch kompliziert.

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Smartphones sind ein beliebtes Hacker-Ziel - sie sind fast immer eingeschaltet und speichern viele persönliche Daten. Quelle: AP

Wenn Simlocker oder Cryptolocker zuschlagen, erinnert das an eine Geiselnahme – allerdings an eine der drahtlosen Art. Die Hacker-Software attackiert Smartphones – und wo sie erfolgreich ist, heißt es für die Handy-Besitzer „Wir müssen leider draußen bleiben“. 

Die Cyberschädlinge verhindern konsequent jeden Zugriff auf das Telefon von außen. Entsperrt werde erst gegen Zahlung eines Lösegeldes, lassen die digitalen Erpresser wissen.

Rasant wachsende Zahl von Handy-Schädlingen

Lange beschränkten sich solche Attacken – in der IT-Branche heißen Sie „Ransomware“, abgeleitet von „Ransom“, dem englischen Begriff für Lösegeld – auf Schreibtisch- oder Notebook-Computer. Nun aber geraten - kaum verwunderlich angesichts des geradezu explosionsartigen Absatzwachstums der Smartphones - immer öfter auch Handys (die im Grunde ja auch längst Mobilcomputer sind) ins Visier der Angreifer.

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    Fünf Tipps, wie Sie Ihr Smartphone vor Schadsoftware schützen

    Dabei ist Ransomware nur eine Form der rasant wachsenden Zahl von Schadprogrammen, die aufs Handy zielen: Alleine bei Mobile-Banking-Trojanern (Spionage-Programmen, die beim Online-Banking übers Handy Zugangsdaten ausspähen oder Überweisungen heimlich auf fremde Konten umlenken sollen) meldete der IT-Sicherheitsanbieter Kaspersky vergangenen Herbst eine Verdreifachung der entdeckten Schädlinge gegenüber dem Vorjahresquartal auf 7010 Programme. 

    Apples Telefon-Bezahldienst zieht Hacker an

    Dass sich das kurzfristig ändert, ist nicht zu erwarten. Umso weniger, als Apple in diesem Jahr seinen Handy-Bezahldienst Apple Pay international weiter verbreiten will – und Cyberattacken auf Mobiltelefone damit ein zusätzliches attraktives Ziel bekommen.

    Dabei meldete der zu Intel gehörende Sicherheitsdienstleister McAfee in seinem Ende 2014 veröffentlichten Sicherheitsreport schon jetzt mehr als fünf Millionen bekannte Schadprogramme, die Mobilgeräte angreifen. „Die Hacker können inzwischen auch für mobile Attacken auf regelrechte Malware-Baukästen zurückgreifen und sich die Schädlinge nach Gusto zusammenstellen“, schreibt McAfee-Sicherheitsexperte Craig Schmugar in dem Bericht.

    Vier von fünf Handys ungeschützt

    So eindeutig also die Bedrohungslage ist, so erschreckend kontrastiert sie mit der Ignoranz der Handybesitzer. 80 Prozent der Smartphones weltweit werden noch immer ohne Schutzsoftware betrieben, warnte etwa Eoghan Casey, früherer Leiter des Cyber Crime Center des US-Verteidigungsministeriums und Gründer des IT-Sicherheitsberatungsunternehmens Caseite auf der internationalen Konferenz für IT-Sicherheitsmanagement und Forensik, im vergangenen Jahr in Münster. 

    So vertreiben sich Pendler die Zeit
    Gut gerüstet96 Prozent der Befragten verfügen über ein Smartphone. 42 Prozent der befragten Pendler besitzen zusätzlich ein Tablet. Nur vier Prozent der Pendler sind ausschließlich mit einem Tablet ausgestattet. Quelle: dpa
    Das Tablet versüßt lange FahrtenWer ein Tablet hat, zieht dies am liebsten auf langen Zugfahrten aus der Tasche (85 Prozent). Auf kürzeren Strecken im öffentlichen Nahverkehr kommen die Geräte nur bei 45 Prozent zum Einsatz. Für den Blick aufs Smartphone hingegen scheint immer Zeit zu sein. Auf kurzen Strecken im öffentlichen Nahverkehr gucken 90 Prozent mindestens einmal auf ihr Smartphone, 87 Prozent tun dies auch auf längeren Zugfahrten. Quelle: Fotolia
    Kurz und gutNicht jeder liest Romane auf den smarten Geräten. Viele Pendler gucken während der Fahrt weniger als eine Minute auf den Bildschirm - meist um nachzusehen, ob sie einen Anruf oder eine E-Mail erhalten haben (87 Prozent). Mitunter dient dem Pendler das smarte Telefon auch als Uhrenersatz (79 Prozent), um schnell die Wetterlage (57 Prozent) zu erfahren oder soziale Netzwerke zu überprüfen (58 Prozent). Quelle: dpa
    Apps schlagen Mobile-BrowserOb Nachrichten lesen oder in sozialen Netzwerken surfen – meist wird dazu nicht der Browser, sondern die passende App genutzt: 63 Prozent der Befragten nutzen häufig Apps, 33 Prozent gelegentlich. Bei den 18- bis 35-Jährigen sind es sogar 76 Prozent, die Apps häufig nutzen. Quelle: dpa
    Pendler lieben soziale NetzwerkeMit 83 Prozent führt Facebook die Rangliste der am häufigsten genutzten Apps an. Es folgen YouTube, WhatsApp, Amazon und Google Maps. Ebenfalls in den Top-Ten vertreten: Anwendungen, die Onlinebanking auf dem Smartphone ermöglichen (von 49 Prozent genutzt), die Apps der örtlichen Verkehrsverbünde (45 Prozent) und Wikipedia (35 Prozent). Quelle: dpa
    Morgens Nachrichten lesenAuf dem Weg zur Arbeit wollen sich Pendler schnell auf den neuesten Stand bringen. Morgens werden deshalb am häufigsten Apps genutzt, die Pendler mit aktuellen Nachrichten versorgen. Auch Bücher werden dann gern gelesen: iBooks oder Kindle nutzen 15 Prozent der Befragten auf dem Weg zur Arbeit. Quelle: dpa
    Abends mit Freunden verabredenNach getaner Arbeit rücken Freunde und Familie auf den Radar. WhatsApp (67 Prozent) und Facebook nutzen Pendler abends häufiger. Zur Entspannung werden allerdings auch Musik Apps oder YouTube gerne geöffnet. Quelle: dpa

    Der Sicherheits-Experte verglich die Sicherheitslage bei Smartphones mit der von Windows-PCs vor 15 bis 20 Jahren. Damals arbeitete der Großteil der PC-Benutzer noch ohne Schutzprogramme auf dem Rechner, konnte sich Schadsoftware noch ungebremst über verseuchte Disketten, erste Internet-Downloads oder kontaminierte CD-ROM verbreiten.

    Angriffsziel immer erreichbar

    Nun wiederhole sich die Geschichte gewissermaßen, meint Casey. Glaubt man dem Experten, dann sind Handynutzer heute kaum weniger sorglos im Netz unterwegs – nur, dass die Hacker ihr Arsenal an Angriffswerkzeugen in den vergangenen zwei Jahrzehnten massiv ausgebaut haben. 

    „Was Mobiltelefone für Cyberkriminelle noch interessanter macht“, sagt Nigel Tan, Systemingenieur beim Sicherheitsanbieter Symantec, „ist, dass die Geräte inzwischen alle Arten persönlicher und vertraulicher Information speichern und so gut wie immer eingeschaltet sind. Sie sind das perfekte Ziel“.

    Sicherheitsrisiko Mitarbeiter und Vorstände

    Umso schwerer wiegt da, was das israelische Sicherheitsunternehmen Checkpoint in seinem Mobile Security Report 2014 ermittelt hat. Knapp 90 Prozent der dafür befragten knapp 800 IT-Experten aus den Vereinigten Staaten, Australien, Kanada, Deutschland sowie Großbritannien nennen sorglose Mitarbeiter als größere Sicherheitsbedrohung für mobile Geräte. 

    Fast zwei Drittel der Befragten vermuten denn auch, dass diese Sorglosigkeit Grund für die jüngsten öffentlichkeitswirksamen Verstöße bei Kundendaten war. Das deckt sich mit einer Erhebung des britischen Kommunikationskonzerns ebenfalls aus dem vergangenen Jahr. Gemäß dieser Befragung von IT-Verantwortlichen in Unternehmen nehmen 69 Prozent der Angestellten die Sicherheit ihrer Mobilgeräte nicht ernst. Das eine dramatisch schlechte Quote wäre – und immer noch besser als in der Vorstandsetage. Denn 72 Prozent der IT-Entscheider glauben der BT-Studie zufolge, dass auch ihre CEOs das Thema nicht sehr ernst nehmen.

    Immer mehr private Geräte mit Zugriff auf Firmendaten

    Dabei steigt das Risiko ständig. Nicht nur, weil immer mehr Hacker die Mobilgeräte auf immer neuen Wegen attackieren. Vor allem auch, weil die Zahl persönlicher Smartphones und Tablets konstant wächst, über die sich Mitarbeiter mit den Firmennetzen verbinden: 2014 verwalteten 56 Prozent der von Checkpoint befragten IT-Verantwortlichen Geschäftsdaten auf mitarbeitereigenen Geräten, 2013 waren es noch 37 Prozent.

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      Wo die Deutschen gerne mit dem Smartphone zahlen würden

      Gleichzeitig besitzt, laut BT-Studie, nur knapp ein Drittel der Unternehmen überhaupt durchsetzbare Sicherheitsrichtlinien für Mobilgeräte – und selbst die werden durchschnittlich nur alle zehn Monate überprüft. Und als wäre das nicht schon leichtsinnig genug, gibt es in der Hälfte der Unternehmen nicht mal einen Passwortschutz für die Geräte. Dass der Studie zufolge 56 Prozent der deutschen Unternehmen in den vergangenen zwölf Monaten mit Sicherheitsproblemen bei mobilen Endgeräten zu kämpfen hatten, dürfte da nicht weiter erstaunen.

      Pro Fall eine Viertelmillion Dollar Schaden

      Auch wenn die Zahlen nicht direkt vergleichbar sind, weil die CheckPoint-Umfrage sich auf mehrere Länder bezieht – die Nachlässigkeit kommt die Unternehmen teuer zu stehen: Laut Erhebung kostete die Aufarbeitung der mobilen Sicherheitsvorfälle bei 42 Prozent der befragten IT-Führungskräfte die jeweiligen Unternehmen mehr als 250.000 Dollar.

      Das ist nicht mehr als ein Indiz für die Höhe der gesamten Schäden, die Dunkelziffer ist kaum einzuschätzen. Und die Schäden, die den einzelnen Handynutzern entstehen – egal ob als Lösegeldzahlung nach Ransomware-Befall, oder weil Banking-Trojaner heimlich die Konten geräumt haben – sind da ohnehin noch nicht erfasst.

      Selbstschutz unerlässlich

      Wer es den Angreifern also zumindest etwas erschweren will, das Handy zu kapern, Adressen oder Passwörter zu klauen, der sollte (mindestens auf seinem privaten Smartphone) selbst aktiv werden und den digitalen Assistenten per Schutz-App absichern. Das gilt vor allem für Telefone, auf denen Googles Android-Betriebssystem läuft, denn das ist aktuell das Lieblingsziel der Hacker. 

      Kreative Ideen fürs alte Smartphone oder Tablet
      Alte Handys und Smartphones lassen sich gut als Notfallgeräte im Auto einsetzen. Egal ob zu Dokumentationszwecken, beispielsweise um Fotos von Blechschäden zu machen, oder als immer griffbereites Notruftelefon. Wichtig ist, dass man regelmäßig den Akku überprüft, damit das Gerät im Ernstfall einsatzbereit ist. Quelle: dpa
      Wer Kinder hat, der kann ihnen seine ausrangierten Geräte zur Verfügung stellen. Zum Spielen reichen die alten Handys meistens noch aus, ebenso wie für kurze Telefonate. Quelle: dpa
      Ein Tipp für alle, die viel mit Zahlen hantieren: Die meisten Handys verfügen über einen integrierten Taschenrechner. Quelle: dpa
      Für Seltenreisende: Ausgediente Smartphones lassen sich oft noch sehr gut als stationäre Navigationsgeräte nutzen. Bei den meisten Geräten ist grundlegendes Kartenmaterial verfügbar, sowohl kostenpflichtig als auch gratis, manche setzen allerdings eine vorhandene Datenverbindung voraus. Quelle: REUTERS
      Ausgediente Tablets müssen nicht weggeworfen werden, wenn sie technisch noch in Ordnung sind. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Nutzung als digitaler Bilderrahmen? Quelle: AP
      Viel unterwegs und keine Lust, Geld in einen WiFi-Hotspot zu investieren? Viele Mobilgeräte bieten die Möglichkeit, sie als einen eben solchen zu benutzen. Es empfiehlt sich bei dieser Nutzung, einen mobilen Datentarif zu haben, der nicht zu teuer ist. Quelle: dpa
      Big Brother is watching you: Spezielle Smartphone-Apps ermöglichen es, iPhone und Co. zur Videoüberwachung zu nutzen. Eine sind sogar mit Bewegungs- und Geräuschmelder ausgestattet, um den Akku zu schonen. Ein gutes und solides Beispiel für solche Apps: AirBeam für iOS. Quelle: dpa

      Apple hat seine Software iOS für iPhone, iPad und den iPod quasi hermetisch abgeriegelt, sodass Hacker und Viren bislang kaum eine Chance haben, mit einem vertretbaren Aufwand an Daten zu gelangen. Das gilt zumindest solange die Nutzer ihre Telefonie nicht mithilfe sogenannter Jailbreaks für die Installation externer Programme entsperrt haben.

      Bei Android dagegen lassen sich Apps ganz regulär auch aus anderen Quellen als Googles Play Store installieren, die Option lässt sich in den Systemeinstellungen aktivieren. Doch nicht nur, wer sein Gerät auf diesem Weg für Programme öffnet, die nicht Googles Qualitätskontrolle passiert haben, läuft Gefahr sich Handy-Viren einzufangen. Auch im Play Store selbst tauchen regelmäßig Schadprogramme auf, die durch den – gemessen an Apple offenbar laxeren – Sicherheitsfilter von Google gerutscht sind.

      Guten Grundschutz gibt's gratis

      Ein Schutz-Programm fürs Handy ist daher inzwischen mindestens so wichtig wie das Pendant auf PC oder Laptop. Und wie in der klassischen Computerwelt bieten inzwischen alle populären Hersteller von Sicherheits-Software auch entsprechende Apps fürs Handy an – darunter unter anderem AVG, Avast, Bitdefender, Comodo, F-Secure, G Data, Kaspersky, Lookout, McAfee und Symantec.

      Die Suche im Google Play Store nach Stichwörtern wie „Virenscanner“ liefert Hunderte Ergebnisse.

      Hier eine Übersicht der prominentesten Anbieter und der von ihnen unterstützten mobilen Plattformen:

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         AndroidiOSBlackberryWindows Phone
        AviraXX  
        AVG XXXX
        AvastX   
        Bitdefender X   
        Bullguard X   
        Comodo X   
        F-Secure X   
        GDataX   
        Kaspersky X   
        Lookout XX  
        McAfee XX  
        Sophos X   
        SymantecXX X

        Wie in der PC-Welt sind auch am Smartphone die Basisversionen der Programme in der Regel kostenlos, allerdings ebenfalls zumeist funktionsbeschränkt. Doch für den Durchschnittstelefonierer, da sind sich die meisten Experten einig, bieten sie brauchbaren Schutz.

        Wer nur hin und wieder Apps installiert, und das ausschließlich aus offiziellen Quellen, wer zudem genau darauf achtet, welche Zugriffsrechte die gewünschten Apps bei der Installation gewährt haben wollen, der ist mit den Gratisprogrammen ordentlich bedient.

        Und wer mehr will – mal ist das der Virenschutz für eingehende E-Mails, mal eine Browser-Erweiterung zum Schutz vor dem Aufruf verseuchter Web-Seiten – muss auf die kostenpflichtige App umsteigen. Die kostet dann – je nach Anbieter – zwischen 10 und 30 Euro.

        Gemessen am Schaden, den ein einziger erfolgreicher Angriff auf die Banking-Software im Handy nach sich ziehen kann, ist das allerdings ziemlich wenig.

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