Mobiles Zahlen ohne Kreditkarte Ein Überlebensstrohhalm für die SMS

Die SMS scheint wie ein Relikt aus alter Zeit. Als Bezahlmittel hätte sie aber weiterhin großes Potential, was weitgehend ignoriert wird.

So bezahlen die Deutschen im Netz
Das Electronic-Commerce-Center Handel vom Kölner Institut für Handelsforschung und die Hochschule Aschaffenburg haben in ihrer aktuellen Payment-Studie
Prepaid-Karten nutzen ein Prozent der Online-Shopper zum Bezahlen im Netz. Die Prepaidkarten gibt es, wie auch Handy-Prepaidkarten, im stationären Handel zu kaufen. Das jeweilige Guthaben kann dann bei Online-Einkäufen ausgegeben werden. Bei den Smartphone-Einkäufen haben immerhin 17,2 Prozent schon einmal auf eine solche Guthabenkarte zurückgegriffen. Quelle: Fotolia
Viele Geschäfte, die einen Online-Shop betreiben, bieten ihren Kunden an, die Ware online zu bestellen und in der Filiale abzuholen. Bezahlt wird dann bar oder mit EC-Karte bei Abholung. Das Prinzip widerspricht zwar dem Gedanken des E-Commerce, wird aber von Online-Kunden akzeptiert: 1,2 Prozent nutzen diese Option. Bei den Usern, die ihre Einkäufe per Smartphone tätigen, haben 18,2 Prozent schon per Handy bestellt und die Ware dann persönlich abgeholt und bezahlt. Quelle: dpa
Auf das Bezahlsystem ClickandBuy greifen 1,4 Prozent zurück. Bei den Smartphone-Shoppern ist das Bezahlsystem weiter verbreitet als bei den PC-Nutzern. 15,2 Prozent der Handy-Kunden haben das Bezahlsystem von der Telekomtochter schon einmal benutzt. Laut Unternehmensangaben kann weltweit bei mehr als 16.000 Online-Shops per Clickandbuy bezahlt werden. Bekannte Shops sind unter anderem T-Online Musicload, der Apple iTunes Store, Spiegel Online, Parship, Media Markt und buch.de. Quelle: Screenshot
Immer noch weit verbreitet ist die vergleichsweise teure Nachnahmezahlung, bei der der Kunde die Ware plus eine Gebühr beim Paketzusteller bezahlt. Zwei Prozent wählen diese Option beim Online-Einkauf. Mit dem Smartphone entschieden sich 17,6 Prozent für die Bezahlung bei Lieferung. Quelle: Presse
Das System Sofortüberweisung ist umstritten, weil beim Bezahlen mit diesem Dienstleister neben der Kontonummer auch die Online-Banking-Pin und die entsprechende Tan eingegeben werden müssen. Sofortüberweisung tätigt dann quasi die Online-Überweisung für den Kunden - mit dessen Daten. Eine solche Weitergabe der Pin und Tans verbieten viele Banken ihren Kunden in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Die Firma Sofort AG versichert, dass mit den Daten kein Schindluder getrieben wird und die Kunden scheinen dem Unternehmen zu vertrauen. 3,6 Prozent der Transaktionen, die die Studie untersucht, wurden mit Sofortüberweisung bezahlt. Bei den Einkäufen, die mit dem Smartphone getätigt wurden, waren es 22,1 Prozent. Quelle: Screenshot
Mit Amazon Payments können User ihre Amazon-Kundenkonten auch bei Onlineshops nutzen, die nicht zu Amazon gehören und müssen keine Zahlungsdaten wie Kontonummer und Bankleitzahl offenlegen. Für Händler, die diesen Dienst anbieten, müssen allerdings eine Transaktionsgebühr an Amazon zahlen. Für Amazon-Kunden ist das Modell kostenlos. Dementsprechend nutzen 5,3 Prozent ihr Amazon-Konto beim Online-Einkaufsbummel, auch wenn sie gar nichts bei Amazon einkaufen. Quelle: Screenshot

Fünf Jahre nach der Deutschen Post zieht nun die Schweizerische Post nach und bietet einen Service, um die Briefmarke für einen Standardbrief per SMS zu kaufen. Die beiden Dienste funktionieren praktisch identisch. Der große Unterschied: Während die Idee 2008 noch innovativ war, wirkt eine SMS-Lösung heute ziemlich altbacken. Auf den zweiten Blick zeigt sich aber, wo die gute alte SMS gegenüber Apps doch noch die Nase vorn hat: Das Inkasso ist schon mit dabei.

Online-Bezahlung als Dauerbaustelle

Online-Zahlung ist auch im Jahr 2013 tatsächlich immer noch ein Problem. Trotz vieler Bemühungen hat sich noch kein Zahlungsdienst so richtig breit durchgesetzt. Zwar zeigen Studien, dass Paypal in Deutschland die häufigste Zahlungsart im Online-Geschäft ist. Die Vermutung liegt jedoch nahe, dass dies oft nur mangels Alternativen der Fall ist.

Gerade die Zahlung per Rechnung wird von vielen Usern immer noch bevorzugt – für Händler besteht dabei jedoch kein unwesentliches Inkassorisiko. Häufig bleibt dann noch die Bezahlung per Kreditkarte. Auch diese ist aber oft nur das geringste Übel, sind die Zahlungsprozesse doch alles andere als benutzerfreundlich und die Angst vor Missbrauch der Daten schwingt in so manchem Hinterkopf mit – wenn auch nicht unbedingt begründet. Nimmt man noch die Problematik dazu, dass Händler im Bereich Micropayment eigentlich überall hohe Gebühren zahlen müssen, ergibt sich in der Summe ein Armutszeugnis für das Web: Ein befriedigender Vorgang der Online-Zahlung ist eigentlich noch ausstehend.

Ausgerechnet die SMS bietet an dieser Stelle einen entscheidenden Vorteil: Die Premium-SMS (in Deutschland übrigens erst seit 10 Jahren verfügbar) kann dem Endkunden mit einem Preis von bis zu 5 Euro zugestellt werden und wird direkt dessen Mobilfunkrechnung belasten. Kein zusätzlicher Account und keine Kreditkarte ist notwendig. Zwar hat die Premium SMS einen schlechten Ruf, doch eigentlich wäre sie ein geeignetes Mittel für die Telekommunikationsanbieter um den wegen Gratis-Messengern wie WhatsApp laufend sinkenden SMS-Umsätzen etwas entgegenzusetzen. Die Voraussetzungen sind eigentlich ideal: Die User-Daten sind bereits vorhanden, das Inkasso-System steht bereit und die Technologie ist auch jedermann zugänglich.

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