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Mobilfunk Das Handy wird zur Kreditkarte

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Geldbörsenhandys

Die neuen mobilen Bezahlmethoden haben das Potenzial, unser Konsumverhalten grundlegend zu verändern. So werden wir per Handy an Orten einkaufen können, wo das bisher gar nicht möglich war. Zum Beispiel vor Werbeplakaten, zu denen wir per Funk mit unserem Smart-phone Kontakt aufnehmen. Und obwohl wir uns für unbestechlich halten, werden wir uns wohl mitunter doch von Rabatten, Gutscheinen oder Punktekarten ködern lassen, die uns Werber beim Bezahlen mit der NFC-Technik aufs Handy überspielen.

Ein mögliches Szenario: Sie sind mit dem Smartphone in der Stadt unterwegs und kommen an einem Werbeposter für den nächsten Bond-Film vorbei. Das NFC-Logo auf dem Plakat verspricht Zusatzinfos, wenn Sie Ihr Telefon an die Tafel halten. Als alter Bond-Fan tun Sie das sofort, und auf dem Display erscheint erst eine Filmvorschau, danach die Spielzeiten der umliegenden Kinos und schließlich ein Rabattangebot von zehn Prozent, wenn Sie sofort Ihr Ticket ordern.

Mit einem Fingertipp aufs Telefondisplay buchen Sie zwei Karten, die umgehend in Ihrem Handy und dem Ihrer Begleitung gespeichert werden. Am Drehkreuz im Kino werden die Codes auf beiden Handys via NFC-Chip ausgelesen und als Eintrittskarte akzeptiert.

Geldhandy als persönliche Plakatwand

Die neue Technik bietet der Werbebranche ganz neue Möglichkeiten: Ob Gewinnspiel oder Einkaufsgutschein, das Geldbörsenhandy wird zur persönlichen Plakatwand, auf die sich – passend zum Standort – individuelle Angebote senden lassen. So können Restaurantbesitzer mit dem Handyprogramm Enable Table ihren Kunden via Nahfunk Rabattcoupons schicken. Der NFC-Sender steckt in der ledernen Kladde, in der die Kellner die Papierrechnung zum Tisch bringen.

Manchem mögen solche Szenarien vertraut vorkommen. Zu Recht. Die Vision vom Handy als Geldbörse ist nicht neu. Schon vor gut einem Jahrzehnt versicherten Handyhersteller, Banken und Telekom-unternehmen, die Tage des Bargelds seien gezählt. Tatsächlich aber verschwanden statt der Münzen und Scheine die Anbieter der ersten Handyzahlsysteme wieder vom Markt, etwa SimPay und Luupay. Allzu umständlich war die Bedienung der Dienste, zu komplex die Abläufe, zu hoch die Gebühren oder zu gering die Marktabdeckung.

Und selbst manches heute noch existierende Angebot macht es seinen Nutzern unnötig schwer. Geradezu exemplarisch zeigt sich das beim Parken: So können Autofahrer in vielen deutschen Städten per Anruf oder SMS-Nachricht virtuelle Parkscheine ziehen, statt zum Automaten laufen zu müssen. Doch bei einigen der deutschlandweit sieben Anbieter müssen sie sich erst im Internet anmelden. Zudem fällt bei der Buchung per SMS eine Gebühr an. Und vielen Handylaien oder älteren Menschen ist das Ganze schlicht zu kompliziert.

Erfolg im zweiten Anlauf

Mit den neuen Smartphones soll das endlich einfacher werden. Die Software Bump eines gleichnamigen US-Startups etwa benutzt die Bewegungssensoren moderner Mobiltelefone, um Geldversenden quasi im Handumdrehen zu erledigen: Wer einem anderen Handybesitzer 20 Euro überweisen möchte, öffnet das Programm auf beiden Telefonen, tippt den Betrag ein und stupst die Telefone kurz zusammen. Ein Server, der die Bewegungsprofile der Handys aller aktiven Bump-Nutzer auswertet, erkennt den Zusammenstoß – und überweist das Geld.

Ganz ohne Tippen funktioniert das Bezahlen mithilfe sogenannter QR-Codes. Das sind quadratische Verwandte des Barcodes, die verschlüsselte Daten enthalten – etwa den Namen des Restaurants und den Betrag der Rechnung. Fotografiert der Gast diesen QR-Code mit dem Handy, setzt eine Software den Zahlungsauftrag übers Mobilfunknetz in Gang.

Vorteil des Systems, das auch der Essener IT-Dienstleister Itellium anbietet, ist nicht nur die einfache Handhabung. Auch muss der Gast nicht mehr seine Kreditkartendaten an den Kellner weitergeben. Zudem werden QR-Codes zunehmend als Ticket eingesetzt, zum Beispiel für den automatischen Check-in bei der Lufthansa oder bei Fahrkarten der Deutschen Bahn.

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