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Mobilfunk Das Handy wird zur Kreditkarte

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Grafik: Die drei wichtigsten Zahlungsverfahren, mit denen das Handy zur Kreditkarte mutiert

Experten wie Key Pousttchi, Leiter der Forschungsgruppe wi-mobile der Uni Augsburg, sehen darin allerdings nur eine Übergangslösung. Die Zukunft gehöre der Funktechnologie, ist der Experte für mobile Bezahlsysteme überzeugt: "Der NFC-Chip spannt eine Brücke zwischen der digitalen und der realen Welt", sagt Pousttchi. "Er kann unseren Umgang mit dem Mobiltelefon vollständig verändern."

So können Testkunden der Deutschen Bahn bereits mit dem System „Touch & Travel“ auf ausgewählten Strecken ihr Ticket drahtlos zahlen. Die Handys stellt ihnen das Unternehmen zur Verfügung.

Vor Fahrtantritt hält der Kunde sein Telefon an sogenannte Touchpoints – blau markierte Lesegeräte am Bahnsteig. Im Zug sind die Schaffner mit NFC-fähigen Kontrollgeräten ausgestattet. Am Reiseziel schließlich meldet sich der Passagier am nächsten Touchpoint wieder ab. Aus den Daten errechnet ein Computer die Strecke und den Fahrpreis. Einmal im Monat erhalten die Kunden eine "Mobilitätsabrechnung". Künftig sollen auf diese Weise auch Passagiere im Nahverkehr oder Autofahrer im Parkhaus Schlangen am Ticketautomaten umgehen können.

Die Technik sei genauso sicher wie andere bargeldlose Verfahren, sagt Marcel Pirlich vom Bundesverband Digitale Wirtschaft. Denn zum einen sei der Nahfunk schon ab wenigen Zentimeter Entfernung abhörsicher. Zum anderen die Datenübertragung verschlüsselt. Und ähnlich wie bei EC-Karten könne eine Geheimzahl-Abfrage Missbrauch zusätzlich erschweren; etwa im Supermarkt.

Klassisches Henne-Ei-Problem

Der Haken bisher: Noch gibt es nur ein Dutzend Handymodelle, die NFC-Technik schon unterstützen. Ohne ein dichtes Netz an Geschäften mit Lesegeräten war die Technik für Handyhersteller bisher sinnlos. Andersherum stellten sich nur wenige Händler die passenden Lesegeräte neben die Kasse, wenn es an der ausreichenden Zahl von NFC-Handys mangelt. "Ein klassisches Henne-Ei-Problem", sagt Klaus von den Hoff, Telekommunikationsexperte bei Arthur D. Little.

Das ändert sich nun: Mit dem Boom der Handy-Apps gewinnt die NFC-Technik bei den Telefonherstellern Schwung. Und getrieben vom wachsenden Konkurrenzdruck aus der Handy- und Internet-Branche, rüsten die Branchenriesen Visa und Mastercard ihre Kreditkarten mit NFC-Chips aus. Allein 83 Millionen Menschen besitzen inzwischen eine Funkkarte von Mastercard, 265.000 Geschäfte weltweit ein berührungsloses Lesegerät dafür.

Für Kleinstbeträge attraktiv

Bei Beträgen bis 25 Euro geben Mastercard-Kunden an der NFC-Kasse nicht einmal mehr ihre Geheimnummer ein. Falls einmal eine gestohlene Karte verwendet wird, übernehme die ausgebende Bank den Schaden, verspricht das Unternehmen. Das soll die Technik für Kleinstbeträge attraktiv machen. Bisher zahlen die Deutschen knapp 94 Prozent ihrer Einkäufe zwischen 5 und 20 Euro in bar.

Und so stehen die Chancen nicht schlecht, dass die NFC-Offensive der Kreditkartenriesen endlich auch dem NFC-Handy als Bezahlterminal zum Erfolg verhilft. Zumal findige Unternehmer bereits Wege gefunden haben, wie sich selbst Abermillionen kommunikatorischer Oldtimer noch für den funkenden Zahlungsverkehr der Zukunft fit machen lassen.

Das kalifornische Startup Bling Nation etwa hat einen quietschbunten NFC-Sticker entwickelt, den sich die Nutzer auf ihr Handy kleben können. Nach dem Einkauf verschickt Bling eine Zahlungsbestätigung per SMS. Die können selbst Uralt-Telefone noch empfangen.

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