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Mobilfunkmesse Handyhersteller setzen auf Spielernaturen

Fotoapparate, Musikspieler, Wecker und Navigationsgeräte sind Mobiltelefone schon. Jetzt sollen sie - endlich - auch Spielekonsolen werden. Die Chancen stehen gut, berichtet Thomas Kuhn aus Barcelona.

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Für Spielernaturen: Das Quelle: REUTERS

Gerade einmal gut zwei Wochen ist es her, dass der japanische Elektronikriese Sony den Nachfolger seiner mobilen Spielkonsole Playstation Portable vorgestellt hat. Die vorerst nur NGP – Next Generation Portable Gaming System (NGP) – genannte Spielebox wird (unter anderem) auch Funkmodule für WLAN- und UMTS-Mobilfunknetze besitzen und damit eine Art Zwitter zwischen einer Daddelbox und einem Handy sein.

Auf dem Mobile World Congress nun zieht die Konzernschwester SonyEricsson nach. Am Vorabend der Messe habt das Joint Venture des japanischen Elektronikriesen und des schwedischen Kommunikationskonzerns (neben einer knappen Handvoll weiterer Telefone) auch sein Spiele-Smartphone Xperia Play vorgestellt. Das ist so etwas wie die NGP mit umgekehrtem Vorzeichen. Sozusagen ein Telefon mit Spielernatur.

Denn unter dem großen Bildschirm des Android-Telefons – dort, wo Smartphones für Geschäftskunden üblicherweise das Mäuseklavier einer Mikro-Schreibmaschinentastatur verbergen – besitzt das „Play“ sich das vollwertige Tastenset eines klassischen Game-Controllers.

Mobiles Spielen als Wachstumstreiber

Wer beim Warten auf den Bus oder beim Pendeln mit dem Vorortzug Lust auf eine Runde Autorennen oder eine Lage Science-Fiction-Geballer verspürt, dreht das Telefon von hoch auf quer, schiebt die Tasten unter dem Bildschirm hervor. Und los geht’s.

Beim ersten Test auf der Messe spielte das Xperia Play nur drei Gaming-Titel aus dem Android Market ab. Doch schon jetzt ist absehbar, dass dem noch viele weitere folgen werden. Vor allem aus dem reichhaltigen Fundus der Spiele für Sonys Playstation-Modelle One und 2. Denn zeitgleich mit der Vorstellung der NGP hatten die Japaner bereits angekündigt, zahlreiche Spiele der älteren Konsolen im Rahmen der sogenannten Playstation Suite so anzupassen, dass sie auch auf entsprechend ausgestatteten Android-Handys spielbar werden. Das Xperia Play ist insofern auch so etwas wie der Prototyp künftiger Playstation-tauglicher Mobiltelefone.

Denn das mobile Spielen, das wird in diesen Tagen in Barcelona klar, gilt bei allen großen Anbietern als einer der Treiber fürs künftige Mobilfunkgeschäft. Und zwar gleichermaßen für den Verkauf von Geräten, als auch für den Absatz von Online-Diensten.

So hat etwa der taiwanesische Smartphone-Spezialist HTC erst kürzlich den Internet-Anbieter OnLive übernommen, über dessen Download-Plattform sich – auch – Computerspiele schnurlos aus dem Netz auf mobile Telefone oder andere vernetzte Endgeräte übertragen lassen.

LG mit erstem 3D-Handy

Und der koreanische Elektronik-Spezialist LG sorgte am ersten Messetag mit seinem Smartphone LG Optimus 3D für Aufsehen. Das besitzt erstmals ein spezielles Display, das der Nutzer auf Wunsch von 2D- auf 3D-Darstellung umschalten lässt und dem Besitzer das Betrachten räumlicher Fotos, Videos und – richtig! – Computerspiele ermöglicht. Und zwar ohne dass dafür eine Spezialbrille nötig wäre.

Der Effekt ist verblüffend und von LG gut gelöst. Wer den 3D-Modus aktiviert und das ebenfalls auf Android basierende Telefon eine knappe Armlänge von sich entfernt hält, sieht die Bilder und Filme tatsächlich mit einem sehr ordentlichen 3D-Effekt. Zumindest für einen Spieler, denn die Reflektionstechnik funktioniert nur für einen Betrachter, der direkt auf das Display schaut. Wer von der Seite blickt, dem bleibt der Effekt verborgen.

Denn um den räumlichen Eindruck zu erzeugen, aktiviert das Telefon eine spezielle, zusätzliche Displayschicht, die ähnlich den alten 3D-Postkarten, die horizontalen Bildspalten so zur Seite reflektiert, dass immer nur ein Teilbild auf die Netzhaut des linken und rechten Auges trifft. Das halbiert zwar die sichtbare Bildauflösung gegenüber einem herkömmlichen 2D-Bild, reicht aber für die Wiedergabe räumlicher Aufnahmen und Computerspiele aus.

Selbst Microsoft setzt auf Spiele

Weniger auf optische Effekte als vielmehr auf schiere Rechenpower beim Gaming setzt der zweite große koreanische Anbieter, Samsung. Die Entwickler des Elektronikkonzerns haben ihrem neue Modell Galaxy S2 nämlich einen selbst entwickelten Dual-Core-Prozessor verpasst, der so Rechenleistung fast schon im Überfluss liefert. Auch fürs Spielen, denn auch Samsungs neues Android-Topmodell, soll – neben einer Vielzahl von Zielgruppen – die mobilen Spieler begeistern.

Wie groß die Zielgruppe tatsächlich ist, darüber herrscht in der Branche noch Uneinigkeit. Doch angesichts der wachsenden Zersplitterung des Marktes rücken nun eben auch spezielle Nutzergruppen in den Fokus der Gerätehersteller – und die Computerspieler sind da eine ebenso zahlungskräftige wie anspruchsvolle Kundschaft.

Eine Erkenntnis, die übrigens auch Microsoft gewonnen hat. Wie am Rande der Messe verlautete, gehört bei Smartphones mit Microsofts Betriebssystem Windows Phone 7 das Programmmodul mit den Spieleangeboten laut Nutzerbefragungen zu den beliebtesten Anwendungen der neuen Windows-Handys.

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