Netzausbau Internetanschlüsse sind langsamer als versprochen

Die Ergebnisse einer aktuellen Studie der Bundesnetzagentur kommen nicht wirklich überraschend: Nur in den wenigsten Fällen ist die Netzqualität so gut, wie bei Vertragsabschluss vom Provider versprochen.

LAN-Kabel stecken in Berlin in einem Großrechner. Quelle: dapd

Die Internetanschlüsse in Deutschland erreichen in den meisten Fällen nicht die Bandbreite, wie sie von den Netzanbietern versprochen wird. Das Ergebnis zeigt eine Befragung der Bundesnetzagentur, an der auf der Seite www.initiative-netzqualitaet.de mehr als 226.000 Personen freiwillig teilgenommen haben. Für die Angaben mussten die Befragten mit einer Messsoftware arbeiten, die sich über eine App bedienen ließ und an 26 Messplattformen in ganz Deutschland ansetzte. Die Messgenauigkeit wurde über Stichproben überwacht.

„Die Messstudie bestätigt die Vielzahl der Kundenbeschwerden über Abweichungen zwischen der vertraglich vereinbarten bis zu-Bandbreite und der tatsächlichen Bandbreite“, teilte die Bundesnetzagentur in einer Pressemeldung mit. Getestet wurden DSL-, Kabel- und Mobilfunkanschlüsse. Konkret kann nur jeder fünfte Nutzer so schnell surfen, wie es in seinem Vertrag steht. Und jeder dritte bekommt nur halb so viel oder noch weniger Breitband gestellt.

Starke Abweichungen bei LTE

Bei der Betrachtung der Bandbreitklassen zeigt sich ein großer Unterschied bei den Datenübertragungsraten. Die geringsten Abweichungen sind in der untersten Bandbreiteklasse mit kleiner als zwei Mbit/s aufgetreten. Demgegenüber lagen die größten Abweichungen in der obersten Bandbreiteklasse 50-100 Mbit/s für Kabelanschlüsse und 25-50 Mbit/s für LTE-Anschlüsse. Auch die Klasse zwischen 8-18 Mbit/s für DSL-Anschlüsse schnitt besonders schlecht ab.

Fakten rund um LTE

Bei den gemessenen LTE-Anschlüssen konnte zudem eine starke Abweichung zur vermarkteten Datenübertragung gezeigt werden. Da die sehr hohen Bandbreiten überwiegend in städtischen Gebieten vermarktet wurden, könnte sich hier die hohe Dichte von Nutzern mit Smartphones und Tablets bereits spürbar auf die erzielten Datenübertragungsraten ausgewirkt haben. Zwar betrachtet die Studie ausschließlich stationäre LTE-Anschlüsse, diese teilen sich aber die Netzinfrastruktur auch mit mobilen LTE-Endgeräten. Ansonsten zeigten sich zwischen ländlichen und städtischen Regionen nur geringe Differenzen.

Desweiteren ergab die Studie, dass der Webseiten-Download per Kabel-Anschluss in den Abendstunden bis zu 15 Prozent schlechter ist als über Tag.

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Die Ergebnisse überraschen wenig. Schon lange hält sich das Gerücht, dass die Netzanbieter ihre Breitbandqualität besser anpreisen, als sie eigentlich ist. Die Bundesnetzagentur kritisierte, dass die Internetanbieter in ihren Standardverträgen nur ungenaue Angaben über die Kapazität der Anschlüsse machten. "Der Kunde weiß so nur vage, mit welcher Leistung er konkret rechnen kann", sagte Jochen Homann, Chef der Netzagentur gegenüber Zeit Online. Die Behörde will sich nun für mehr Transparenz stark machen.

Die Netzagentur wies zudem darauf hin, dass die Unternehmen laut Gesetzesbeschluss einen Vertragswechsel ohne längere Leitungsunterbrechung ermöglichen müssen. Bei der Behörde seien Tausende Beschwerden darüber eingegangen, dass gerade nach einem Anbieterwechsel die Leitung über einen deutlich längeren Zeitraum tot bleibt.  

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