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Netzausbau Telekom-Riesen planen Europa-Netz

Im Streben, den Anschluss an die Konkurrenz in den USA und China zu finden, plant die Telekom laut Medienberichten den Aufbau eines europäischen Telefonnetzes. Die Aktie reagierte sofort und schoss nach oben.

Telekom Quelle: dapd

Europas größte Telekomkonzerne denken einem Pressebericht zufolge über die Vereinigung ihrer Telefonnetze nach. Dadurch wollen sich die einzelnen Vertreter gegen die mächtige globale Konkurrenz aus den USA und China zur Wehr setzen.

Die Überlegungen der ehemaligen Staatsmonopolisten, die nationalen Märkte zu einem gigantischen europäischen Gemeinschaftsnetz zu vereinen, seien bei einem privaten Treffen der Manager im November mit EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia aufgekommen, berichtet die „Financial Times“ am Mittwoch unter Berufung auf eingeweihte Personen.
Demnach hatten sich die Spitzen der größten Branchenvertreter wie der Deutschen Telekom, dem spanischen Marktführer Telefonica, France Telecom und Telecom Italia mit Almunia getroffen, um zu besprechen, wie die Branche wieder den Anschluss an die Konkurrenz in den USA und China finden könnte. In diesen beiden Ländern teilen sich nur wenige Konzerne einen riesigen Markt. In Europa ist der Markt hingegen in eine Vielzahl von Ländern aufgeteilt, innerhalb derer sich zahlreiche Anbieter Konkurrenz machen.

Stärken und Schwächen der Telekom
Schwäche1: Bereinigte Kennzahlen verzerren das BildWie fast kein anderes Unternehmen ist die Deutsche Telekom dafür bekannt, in ihren Zahlen ständig irgendwelche Sondereinflüsse auszuweisen. Berichtete und bereinigte Kennzahlen weichen regelmäßig meilenweit voneinander ab. Der Konzern hat zwar immer zahlreiche Begründungen für die Bereinigungen parat. Gleichwohl ist nicht von der Hand zu weisen, dass diese die Berichterstattung komplexer und schwerer verständlich machen. Allein im Geschäftsjahr 2011 liegen berichtetes und bereinigtes Konzernergebnis 2,3 Milliarden Euro auseinander. Aufwendungen, die der Konzern als Sondereffekte deklarierte und somit auch bereinigte, waren unter anderem Ausgaben für den Konzernumbau wie etwa Personalmaßnahmen sowie Firmenwertabschreibungen auf die Tochtergesellschaften T-Mobile in den USA und OTE in Griechenland. Quelle: AP
Als positiven Sondereffekt bereinigte die Telekom die Ausgleichszahlung, die der Konzern vom US-Konkurrenten AT&T für das Platzen des T-Mobile USA-Deals erhielt. Zunächst sind alle diese Bereinigungen verständlich. Experten kritisieren aber, dass manche Sondereffekte seit Jahren auftreten - wie etwa die Aufwendungen für den Stellenabbau. Aus Konzernkreisen heißt es dazu, dass die Sondereffekte, die den Konzernumbau betreffen, in der Zukunft abnehmen werden. Einmaleffekte aus Unternehmenstransaktionen (M&A) will die Telekom aber weiterhin bereinigen, um sich innerhalb der Branche vergleichbar zu machen. Quelle: dapd
Schwäche 2: Schuldenberg drückt auf die BilanzEin Trostpflaster gibt es für die Telekom-Aktionäre. Die US-Tochter T-Mobile ist der Bonner Konzern im vergangenen Jahr zwar nicht losgeworden. Die Ausgleichszahlung für das Platzen des Deals von AT&T in Höhe von umgerechnet 2,3 Milliarden Euro half dem Konzern aber an anderer Stelle: Die Telekom konnte ihre Nettofinanzschulden - also die Differenz aus Bruttofinanzschulden und Zahlungsmitteln - um 2,2 Milliarden Euro oder 5,1 Prozent senken. Gleichwohl bleiben die Nettofinanzschulden mit 40,1 Milliarden Euro weiterhin hoch. Im Verhältnis zum Eigenkapital machen die Nettofinanzschulden 100 Prozent aus. Zudem betragen sie das 2,1-Fache des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Quelle: dapd
Damit bleibt die Telekom zwar innerhalb ihres eigenen Zielkorridors. Von den Ratingagenturen wird der Konzern aber - unter anderem wegen der hohen Verschuldung - nur mit BBB+ (S&P, Fitch) beziehungsweise Baa1 (Moody's) bewertet. Damit liegt die Telekom nur drei Stufen über Ramschniveau. Ratingagenturen ziehen bei ihrer Bonitätsbeurteilung auch die Pensionsverpflichtungen hinzu. In ihrer Bilanz weist die Telekom 6,1 Milliarden Euro an Rückstellungen für die Altersversorgung ihrer Mitarbeiter aus. Ihre Nettoschulden erhöhen sich aus Sicht der Ratingagenturen entsprechend. Der geplante Verkauf der Tochter T-Mobile USA an den US-Konkurrenten AT&T für 39 Milliarden Dollar hätte die Schulden auf einen Schlag reduziert. Nun, da der Deal geplatzt ist, muss der Bonner Konzern Alternativen finden. Quelle: dpa
Schwäche 3: Das Auslandsgeschäft bleibt mühevollUm das schrumpfende Geschäft im Heimatmarkt zu kompensieren, hat die Telekom in zahlreiche Auslandsmärkte investiert - mit gemischtem Erfolg. In den USA fällt es der Telekom-Tochter T-Mobile zunehmend schwer, mit starken nationalen Konkurrenten wie Verizon und AT&T zu konkurrieren. Der geplante Verkauf der Sparte an AT&T hatte daher Begeisterung bei den Investoren ausgelöst. Seit der Deal wegen kartellrechtlicher Bedenken der US-Behörden scheiterte, warten die Aktionäre auf eine Alternative von Konzernchef René Obermann. In Griechenland ist die Telekom mit 40 Prozent an OTE beteiligt. Neben der Schuldenkrise machen dem Konzern dort vor allem die immer strengere Regulierung und die höheren Steuern zu schaffen. Quelle: dpa
Die Telekom spielt daher auch schon die Konsequenzen eines Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone durch. Es heißt, der Konzern sei dabei zu dem Ergebnis gekommen, dass die griechische Tochter OTE danach auch ohne Hilfen der deutschen Mutter überlebensfähig sei. OTE muss auch im Falle eines Währungswechsels und einer spürbaren Abwertung der Drachme die finanziellen Verpflichtungen erfüllen können. Denn noch laufen Kredite und Anleihen in Euro, der Kapitaldienst würde sich drastisch verteuern. Weil OTE mit dem Mobilfunk momentan gutes Geld verdient und sich vor allem im ersten Quartal positive Trends zeigten, könne die OTE ihre Finanzierung allein stemmen, so die Hoffnungen der Telekom. Quelle: dpa
Stärke 1: Anleger werden bei Laune gehaltenAls Wachstumswert kann die Telekom ihre Aktie den Investoren nicht verkaufen, dafür aber als Dividendenpapier. Bis einschließlich nächstes Jahr garantiert der Konzern die Ausschüttung sogar. Wie im Vorjahr sollen die Aktionäre für das abgelaufene Geschäftsjahr daher 70 Cent je Aktie erhalten. Das entspricht einer Ausschüttungssumme von drei Milliarden Euro. Bei einem Konzernüberschuss von nur 557 Millionen Euro im Jahr 2011 erscheint der Betrag zunächst riesig. Doch da das Nettoergebnis durch zahlreiche Sondereinflüsse belastet ist, misst die Telekom ihre Ausschüttungsquote lieber am Free Cash-Flow. Das sind die freien Mittel, die nach Abzug der Investitionen in Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte von den Zuflüssen aus dem operativen Geschäft noch übrig bleiben. Diese Relation liegt 2011 mit 43 Prozent unter dem Vorjahreswert von 59 Prozent. Quelle: dpa


Der Branche machen nationale Beschränkungen und die wachsende Konkurrenz durch globale Technologiekonzerne wie Google zu schaffen. Um ihre Profitabilität zu steigern und Geld für dringend benötigte Investitionen in neue Netze zusammenzubekommen, rufen Netzbetreiber seit Jahren nach einer Konsolidierung innerhalb der Länder. Nach Schätzungen könnten Kosten von 250 bis 300 Milliarden Euro nötig sein, um das Netz neu auszurichten und die Haushalte an das europäische Gemeinschaftsnetz anzuschließen. Laut europäischem Branchenverband ETNO sind es die großen Unternehmen, die zwei Drittel der Investitionen zu tragen hätten.

EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia hat sich zum Frust der Telekommunikations-Riesen klar gegen dagegen ausgesprochen. Stattdessen signalisierte er Offenheit für Schulterschlüsse über nationale Grenzen hinweg. Aus der Not der Netzbetreiber, die Kosten zu senken, und der Unmöglichkeit, sich innerhalb der Länder zu konsolidieren, könnte aus getrennten nationalen Märkten ein europäischer Markt entstehen.

Sollten die Gerüchte stimmen und der Netzzusammenschluss wirklich kommen, gilt es im Vorfeld allerdings noch einige bürokratischen und technische Hürden zu überwinden. Die 27 EU-Mitgliedsstaaten verfügen über unterschiedliche nationale Regeln und Rechte. Auch die Technik unterscheidet sich zum Teil erheblich.

Für den Verbraucher könnten sich aus der Kooperation Vorteile ergeben. Wären doch durch ein gemeinsames Netz auch grenzübergreifend einheitliche Tarife möglich.

Seitens des Branchenverbandes ETNO wurde derweil weiter bestritten, dass die Schaffung eine paneuropäische Kooperation bei dem Treffen Ende November Themen gewesen ist. Einige Geschäftsführer des Verbandes hätten lediglich mit Almunia Aspekte näherer Kooperationen diskutiert.

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Doch selbst die Gerüchte sind bei den Anlegern am Mittwoch gut angekommen. Die Telekom-Aktien legten im Dax bis zu 2,5 Prozent auf 9,05 Euro zu und zählten damit zu den größten Gewinnern. Auch die Aktien der France Telecom, der Telecom Italia und der Telefonica zogen um zwei bis drei Prozent an. Nach einem Bericht der "Financial Times" haben die Chefs der Telekom-Riesen bei einem privaten Treffen mit dem EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia über den Aufbau einer länderübergreifenden Infrastruktur beraten. "Wenn man sich die Infrastruktur teilt, ist das eine Senkung der Kosten", fasste ein Händler zusammen. Das sei zwar nicht ganz neu, helfe den Aktien aber dennoch.

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