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Netzneutralität Das Ringen um das Zwei-Klassen-Internet

Barack Obamas flammendes Plädoyer für ein neutrales Internet verärgert amerikanischer Netzbetreiber. Die Debatte über ein Zwei-Klassen-Internet ist längst auch in Europa angekommen.

Ein Mann hält seine Hand vor einen Verteilerpunkt, in dem zahlreiche Glasfaserkabel zusammenlaufen Quelle: dpa

Im schlimmsten Falle würde Randall Stephenson die Regierung eben verklagen. Der Geschäftsführer des größten amerikanischen Telekommunikationskonzerns AT&T ist sich mit seinem Präsidenten überhaupt nicht einig. Der Vorschlag Obamas, das Internet wie ein öffentliches Gut zu behandeln, sei ein „Fehler“. Solange Stephenson nicht weiß, wie das Internet künftig behandelt wird, will er den Breitbandausbau nicht weiter vorantreiben.

Die einen nennen Stephensons Vorgehen wirtschaftlich vernünftig, für die anderen ist es schlichtweg Erpressung. Eines allerdings steht fest: Es geht um eine Menge Geld. Für den Breitbandausbau will allein AT&T in den USA in den kommenden Jahren 18 Milliarden Dollar ausgeben. Geschwindigkeiten von bis zu einem Gigabit, also 1000 Megabit pro Sekunde, sollen erreicht werden. Zum Vergleich: Die bisher schnellste Verbindungsart LTE kommt auf 300 Megabit.

Wie die Debatte ausgeht, darüber entscheiden allerdings weder die Unternehmer noch Präsident Obama. Königsmacher ist die unabhängige Kommunikationsbehörde Federal Communications Commission (FCC).

Auch in Deutschland soll die Internet-Infrastruktur ausgebaut werden. Die Netzbetreiber möchten im nächsten Jahr acht Milliarden Euro investieren. Dabei geht es vor allem darum, die großen Datenmengen aus Videostreaming, Smart-Home und Industrie 4.0 zu beherrschen. Immer wieder wird auch über Netzneutralität diskutiert.

Wie aktuell das Thema in Europa ist, zeigt der Gesetzesvorschlag „Telecom Single Market“ (TSM), der dem Europäischen Rat zur Abstimmung vorliegt. Dabei geht es neben der Schaffung eines europäischen Kommunikationsmarkts unter anderem auch um die Netzneutralität.

Was Sie zur Debatte wissen müssen, haben wir in fünf Punkten zusammengefasst:

Was ist eigentlich Netzneutralität?

Netzneutralität bedeutet im Kern, dass jedes verschickte Datenpaket gleich behandelt wird, unabhängig von Sender und Empfänger. Im Idealfall würde also ein Teil verschicktes Foto genauso behandelt, wie die Information eines Herzschrittmachers an den Arzt.

Experten wie Nick Kriegeskotte vom Branchenverband Bitkom aber meinen, dass die strikte Gleichbehandlung zu Störungen führen kann: „Wenn zu viele Datenpakete gleichzeitig verschickt werden, kann es zu Verzögerungen, im schlimmsten Falle zum Datenverlust kommen.“ Unter anderem ließen sich so etwa Störungen bei Videotelefonaten oder das Aussetzen eines Livestreams erklären.

Worum geht es in der Debatte?

Ein einfacher Vergleich hilft, die Debatte verständlich zu machen: Ist der Zugang zum Internet eher mit dem Stromanschluss oder mit Kabelfernsehen zu vergleichen?

Strom ist aus dem heutigen Leben nicht mehr wegzudenken, er ist ein öffentliches Gut, das das moderne Leben bestimmt – und sei es nur die Nachtischlampe, die man morgens nach dem Aufwachen anknipst. Auch das Internet sei heute so ein öffentliches Gut, meint Präsident Obama. Er fordert: keine Priorisierung von Daten, kein Beschleunigen einzelner Dienste oder Websites, kein Blocken von Internetseiten und Transparenz der Anbieter.

Seine Kontrahenten, insbesondere die Netzanbieter, betrachten das Internet aber eher wie das Kabelfernsehen  – als ein System, bei dem jeder für die Dienste bezahlt, die er nutzt. So sollten zum Beispiel Unternehmen, die eine Hohe Bandbreite nutzen mehr bezahlen.

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