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Netzstruktur Wo das deutsche Internet wohnt

Der sogenannte DE-CIX in Frankfurt ist der wichtigste Internetknoten der Welt. Was passiert dort? Ein Blick in graue Schränke und in die Struktur des Netzes.

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Rechenzentrum der DE-CIX (2009) Quelle: AP

Im deutschen Internet ist es laut und warm. Die Lüfter machen so viel Krach, dass fast schreien muss, wer sich verständigen will. Trotzdem ist die Temperatur in dem Raum so hoch, dass es in der Jacke sofort unerträglich heiß wird. Gäbe es diese Nebenwirkungen nicht, wäre das deutsche Internet nicht sonderlich beeindruckend. "Das ist alles?" "Ja", brüllt Arnold Nipper. Das Internet passt in vier Schränke, jeder zwei Meter hoch, einen halben Meter breit und verbunden mit einem Bündel gelber Glasfaserkabel.

Die Schränke gehören dem DE-CIX, dem deutschen Internetknoten, und sie stehen an der Hanauer Landstraße, in einem Rechenzentrum in einem Industriegebiet im Osten von Frankfurt am Main. Arnold Nipper ist der Gründer des Netzknotens, heute der technische Leiter und durchaus stolz auf sein Werk. Zu Recht, auch wenn es auf den ersten Blick unspektakulär aussieht: Der Raum, einer von vielen identischen in dem Rechenzentrum, ist klein, hat graue Wände, einen schmutzigweißen Linoleumfußboden, gelbe Kabel, Neonlicht. Das passt zur Umgebung draußen, viele Tankstellen, viele Lagerhallen, wenig Bäume. Wäre Langeweile eine Landschaft, sähe sie genau so aus.

Doch wer sich deshalb geringschätzig abwendet, sieht das Wesentliche nicht. Die Schränke des DE-CIX sind eine der wichtigsten Infrastrukturen in Deutschland. Und sie sind ein gutes Beispiel dafür, warum das Internet in seiner Idee auf den ersten Blick kaum zu erfassen ist.

Das Netz besteht aus vielen Netzen

Es beginnt damit, dass es "das" Internet gar nicht gibt. Es besteht aus vielen einzelnen Netzwerken, die miteinander verbunden sind. Jedes davon versorgt vielleicht eine Stadt, eine Region oder ganze Länder mit Daten. Die Betreiberfirmen bauen oder mieten Datenleitungen und Rechenzentren und schließen Kunden ans Netz an. Sie werden IP-Carrier genannt. Hunderte davon gibt es, sie heißen Strato, 1&1 oder OSN Online Service Nuernberg. Die Telekom ist zwar ein sehr großer Carrier, aber letztlich nur einer unter vielen.

Wenn nun jemand vor seinem Rechner im Taunus sitzt und ein Video anschauen möchte, das auf einem Server zum Beispiel in Finnland liegt, durchqueren seine Daten mehrere solcher Netzwerke. Damit das möglich ist, müssen die einzelnen Netzwerkbetreiber ihre Daten untereinander austauschen, und damit müssen sie durch die Leitungen, die Nipper und seine Mitarbeiter betreuen.

Einen solchen Austausch gibt es in jedem Markt, ob dort nun mit Gas gehandelt wird oder mit Telefonanschlüssen. Will ein Berliner nicht bei seinem Berliner Anbieter sein Gas beziehen, sondern bei einem in Hamburg, müssen der Hamburger und der Berliner Gasanbieter miteinander einen Vertrag aushandeln. Dabei geht es vor allem um die sogenannte Durchleitungsgebühr. Zwar wird das Hamburger Gas nicht zu dem Kunden nach Berlin gepumpt, aber der Hamburger Betreiber zahlt eine Gebühr dafür, dass er das Berliner Gasnetz "nutzt", also einen Kunden dort abgeworben hat.

Zehn Vorurteile gegen die Cloud
1. Die Cloud ist nicht sicher  Falsch. Vielmehr gilt: Wer billig kauft, kauft teuer. Die Begründung: Wichtig ist es, für seine Anforderungen das richtige Modell zu finden. Hierfür muss zwischen der öffentlichen Public Cloud und der geschlossenen, nur angemeldeten und abgesicherten Nutzern zugänglichen Private Cloud unterschieden werden. In vielen Public Cloud Angeboten gibt es bis dato keine Modelle, die dem Kunden Sicherheit garantieren. In einem Private Cloud Modell dagegen lassen sich Sicherheitszusagen sowie Zusagen für Performancewerte durchaus treffen. Wichtig ist es, für seine Anforderungen das richtige Modell zu finden. Ob ein Service die für den Kunden ausreichende Sicherheit liefert, wird in Private Clouds durch Zertifikate wie zum Beispiel das SSAE16 sowie die verwendete Architektur und Technologie  sichergestellt. Neben einem Zertifikat ist das SLA (Service Level Agreement) zwischen Anbieter und Nutzer von entscheidender Bedeutung. Im Übrigen kann selbst ein Cloud-Anbieter nicht auf die Daten des jeweiligen Kunden zugreifen. Auch dann nicht, wenn er zu administrativen Zwecken auf die Netzinfrastruktur und Systeme zugreifen muss. Quelle: dapd
2. Ich verliere die Rechte an meinen DatenFalsch. Lesen Sie das Kleingedruckte. Die Begründung: Tatsächlich ist es oft schwierig, seine Daten einfach und sicher zu einem Cloud Provider zu migrieren. Man sollte denken, es wäre selbstverständlich, die Hoheit über seine Daten zu behalten. Leider sehen die SLA´s einiger Anbieter hierfür keine geregelte Strategie vor. Daher müssen Unternehmen bei manchen Anbietern mit hohen Aufwänden für die Migration ihrer Daten rechnen. Dann wird ein vermeintlich attraktives Angebot schnell zum kommerziellen Desaster. Es lohnt sich, das Kleingedruckte aufmerksam zu lesen, zu verstehen, und gegebenenfalls Transparenz einzufordern.  Quelle: dapd
3. One size fits allEine flexible, uneingeschränkte Skalierung ist Trumpf. Die Begründung: Cloud Angebote basieren auf Virtualisierung, also einer vernünftigen Auslastung von Ressourcen, um die Kosten niedrig zu halten. Darum sollten Anwender darauf achten, daß sie Ressourcen gemäß ihrer individuellen Anforderungen frei skalieren können. Nur dann lassen sich weitreichende kommerzielle Vorteile erzielen. Quelle: dpa/dpaweb
4. Es gibt nur zwei Abrechnungsmodelle: "Pay as you go" oder LaufzeitenvertragFalsch. Die Lösung liegt in einer klugen Mischung aus beidem. Die Begründung: Es ist klar, dass das "Pay as you go", also ein bezugsabhängiges Abrechnungsmodell ohne Vertragsbindung, grundsätzlich teurer ist als eine vertraglich vereinbarte Abnahme von Leistungen. Sobald Anwender jedoch eine maximale Flexibilität oder stark schwankende Anforderungen erkennen, ist es lediglich ein Rechenbeispiel, welches Modell ihren Anforderungen am besten entspricht. Spielen der Faktor Flexibilität in Zukunft eine wesentliche Rolle, kann sich ein "Pay as you go"-Modell schnell rechnen.  Quelle: dpa
5. Cloud Services reduzieren ArbeitsplätzeFalsch. Durch die Nutzung von Coud Services entstehen neue Arbeitsplätze, beim Anbieter wie beim Anwender. Die Begründung: Die Nutzung von Cloud Services dient zunächst der Reduzierung von Bedarf und Kosten in der IT. Im Anschluss werden dadurch Ressourcen für hochwertige Aufgaben verfügbar gemacht, die bis dahin nicht oder nur extern bedient werden konnten. Damit führt die effektive und exzellente Unterstützung der Unternehmensprozesse durch die Cloud zu mehr Produktivität und damit zu mehr Geschäft– was zusätzliche Arbeitsplätze im Unternehmen schafft. Quelle: dapd
6. Die Cloud ist nur das Outsourcing von gesternFalsch. Jeder kann seine Cloud selbst betreiben. Die Begründung: Unternehmen können ihre Private Cloud im eigenen Hause betreiben und lediglich die Vorteile nutzen. Letztendlich bieten die verschiedenen Modelle der Cloud-Anbieter eine maximale Anpassung an den individuellen Bedarf der Anwender. So ist im Private Cloud Modell von Dimension Data auch vorgesehen, die Hardware im Rechenzentrum des Kunden zu platzieren. Anwender können hierbei die IT-Kontrollsoftware des Anbieters nutzen, welche Orchestrierung und Provisionierung sowie Reporting und Billing in einer einfachen Nutzeroberfläche zur Verfügung stellt. Das Hosted Private Cloud Modell hingegen sieht die Hardware in einem der Rechenzentren des Dienstleisters vor. Eine Kombination ist möglich, ebenso wie eine Kombination von Private Modellen und Pay as you go Modellen innerhalb der Public Services.   Quelle: REUTERS
7. Anforderungen weltweit tätiger Unternehmen kann die Cloud nicht bedienenFalsch. Verlässliche Anbieter liefern heute auf allen Kontinenten und in mehreren Rechenzentren global ausgerichtete Cloud-Angebote. Die Begründung: Verteilte Rechenzentren in jedem Kontinent sowie eine technologisch fortschrittliche Verwaltung der Cloudressourcen ermöglichen den Rollout von globalen Systemen innerhalb kürzester Zeit. Anwender sollten dabei sicherstellen, dass die SLA´s sowie die Supportmodelle des Anbieters zu ihnen passen und die eingesetzte Technologie sicher und verlässlich funktioniert. Wichtig ist, dass die Administration der verschiedenen geografischen Standorte zentral zur Verfügung stehen kann und dass an allen genutzten Standorten die entsprechenden Sicherheitsstandards eingehalten werden.  Quelle: dpa

Provider tauschen Daten untereinander aus

Im Internet ist das anders – weil so viele verschiedene Netze und Anbieter existieren. Damit das ganze Netz funktioniert, damit also der Kunde im Taunus problemlos in alle Welt surfen kann, müssen viele Betreiber seine Daten weiterreichen. Müsste jeder mit jedem einen solchen Vertrag zur Durchleitung abschließen, gäbe es kein weltweites Internet, die Verhandlungen dazu wären viel zu mühsam.

Daher haben sich Netzanbieter darauf geeinigt, sich gegenseitig nichts zu berechnen und diesen Austausch – Peering genannt – an zentralen Punkten zu regeln, den sogenannten Internetknoten. Finanziert wird die Infrastruktur mit einer Gebühr, die jeder IP-Carrier, der mitmachen will, an DE-CIX zahlt. Oder an AMS-IX in Amsterdam oder einen anderen großen Knoten.

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