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Neue Apps Afrika erobert mobiles Internet

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Mobilfunkdienste gleichen Infrastrukturmängel aus

Diese Volkswirtschaften geben 2050 den Ton an
Skyline Berlin schön Quelle: dpa
Eine Frau verkauft Hülsenfrüchte Quelle: REUTERS
Platz 9: Russland und der IranDank erneut hoher Ölpreise und einer stark steigenden Konsumnachfrage ist das russische BIP im Jahr 2011 laut amtlicher Statistik um 4,3 Prozent gewachsen. Für die kommenden drei Jahre sagen die HSBC-Experten Wachstumsraten in ähnlicher Größenordnung voraus. Sie gehen davon aus, dass Russland bis 2050 durchschnittlich um 3,875 Prozent wächst. Damit würde das Riesenreich in der Liste der größten Volkswirtschaften der Welt von Rang 17 (2010) auf Rang 15 steigen. Ebenfalls eine durchschnittliche Wachstumsrate von 3,875 Prozent bis 2050 prophezeit die britische Großbank dem Iran. Im Jahr 2011/2012 betrug das Bruttoinlandsprodukt Schätzungen zufolge circa 480 Milliarden US-Dollar. Zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen Irans zählen die Öl- und Gasindustrie, petrochemische Industrie, Landwirtschaft, Metallindustrie und Kfz-Industrie. Die Inflationsrate wird von offizieller Seite mit 22,5 Prozent angegeben, tatsächlich liegt sie bei über 30 Prozent. Die Arbeitslosenrate beträgt offiziellen Angaben zufolge 11,8 Prozent. Quelle: dpa-tmn
Ginza-Viertel in Tokio Quelle: dpa
Mexikanische Flagge Quelle: dapd
Copacabana Quelle: AP
Baustelle in Jakarta Quelle: AP

Die Prognose erscheint durchaus realistisch. Denn nirgends auf der Welt wächst die Zahl der Mobiltelefone so schnell wie in Afrika. Mehr als die Hälfte der rund 1,1 Milliarden Afrikaner besitzen Daten der Internationalen Fernmeldeunion zufolge ein Handy, meist simple Geräte mit Tastatur und Zwergenbildschirm. Und doch sind sie Allzweckwaffen im afrikanischen Alltag: Die Menschen nutzen ihre Telefone als Geldbörse, Radio, Arztpraxis, Wetterstation und Bankkonto. Wo immer es an Infrastruktur fehlt, springen neue Mobilfunkdienste ein, die den Mangel ausgleichen.

Viele davon stammen aus Nairobi: Der Dienst iCow etwa schickt Bauern gegen Gebühr per SMS Tipps, wie sie ihre Kühe gesund halten und ihnen mehr Milch entlocken. MFarm sendet ihnen Preise für Bohnen, Bananen oder Süßkartoffeln aufs Telefon, damit Großeinkäufer sie nicht über den Tisch ziehen. M-Pepea wiederum vergibt Notfallkredite bis zu 20.000 Shilling – umgerechnet 170 Euro – via Mobilfunk. Eine SMS-Anfrage reicht, schon wird das Geld der Handygeldbörse gutgeschrieben – gegen Zinsen von 10 bis 15 Prozent. Die Leihsumme zieht M-Pepea vom nächsten Gehalt des Schuldners ein.

Ihren Lohn erhalten die meisten Kenianer auf dem Handy – dank des mobilen Bezahldienstes M-Pesa. 2007 vom kenianischen Mobilfunkanbieter Safaricom gegründet, an dem Vodafone beteiligt ist, hat er nun gut 18 Millionen Nutzer, bei 43 Millionen Einwohnern. Laut Safaricom fließen 43 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes durch M-Pesa. Der Dienst ist so erfolgreich, weil er mit Billighandys funktioniert, kinderleicht zu bedienen ist und vielen Kenianern erstmals ein Bankkonto bietet.

Testen in Deutschland nur ein paar Tausend Supermärkte und Schuhläden das Bezahlen per App, so können die Kenianer praktisch überall per Handynachricht zahlen: das Bier in der Bar, die Stromrechnung, die Krankenhaus-Gebühren.

Einfluss jenseits von Afrika

M-Pesa ist der Grundstein für Kenias IT-Wunder: Dutzende Startups nutzen den Dienst für neue Geschäftsideen. Viele residieren in Gründerzentren wie dem iHub oder dem Inkubator 88mph, wo auch die BookNow-Gründer ihren Schreibtisch haben – einen von 200 Arbeitsplätzen zwischen Sofas, Blumenkübeln aus alten Autoreifen und einer Kaffee-Bar.

Im Jahr 2011 vom dänischen Unternehmer Kresten Buch gegründet, ist 88mph heute eine der größten Gründerschmieden Afrikas. 35 Startups hat sie angeschoben – mit insgesamt drei Millionen Dollar Startkapital unter anderem von Google, Samsung und Microsoft. „Warum Zeit in Europa verbringen“, sagt Buch, „wenn du in Afrika an einer Revolution teilnehmen kannst?“

Wer mit seiner Idee bei 88mph landet, erhält bis zu 100.000 Dollar Wagniskapital und für drei Monate einen Schreibtisch. Startup-Experten helfen beim Geschäftsplan, Designer beim Bau einer Web-Seite oder App. Bis spät in die Nacht gibt es immer die Gelegenheit, sich bei einem Kaffee mit anderen Gründern auszutauschen.

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