Neue EU-Pläne am Mittwoch Abschaffung der Roaming-Gebühren wird dauern

Die EU-Kommission will die teuren Roaming-Gebühren für die Handynutzung im Ausland abschaffen. Am Mittwoch will EU-Kommissarin Kroes ihre Pläne präsentieren. Bei der Umsetzung ist Streit programmiert.

Smartphone im Urlaub wird billiger
Paar am Strand Quelle: obs
Kinder auf einem Floß Quelle: gms
Massage am Strand Quelle: gms
Ein Mann tippt am Freitag (23.03.2012) auf einem Smartphone eine SMS. Quelle: dpa
Frau an einem See Quelle: obs
Eine deutsche Urlauberin telefoniert auf Mallorca am Strand von Platja Quelle: dapd

Fotos vom Strand machen und verschicken oder zu Hause anrufen und Bescheid sagen, dass man gut angekommen ist – all das kostet bei der Handynutzung im Ausland viel Geld. Diese Regelung will EU-Kommissarin Neelie Kroes ändern und die Gebühren abschaffen. Am Mittwoch wird sie voraussichtlich einen überarbeiteten Bericht vorlegen. Nach den bislang fehlgeschlagenen Anläufen der vergangenen Monate reagieren Verbraucherschützer allerdings noch verhalten auf diese Ankündigung, wonach die EU-Behörde ihre Pläne für die Abschaffung von Roaming-Gebühren mit dem nächsten Gesetzesentwurf in die Tat umsetzen will.

„Das ist noch lange keine beschlossene Sache“, sagte eine Sprecherin der Europäischen Verbraucherzentrale Deutschland. Schließlich seien die Pläne zum kostenlosen grenzübergreifenden Datenverkehr innerhalb Europas schon mehrfach unter dem Druck der Telekommunikations-Lobby zusammengebrochen.

Die Gebühren, die Telekom-Firmen ihren Wettbewerbern für die Nutzung ausländischer Netze zahlen, sind für viele Konzerne eine wichtige Einnahmequelle. Laut Verbraucherzentrale NRW sollen die Gebühren durchschnittlich etwa fünf Prozent des Umsatzes ausmachen.

Über 100 Mobilfunk-Anbieter wären in den 28 Ländern betroffen, sollte der Gesetzesentwurf vor dem Parlament durchkommen. Vor allem die Deutsche Telekom, Orange Telecom Italia und Telefonica - diese Unternehmen sind europaweit auch am stärksten in den Ausbau der Mobilfunknetze einbezogen. Wie sehr die Telekom dabei nach eigenen Angaben an die Grenzen gerät, zeigte die Diskussion um die Drosselung von Datenvolumen beim Surfen im Internet.

Fakten zur Drosselung
Für wen gelten die Obergrenzen?Zunächst einmal geht es nur um Neukunden, die einen Vertrag vom 2. Mai 2013 an abschließen.
Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein gewöhnlicher Haushalt die Obergrenze in seinem Tarif überschreitet?Das lässt sich heute mit Blick auf das Jahr 2016 schwer sagen. Der Telekom zufolge kommt ein Kunde heute im Schnitt auf 15 bis 20 Gigabyte im Monat. Das passt zwar mehrfach in die niedrigste angekündigte Daten-Obergrenze von 75 Gigabyte für Anschlüsse mit einer Geschwindigkeit von bis zu 16 MBit pro Sekunde. Allerdings nimmt der Videokonsum aus dem Netz rasant zu. Neue TV-Geräte sind internettauglich, Sender bauen ihre Mediatheken aus, immer mehr Dienste bieten Streaming von Filmen und Serien an. Bis 2016 kann der Datenhunger der deutschen Haushalte also noch stark wachsen. Quelle: AP
Wie weit kommt man denn so mit 75 Gigabyte?Laut Telekom reicht das neben dem Surfen im Netz und dem Bearbeiten von Mails zum Beispiel für zehn Filme in herkömmlicher Auflösung sowie drei HD-Filme, 60 Stunden Internetradio, 400 Fotos und 16 Stunden Online-Gaming. Wenn solche Online-Dienste insbesondere in einem Haushalt mit mehreren Personen fest zum Alltag gehören, häuft sich locker eine höhere Nutzung an. Allerdings: Der hauseigene Telekom-Videodienst Entertain zehrt nicht an dem Daten-Kontingent. Quelle: REUTERS
Und was ist mit den anderen Anbietern?Nach aktuellem Stand würden die Nutzung von Entertain-Konkurrenten wie Apples iTunes-Plattform, Amazons Streaming-Dienst Lovefilm oder des ähnlichen Angebots Watchever sowie von YouTube das Inklusiv-Volumen verbrauchen. Bis 2016 könnten die Anbieter aber noch Partnerschaften mit der Telekom abschließen, die ihnen für gesonderte Bezahlung einen
Was passiert, wenn man das Inklusiv-Datenvolumen überschritten hat?Entweder man begnügt sich mit der Vor-DSL-Geschwindigkeit von 387 Kilobit pro Sekunde, mit der man vielleicht E-Mails checken und mit viel Geduld auch im Internet surfen kann. Oder man bucht mehr Datenvolumen hinzu. Die Tarife dafür wurden von der Telekom noch nicht genannt. UPDATE: Die neue Grenze liegt bei 2 MG/s (Stand: 12. Juni 2013). Quelle: dpa
Machen andere Internet-Provider bei der Drosselung mit?Vodafone will nicht mitziehen: „Wir haben keine Pläne, die DSL-Geschwindigkeit unserer Kunden zu drosseln.“ Auch Unitymedia Kabel Baden-Württemberg erteilte einer Drosselung eine Absage: Bereits heute könnten Datenübertragungsraten von 150 Megabit pro Sekunde angeboten werden, die mit wenigen technischen Anpassungen auf 400 MBit pro Sekunde erhöht werden könnten. Bei Kabel Deutschland dagegen gibt es bereits Datengrenzen - sie funktionieren aber anders als bei der Telekom. So ist ein Tages-Volumen von 10 Gigabyte vorgesehen, nach dem das Tempo gedrosselt werden kann. Derzeit passiert das aber erst ab 60 GB am Tag. Bei 1&1 gehört das Prinzip fest zum günstigsten Tarif dazu: Bis 100 GB im Monat surft man mit bis zu 16 MBit pro Sekunde, danach nur noch mit der langsamsten DSL-Geschwindigkeit von 1 MBit pro Sekunde. Quelle: dpa

Zudem scheint der aktuelle Gesetzesentwurf nach bisherigen Kenntnissen sich kaum von der bestehenden, bereits um gesetzten Deckelung zu unterscheiden. „Es scheint als würden die Anbieter lediglich gebeten, die Gebühren abzuschaffen“, sagt Thomas Bradler von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Eine gesetzliche Verpflichtung wird es wohl vorerst nicht geben.

„Man hofft wohl, dass der Markt sich von alleine in die richtige Richtung bewegt“, sagt Bradler. Und das sei grundsätzlich nichts Neues. „Diese Regelung gibt es im Zuge der Deckelung schon jetzt“, sagt Bradler. Die EU greift bereits in Sachen grenzübergreifende Kosten ein und gibt einen Höchstpreis vor, an den sich die Anbieter halten müssen.

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